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Nach wie vor ein Tausendsassa

Jazzlegende Chick Corea macht auf seiner Europatournee ausgerechnet im kleinen Schaan Halt. Wie es dazu kam und wie der Pianist sein von weit her gereistes Publikum auch mit kindlicher Freude verführte.
Martin Preisser
Pianist Chick Corea zu Gast in Schaan: Jung geblieben und immer noch der begeisternde, agile Alleskönner am Flügel. (Bild: Michel Canonica)

Pianist Chick Corea zu Gast in Schaan: Jung geblieben und immer noch der begeisternde, agile Alleskönner am Flügel. (Bild: Michel Canonica)

Er ist 77 Jahre alt, drahtig, wendig, fast jugendlich aufgeräumt. Chick Corea, sicher einer der bedeutendsten zeitgenössischen Jazz-Pianisten, lebt seine Lust an der Musik so unbändig, farbenreich, aber auch so spontan wie eh und je aus. Seine Reise durch die musikalische Geschichte, die auch seine eigene ist, wird in Schaan zu einem warm-wohligen, aber packend-anspruchsvollen Erlebnis. Wie kein anderer kann der 22-fache Grammy-Gewinner den Groove durchhalten; keine Klangfarbe ist verwischt, keine musikalische Linie, die nicht stringent durchgehalten wird.

Auch bei improvisatorischen Wagnissen herrscht unter Chick Coreas Händen perlend-unentwegter Fluss, da gibt es keinen Takt Leerlauf. Corea hat zu einer neuen Natürlichkeit gefunden, kann die Erfahrungen eines langen Jazz-Lebens entspannt präsentieren, mixen, färben. In schmeichelndem, doch hochvirtuosem Parcours.

Immer ein samtig- schwebender Klavierklang

Wenn er Stile mixt – eine besondere Spezialität des Künstlers – dann tut er das mit fast kindlichen Unschuld, da ist nichts verkopft, sondern alles lustvolle Suche nach swingenden Elementen, etwa wenn Corea im zweiten Satz von Mozarts Sonate KV 332 die Melancholie leicht bluesig anstrahlt, mit fast unmerklichen rhythmischen Verzögerungen diesen klassischen Komponisten zu swingen beginnen lässt. Und so als sei Gershwin die direkte Fortsetzung von Mozart, kommt der samtig-schwebende Klavierklang bei «The Man I Love».

Auch von einer Chopin-Mazurka, die Corea intelligent mit pikanten Jazz-Elementen spickt, ist es bei ihm nicht weit zu Bill Evans’ «Waltz for Debbie». Der federnde Rhythmus scheint die Epochen zu vereinen. Läufe und Harmonien veredelt Chick Corea mit weichen, gedeckten Farben. Und egal, wie weit er sich vom Original wegbewegt, sein hintergründiger Sinn für den Gesamtaufbau und den Fluss bleibt stets begeisternd spürbar.

Bild: Michel Canonica

Bild: Michel Canonica

Mit kindlicher Freude am Unverstellten

Ein besonderer Moment in Schaan, wo rund 600 Besucher dem Altmeister zuhörten, war Coreas Sicht auf eine Scarlatti-Sonate. Wie ein Wunder verwandelten sich die barocken Figuren in atonalere Skalen und wieder zurück. Musik ist nicht Vergangenheit, Musik ist im Augenblick, das ist die klingende Botschaft des Jazz-Tausendsassas. Intim und rhythmisch reichhaltig gerät auch seine Sicht auf die Latino-Welt in «Desafinado» oder die Hommage an Freund Paco de Lucia in «The Yellow Nimbus».Chick Coreas Rezital ist ein feinsinniger Rückblick auf die eigenen musikalischen Prägungen der letzten fünfzig Jahre, und mit einer Auswahl aus seinen «Children’s Songs» auch ein Rückblick auf die kindliche Welt. Kurze, prägnante Miniaturen sind das, die Chick Corea im Konzert herrlich mit Improvisationen auflädt, eben fast mit kindlicher Freude am Unverstellten, an der Fantasie und am Überraschenden. Wie er mit dunklen Saitenklängen im 12. Children’s Song im Inneren des Bösendorfer-Flügels mit kräftigen Nebel den Abend tastenlos ausklingen liess, war ein beeindruckender Schlussakzent.

Chick Corea ist auch ein kommunikativer Musiker, der famos den Charakter von Menschen am Flügel skizzieren kann, die den Mut hatten, sich vor ihn zu setzen. Und er hat in Schaan dazu eingeladen, mit ihm zu improvisieren. Eine Sängerin hatte die Courage, ebenso der Ostschweizer Jazzpianist Claude Diallo, der für einige amüsante und gelungene Minuten mit der Jazz-Legende einen Tasten-Ping-Pong wagte.

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