Nach langem Weg zurück: Damen Gough veröffentlicht endlich wieder ein neues Album

Vor zwanzig Jahren traf Damon Gough mit seinem Debüt-Album den Zeitgeist. Von dem Schock hat er sich nun endlich erholt.

Hanspeter Künzler
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Die Antwort auf Bob Dylan? Damon Gough alias Badly Drawn Boy.

Die Antwort auf Bob Dylan? Damon Gough alias Badly Drawn Boy.

Bild: David Oldham

Nicht alle Künstler sind für den Erfolg gerüstet. Damon Gough alias Badly Drawn Boy hatte seinen dreissigsten Geburtstag hinter sich, als er mit seinem ersten Album, «The Hour of Bewilderbeast», den Mercury-Preis für das «wichtigste britische Album des Jahres» gewann. Zum Jahrtausendwechsel kredenzte der unscheinbare Mann aus Manchester folkige Ohrwürmer, die wie seine ausgebeulte Wollmütze unzynische Aufrichtigkeit suggerierten.

Statt seine Auftritte mit schrillen Videos zu untermalen, säumte er den Bühnenrand mit Topfpflanzen und erzählte amüsante Geschichten. «Das kommt heraus, wenn man (den klassischen englischen Komiker) Tommy Cooper mit dem Boss (Bruce Springsteen) kreuzt», konnte man in der Sonntagszeitung «The Observer» lesen:

«Die Antwort dieser Generation auf Bob Dylan.»

«Ich bekenne mich schuldig!» lacht Damon, als wir ihm den alten Zeitungsausschnitt vorlegen. «Ich wünschte mir nur, die Dinge hätten sich so entwickelt, dass man heute tatsächlich noch in diesem Stil über mich spräche.»

Badly Drawn Boy ist ein klassisches Beispiel für einen Künstler, der, er wusste nicht wie, vom Zeitgeist erfasst wurde, nur um kurz danach gnadenlos in den Sand gesetzt zu werden. Die Alben, die er während der restlichen 00er-Jahre veröffentlichte – darunter der ebenfalls erfolgreiche Soundtrack der Nick-Hornby-Verfilmung «About a Boy» – waren hörenswert.

Nur wollte niemand mehr an die Zeit erinnert werden, wo «Bewilderbeast» den Ton angegeben hatte. Gough machte die Situa­tion nicht unbedingt besser mit ein paar Liveauftritten, bei denen er sich mit dem Publikum stritt oder sonstwie im Chaos landete.

Wegen Alkoholsucht auf die Strasse gestellt

2012 stellte er sein bis jetzt letztes Album fertig. Es war wiederum ein Soundtrack, aber der dazugehörige Film «Being Flynn» schaffte es nie in die europäischen Kinos, obwohl Robert De Niro und Julianne Moore mitspielten. Im gleichen Jahr hatte die Mutter seiner ersten zwei Kinder, mit der Gough fünfzehn Jahre lang zusammengelebt hatte, genug von seinem Alkoholkonsum und warf ihn aus dem Haus.

«Ich musste von vorn beginnen. Das hat mich schwer getroffen»

, sagt er. Drei Jahre später lernte er seine heutige Ehefrau kennen. Wiederum drei Jahre brauchte er, bis er endgültig vom Alkohol losgekommen war. Dazu litt er nun an Crohn-Krankheit und Diabetes und musste sich schliesslich einer Hüftoperation unterziehen. Er wolle die Probleme nicht allzu dick auftragen, sagt er, aber es sei eine harte Zeit gewesen. Zumal auch noch die leidige Geschichte mit dem Brexit gekommen sei.

«Mit dem neuen Album versuche ich zu dokumentieren, wie mich die persönlichen Kämpfe stärker gemacht haben in einer Welt, die einen täglich schockiert mit ihrer Ungerechtigkeit, Konfusion und Gemeinheit.»

Dem Ungemach zum Trotz hat er nicht vergessen, wie man gewichtige Gedanken in lockeren, elektronisch gewürzten Folkrock und freudvolle, luftige Ohrwürmer verpackt.

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