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«Musste mein Ego zurückstecken»

Nach einer Kreativkrise verwirklichte Countrysängerin K. D. Lang einen Traum: Sie spielte mit Folksängerin Laura Veirs und Singer-Songwriterin Neko Case eine Trioplatte ein. Laura Veirs erzählt, warum sie sich dabei auch ärgerte.
Michael Gasser
Drei Solo-Sängerinnen spannen zusammen: Die Amerikanerinnen Neko Case (links), K. D. Lang und Laura Veirs haben ein gemeinsames Album aufgenommen. (Bild: Jason Quigley)

Drei Solo-Sängerinnen spannen zusammen: Die Amerikanerinnen Neko Case (links), K. D. Lang und Laura Veirs haben ein gemeinsames Album aufgenommen. (Bild: Jason Quigley)

Frau Veirs, 2013 liess die kanadische Country- und Popsängerin K. D. Lang nicht nur Ihnen, sondern auch der Indie-Musikerin Neko Case aus heiterem Himmel eine E-Mail zukommen. Mit der Idee, eine Trioplatte einzuspielen. Wie reagierten Sie?

Laura Veirs: Überrascht und erfreut. Kurz zuvor wurde ich zum zweiten Mal Mutter und hatte eigentlich anderes zu tun. Ich sagte sofort zu – obschon ich innerlich zögerte, weil ich noch nie mit jemand anderem ein Lied geschrieben hatte. Tatsächlich waren unsere Treffen mitunter alles andere als ergiebig. Aber wir blieben hartnäckig, drei Jahre lang.

Das klingt anstrengend.

Veirs: Das war es. Im Vorfeld diskutieren wir ewig, im Studio waren wir dann aber effizient und hatten das Album bereits nach fünf Tagen im Kasten. Die Arbeit im Trio war eine aufregende Erfahrung.

Hat K. D. Lang Ihnen je anvertraut, warum sie Neko Case und Sie für das Trio wollte?

Veirs: Nicht wirklich. Ich glaube, K.D. kam mit ihren eigenen Songs nicht richtig vorwärts. Also griff sie auf eine lange gehegte Idee zurück: Eine Art weibliche Version der Traveling Wilburys, die sich aus Grössen wie George Harrison, Bob Dylan, Tom Petty, Jeff Lynne und Roy Orbison zusammensetzten. Als K. D. vor Jahren in meine Heimatstadt Portland zog, haben sich unsere Wege einmal gekreuzt. Das war für sie offensichtlich Anlass genug, ihre Triopläne aus der Schublade zu holen.

Neko Case schrieb einige Ihrer Texte komplett um. Hat das an Ihrem Ego gekratzt?

Veirs: Zu Beginn haben mich die Eingriffe irritiert und auch ein bisschen verärgert. Aber wir mussten Tausende von Kompromissen eingehen. Das war ungewohnt, denn als Solokünstlerin bestimmt man selbst, wo es langgeht. Das war bei Case/Lang/Veirs nicht möglich. Da hiess es, sich über den Sound, das Albumcover oder den Produzenten zu verständigen. Ich musste lernen, mein Ego zurückzustecken.

Das Stück «Best Kept Secret» stammt aus Ihrer Feder. War es schwierig, dieses Geheimnis mit K. D. Lang und Neko Case zu teilen?

Veirs: Das fiel mir leicht. Geschrieben habe ich das Stück, das von einem guten Freund handelt, bereits vor sechs Jahren. Doch ich war mit dem Ergebnis unzufrieden, darum habe ich den Song damals zur Seite gelegt. Jetzt habe ich eine neue Melodie verfasst. Gleichwohl votierte ich dafür, «Best Kept Secret» nicht auf die Platte zu nehmen, weil ich das Lied als zu poppig empfand. Doch genau deshalb wollten K. D. und Neko die Nummer veröffentlichen. Und sie hatten Recht.

Von Ihnen stammt auch «Song For Judee». Das Stück handelt von der Singer-Songwriterin Judee Sill, die 1979 im Alter von 35 Jahren an einer Überdosis starb und erst Jahre nach ihrem Tod Anerkennung fand.

Veirs: Ich bin kein ausgesprochener Fan von Judee Sill, aber ihr Stück «Kiss» berührt mich. Ebenso wie ihre traurige Lebensgeschichte, die nicht nur von Musik geprägt war, sondern auch von Überfällen, Knastaufenthalten und Drogeneskapaden. Zunächst zeigte sich K. D. von meiner Komposition alles andere als angetan. Ich musste sie erst überzeugen.

Ursprünglich wollte Ihr Trio eine punkige Platte einspielen. Doch auf «Case/Lang/Veirs» dominiert ein melancholischer Mix aus Americana, Folk und Indie. Warum?

Veirs: Das mit dem Punk war nur unsere Ausgangsidee. Ein verlockender Plan, doch dann haben sich unser Lieder einfach in eine andere Richtung entwickelt. Uns war wichtig, dass das Album nicht allzu süsslich klingt. Deshalb haben wir darauf geachtet, die Lieder nicht mit Harmonien oder Dreifachgesang zu überfrachten.

Vor der Plattenaufnahme soll sich das Trio zwar nicht gut gekannt, aber gegenseitig bewundert haben. Ist diese Bewunderung nach wie vor vorhanden?

Veirs: Auf jeden Fall. Aber es ist tatsächlich so, dass wir uns nicht wirklich gut kennen. Ausserhalb der Musik tauschen wir uns selten aus. Das dürfte sich ändern, sobald wir gemeinsam Konzerte geben. Denn auf Tour kann man sich nicht voreinander verstecken.

Neko Case, K. D. Lang & Laura Veirs: «case/lang/veirs» (Anti/Phonag)

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