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Kino: Eine Mutter am Ende ihrer Kraft

Charlize Theron spielt im Film «Tully» eine dreifache Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs. Kaum je hat ein Film so ehrlich und berührend von den Höhen und Tiefen der Mutterschaft erzählt.
Geri Krebs

«Er ist unharmonisch» – «Heisst das, Jonah ist zu dumm für die Schule?» – «Nein, nein, Ihr Sohn ist klug, aber er passt nicht hierher.» Marlo (Charlize Theron) ist eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs. Entnervt packt sie den Korb, in dem ihr Baby Mia unentwegt schreit, stösst noch einen Fluch aus und verlässt das Büro der Schulleiterin, die ihr soeben mitgeteilt hat, dass Jonah an der Schule nicht mehr länger tragbar sei.

«Mom, what’s wrong with you?».

Man hat einige Szenen zuvor bereits etwas von den Ausbrüchen des Siebenjährigen mitbekommen, den man früher wohl «verhaltensauffällig» und heute als schweren Fall von ADHS bezeichnet hätte. Dabei sind Jonah und Mia nicht die einzigen Kinder von Marlo und Drew (Ron Livingstone), das amerikanische Middleclass-Paar hat auch noch die neunjährige Sarah. Die Erstgeborene ist eigentlich ein angepasstes Mädchen, fragt in letzter Zeit nur öfters mal entgeistert: «Mom, what’s wrong with you?».

Zwei Frauen mit unheimlich viel Energie

Und nach dem Vorfall mit der Schulleiterin merkt Marlo selber: Es kann so nicht weitergehen. Sie kommt auf das Angebot zurück, das ihr Craig, ihr schnöseliger, neureicher Bruder kürzlich gemacht hatte, noch bevor Mia zur Welt gekommen war: Er wolle ihr eine ihm bekannte «Night-Nanny» finanzieren, eine Babysitterin, die sich jeweils nachts um das Baby kümmern und so den Eltern einen halbwegs ungestörten Schlaf ermöglichen würde.

Mackenzie Davies (links) und Charlize Theron werden als Tully und Marlo zu mehr als nur Freundinnen. (Bild: PD)

Mackenzie Davies (links) und Charlize Theron werden als Tully und Marlo zu mehr als nur Freundinnen. (Bild: PD)

Eine halbe Filmstunde lang schon hat man die Nöte der überforderten Marlo intensiv erleben können, als erstmals die Frau auftaucht, deren Name dem neuen Film des kanadischen Regisseurs Jason Reitman den Titel gegeben hat: Tully.

Von der Drehbuchautorin von "Juno"

Nach «Juno» (2007) über eine Teenagerschwangerschaft und «Young Adult» (2011) über eine Enddreissigerin, die sich nach einer gescheiterten Beziehung an die Rückeroberung einer inzwischen verheirateten Jugendliebe mit neugeborenem Baby macht, ist «Tully» bereits die dritte Zusammenarbeit zwischen Jason Reitman und der Drehbuchautorin Diablo Cody. Dabei wächst Charlize Theron einmal mehr, als mit ihrem Schicksal hadernde Frau, die früher mal andere Träume hatte, über sich hinaus. Dass sie das so spielend schafft, hat aber viel mit ihrem Gegenüber zu tun: der in ihrer Unnahbarkeit rätselhaft bleibenden Titelheldin.

Ihre Figur, von der 1987 geborenen Kanadierin Mackenzie Davies grossartig verkörpert, wird für Marlo rasch zum helfenden Engel. Aber nicht nur das. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich bald eine Freundschaft, bei der man nie so genau weiss, ob es dabei bleibt oder ob es nicht bereits stark knistert zwischen der überforderten Mutter und der lebenslustigen College-Studentin, die einmal von sich sagt, sie sei wie Saudi-Arabien: Sie habe zu viel Energie. Und es scheint diese Energie zu sein, die in besten Momenten auf den ganzen Film überspringt. Schade nur, dass Engel die Eigenschaft haben, dass sie irgendwann wieder entschwinden.

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