MUSIKPREIS: «Überhaupt nicht brav»

Die Swiss Music Awards finden am kommenden Freitag zum zehnten Mal statt. Veranstalter Oliver Rosa spricht über die ersten Schritte, die immer gleichen Nominierten und die Zukunft.

Michael Graber
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Beispiel für eine eher unerwartete Nomination: Veronica Fusaro (Bild: PD)

Beispiel für eine eher unerwartete Nomination: Veronica Fusaro (Bild: PD)

Michael Graber

focus@tagblatt.ch

Oliver Rosa, die Swiss Music Awards (SMA) werden zehn Jahre alt. Damit geht langsam die Kinderphase zu Ende. Hatten die SMA eine gute Kindheit?

Ich würde schon meinen. Als wir vor zehn Jahren begonnen haben, wussten wir ja nicht, ob es einen Bedarf gibt für einen solchen Award. Wir sind dann schnell gewachsen und konnten bereits nach drei Jahren zum ersten Mal in eine grössere Location ziehen. Und mit der TV-Übertragung ein grosses Publikum erreichen. Das Kind hat schnell laufen gelernt.

Alles verlief problemlos?

Kein Kind lernt laufen, ohne dass es auch mal stolpert oder umfällt. Wir haben in diesen zehn Jahren immer wieder Anpassungen gemacht. Sei es bei den Kategorien oder beim Reglement. Es war aber nie so, dass wir alles komplett umkrempeln mussten.

Während die SMA laufen ge- lernt haben, ist parallel da­zu die Musikindustrie weltweit komplett ins Straucheln gekommen. Ist ein sol­cher Award noch zeitgemäss?

Es ist ja nicht so, dass insgesamt weniger Musik gehört wird – einfach über andere Kanäle und nicht mehr ausschliesslich über Albenverkäufe. Denken Sie zum Beispiel an Streaming. Es gibt ja auch erfreuliche Entwicklungen: Der Anteil an Schweizer Musik am heimischen Markt ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Das wollen wir abbilden und auch entsprechend feiern.

Wenn man die Nominierten über die zehn Jahre anschaut, sieht man oft die gleichen Namen. Viel Stress und viel Bligg. Ist das nicht ein bisschen langweilig?

Das finde ich nicht. Die SMA bilden auch Konstanz ab. Wir wollen Karrieren begleiten. Zuerst sind Künstler bei den New­comern nominiert, dann bei Best Hit oder bei Best Act. Beharrliche, erfolgreiche Schaffer, deren Qualität sich durchsetzt, kann man nicht ignorieren, nur weil sie bereits einen Preis erhalten haben. Das ist auch in anderen Märkten so. Die Toten Hosen haben ein Dutzend Echos, Robbie Williams 18 Brit Awards gewonnen. Zudem: Dieses Jahr haben wir so viele Künstler und Bands, die zum ersten Mal nominiert sind, wie noch nie.

Wer sich mit Schweizer Musik auseinandersetzt, kennt die Nominierten in der Best-­Talent-Kategorie meistens schon etwas länger. Fehlt da etwas der Mut?

Das glaube ich nicht. Dieses Jahr haben wir etwa mit Veronica Fusaro eine Künstlerin nominiert, die kaum jemand kannte. Man muss auch ehrlich sagen, dass es in der Schweiz selten raketenhafte Karrieren gibt, wo schnell von null auf hundert durchgestartet wird – Lo & Leduc, die bei ihrer Premiere drei SMA gewonnen haben, waren eine Ausnahme. Ansonsten dauert es in der Schweiz etwas länger, von daher sind wir meist sehr aktuell.

Neben Schweizer Künstlern werden jedes Jahr internationale Acts ausgezeichnet. Dabei kümmert es Coldplay doch herzlich wenig, ob sie einen SMA kriegen. Sind diese Kategorien einfach nötiges Beigemüse?

Wir bilden den Musikmarkt in der Schweiz ab. Und der Grossteil der hierzulande verkauften und gespielten Musik wird immer noch von ausländischen Musikern gemacht. In der Livesendung haben wir gerade einmal einen internationalen Preis. Der Fokus liegt klar auf Schweizer Musikern.

Nach der Kindheit geht es jetzt langsam auf die Pubertät zu. Werden die SMA jetzt rotzig und frech?

Dazu gibt es eigentlich keinen Grund. Ich empfinde den Award überhaupt nicht als brav oder angepasst. Wir werden weiterhin dafür sorgen, dass es nicht langweilig wird. Dieses Jahr haben wir etwa ein neues Moderationsduo. Das Publikum daheim am Fernseher hat einen tiefen Altersdurchschnitt, wir scheinen also die Zielgruppe gut zu erreichen.