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St.Galler Tanzchefin Beate Vollack auf dem Sprung nach Graz

Beate Vollack pendelt seit Monaten zwischen der Ostschweiz und der Steiermark. Noch ist sie Tanzchefin am Theater St. Gallen, derweil hat sie zu Beginn der Saison in Graz die Ballettdirektion übernommen. Verspätete Flüge machen ihr inzwischen keinen Stress mehr.
Bettina Kugler
Proben macht Spass: Beate Vollack gibt ihrem Stück "Verzockt", dem letzten für die Tanzkompanie des Theaters St. Gallen, den letzten Schliff. Bild: Hanspeter Schiess.

Proben macht Spass: Beate Vollack gibt ihrem Stück "Verzockt", dem letzten für die Tanzkompanie des Theaters St. Gallen, den letzten Schliff. Bild: Hanspeter Schiess.

«Du kannst Pause machen, die Waffen schliesse ich dann selber weg . . .» Beate Vollack, ihrer Assistentin Bärbel Stenzenberger zugewandt, ist noch ganz im ­Feuer der Vormittagsprobe; man spürt das Adrenalin, die Energie des Kreativseins mit begrenztem Zeitrahmen. Gleichzeitig ist die Tanzchefin aber auch schon wieder einen Schritt weiter – auf dem Sprung ins verabredete Gespräch. Im winzigen Augenblick zwischen den zwei Verpflichtungen wirkt der Satz so abgebrüht, als falle er in einem Mafiafilm.

Waffen? Tatsächlich gibt es in «Verzockt», dem letzten Stück, das sie für ihre St. Galler Tanzkompanie choreografiert hat, exakt so viele Pistolen wie Tänzer. Es geht um alles oder nichts: Gespielt wird russisches Roulette, auf einer spiegelglatten, drehbaren Tanzfläche mit sechzehn Feldern. In sieben Runden gibt Risiko den Rhythmus vor – und Spielmacherin im Hintergrund ist noch einmal Beate Vollack.

St. Gallen war ihre Lehre: Verantwortung «light»

Vier Jahre lang war sie Chefin der Kompanie, aber bei genauerem Hinsehen viel mehr. «Ich bin hier die Mutti», sagt sie und meint es völlig ernst. «Wenn man sieben Stunden am Tag so eng und hautnah zusammenarbeitet, an guten wie an schlechten Tagen, da wird man zur Familie.» Eine Familie, für die sie von Anfang an gern die Verantwortung übernommen hat und die sie «mit Strenge und ­Liebe» führt.

In ihrem fünften Jahr am Theater St. Gallen hat der Ablösungsprozess begonnen; ­viele ihrer «Kinder» müssen andernorts Fuss fassen, sie selbst verlässt das Haus zum Ende der Spielzeit. Dann wird sie ganz in Graz angekommen sein, dem Dreispartenhaus, an dem sie bereits in der laufenden Saison Ballettdirektorin ist – mit Entscheidungshoheit in allen Belangen, einschliesslich Budget. Anders als in St. Gallen, wo die Tanzleiterin dem Operndirektor unterstellt ist. «Ich hatte damit nie ein Problem», sagt sie, «im Gegenteil: Es hat mir den Einstieg erleichtert, und ich konnte mich auf die künstlerische Leitung konzentrieren. Doch jetzt bin ich bereit für die volle Verantwortung und geniesse es, sie zu haben.»

Vom "Bunker" wieder in ein "schönes Theater"

Mit leicht gedämpfter Stimme gesteht sie dann, dass das Theaterhaus in Graz ihr Herz höherschlagen lässt, anders als der «Bunker» in St. Gallen. «Graz, das ist wieder ein richtig schönes Theater!» Sie sagt es so unüberhörbar verliebt, dass man schon fast den roten Samt unterm Po spürt. Dabei sitzen wir auf Klappstühlen in der Lokremise.

Die Lehrjahre in St. Gallen sind bald vorbei. Bild: Hanspeter Schiess

Die Lehrjahre in St. Gallen sind bald vorbei. Bild: Hanspeter Schiess

So ruhige Momente hat Beate Vollack selten, seit sie zwischen Graz und St. Gallen herumjettet – meist im Direktflug ab Zürich. «Mit etwas Glück kann ich hier bis 18 Uhr proben und dann noch spätabends in Graz eintreffen.» Sie lacht. «Wenn nicht, ergebe ich mich inzwischen meinem Schicksal.» Der Stress des Pendelns hat sie gelassener gemacht.

Vielleicht auch deshalb, weil ihr viel daran liegt, ihren Tänzern hier wie dort das Gefühl zu geben, sie sei präsent und jederzeit für sie da. In Graz hat die etwas grössere Kompanie gerade begonnen mit den Proben zu «Die Jahreszeiten», einer Koproduktion mit St. Gallen. Weil sie nun andere Tänzer, andere Charak­tere vor sich hat, wird auch das Stück sich ändern. «Für mich ist keiner ersetzbar; ich arbeite gern mit ausgeprägten Persönlich­keiten. Mich interessiert der Mensch», sagt sie.

"Für mich ist keiner ersetzbar. Ich arbeite gern mit ausgeprägten Persönlichkeiten, mich interessiert der Mensch."

So fiel ihr immer auch der Abschied schwer, etwa von Tänzern wie Exequiel Barreras oder Alberto Terribile. Dass Kinsun Chan, der viele ihrer Stücke ausgestattet hat, ihr Nachfolger in St. Gallen wird, freut Beate Vollack ungemein. Sie selbst hat ihn dazu angestiftet, sich zu bewerben – als Anfänger in Sachen Leitung wie zuvor sie selbst. Nun kann sie ihn schrittweise einarbeiten. Bevor sie dann den St.  Gallern leise Servus sagt.

Premiere des Tanzstücks «Verzockt» heute 20 Uhr, Lokremise St. Gallen

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