MUSIKKABARETT: Bühnenmorde sind ihre Therapie

Als Tatort-Kommissarin jagt sie Mörder. Zum Ausgleich singt Delia Mayer «mörderische» Lieder, mit ihrer wunderbaren Jazz-Stimme und einem fabelhaften Jazz-Duo. Am Mittwoch war sie in der Kellerbühne.

Hansruedi Kugler
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Delia Mayer zupft an ihrer neuen Liebe, ihrem Kontrabass. (Bild: Benjamin Manser)

Delia Mayer zupft an ihrer neuen Liebe, ihrem Kontrabass. (Bild: Benjamin Manser)

Eine singende Kommissarin? Da liegt der Kalauer nahe: Wenn sie ihren Job gut macht, müsste sie eigentlich die Täter zum Singen bringen. Nun ist Delia Mayer aber erstens nur im Fernsehen Kommissarin, zweitens eine mindestens so gute Jazzsängerin wie Schauspielerin und drittens eine Frau mit viel Selbstironie. Nicht zu vergessen: Sie ist eine Künstlerin, die all dies auf der Bühne zur originellen Therapie verbindet. Denn Mayer sagt: «Die Tatort-Storys sind für mich schwer zu verdauen.»

Für sie sei dieses Bühnenprogramm sozusagen Therapie: «All die brutalen Morde, immer wieder diese grässlichen Kindsentführungen – und nicht zuletzt die blutenden Platzwunden, denen man beim Mittagessen gegenübersitzt!» Äusserst lebhaft schildert Delia Mayer die Dreharbeiten. Beim Tatort vom kommenden Sonntag stürzt zum Beispiel einer aus dem sechsten Stock kopfvoran auf ein Auto – und steht dann eine halbe Stunde später mit herausquellendem Hirn am Buffet. Da braucht man einen starken Magen, genauso wie bei ihrem Eingangslied: Von Konstantin Wecker hat sie es ausgeliehen. Darin rächt sich ein Mauerblümchen an der Männerwelt, indem sie dem Nächstbesten das Glied abschneidet. Danach wird Delia Mayers Liedauswahl allerdings weniger eklig: James Bond, Cole Porter, Bertolt Brecht, Georg Kreisler sind ja Klassiker des charmant Morbiden. Und was ist das häufigste Tatort-Mordmotiv? Klar: Eifersucht.

Makabre Songs mit amüsanter Leichtigkeit

Mayer singt fabelhaft feinsinnig. Etwas mehr «Dreck» in der Stimme hätte dem Abend zwar gut getan. Musikalisch ist er aber ein Hochgenuss: Die Bassklarinette seufzt tief, der Vorhang im Hintergrund glänzt blutrot und Delia Mayer summt einen lüpfigen Kriminaltango. Das Wehmütige hat schon jene ironische Note, die den makabren Songs amüsante Leichtigkeit verleiht. Wie bei Georg Kreislers «Biblahbuh», in dem ein moderner Blaubart mit Arsen und «Tomahawkl» seine Geliebten reihenweise ins Jenseits befördert, damit die Liebe ewig währet.

Hansruedi Kugler

hansruedi.kugler

@tagblatt.ch

Weitere Vorstellung: Heute Freitag, 20 Uhr, Kellerbühne St. Gallen.