Musikalische Veränderung
Retro-Singer Jake Bugg hat genug von der Nische: Jetzt setzt er auf Songs, zu denen man tanzen kann

Wer Jake Bugg bislang als Retro-Gitarrensongschreiber kannte, wird umdenken müssen. Der 27-jährige Engländer macht jetzt Pop.

Steffen Rüth
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Jake Bugg: «Ich bin ganz sicher kein ­abgehobener Arsch geworden.»

Jake Bugg: «Ich bin ganz sicher kein ­abgehobener Arsch geworden.»

Bild: Instagram

Jake Bugg war 16, als die BBC auf seinen kargen Folkrock aufmerksam wird und ihn fördert. Seine Stimme klang doppelt so alt, wie er war, weshalb er zum führenden Retro-Singer-Songwriter einer neuen Generation wurde. Doch begann er sich in der Nische zu langweilen, die Musik war nicht mehr spannend.

Deshalb will er sich auf dem fünften Album «Saturday Night, Sunday Morning» ganz neu kalibrieren. Was das heisst? Jake Bugg hat mit inzwischen 27 Lebensjahren die am jüngsten klingende Platte seiner Karriere gemacht. «Mein neuer Sound ist aus Lust an der Neugierde entstanden», sagt Bugg.

«Ich wollte meine Art, Musik zu machen, in eine neue Ära überführen und moderner aufziehen.»

«Ich bin so langsam kein junger Hüpfer mehr, aber nach zehn Jahren in einem Geschäft, in dem du nie weisst, ob du als Nächstes einen Triumph oder eine Bauchlandung hinlegst, bin ich nicht nur stolz auf alles, was ich erreicht habe, sondern spüre auch wieder Auftrieb.»

Er ist schon fast ein ­Discosänger

Die persönliche Hochstimmung hat der Engländer auf die frische neue Songsammlung «Saturday Night, Sunday Morning» übertragen. Jake Bugg hat das leicht nölige Element in seiner Musik abgelegt und ist plötzlich jemand, zu dessen Songs man sogar tanzen kann. «Lost» zum Beispiel lässt sich, ohne zu übertreiben, als Discosong beschreiben.

Das Video zum neuen Song «Lost» von Jake Bugg.

youtube

«In diesem Lied verarbeite ich nicht nur meine Sehnsucht nach dem altbekannten Konzertleben, von dem ich überzeugt bin, dass es bald wieder zurück sein wird. Sondern ich kanalisiere hier auch meine tiefe und lebenslange Liebe zu ABBA», sagt Jake, wieder schmunzelnd.

Seine Mutter liebt ABBA, «als Kind habe ich das gehört und nett gefunden, aber erst in den letzten Jahren habe ich mich mit deren Kompositionen befasst, die wirklich ­herausragend sind». Auch Supertramp und die Bee Gees mit ihren lichten, euphorischen Popsongs seien einflussreich gewesen.

Vollständig auf den alten, jüngeren Jake Bugg muss jedoch niemand verzichten. «Scene» oder «Maybe It’s Today» lassen die sonnige Seite der Beatles aufgehen, während das zentrale «Rabbit Hole» grossen Pop mit monströs aufwendiger Produktion und den psychedelischen Elementen von Jefferson Airplane, noch so einer Jake-Bugg-Lieblingsband, paart.

«Ich glaube, auch in der modernen Popmusikwelt sollte Platz sein für etwas originellere Burschen wie mich», sagt ein selbstsicherer Jake Bugg. «Ich habe mich ordentlich geschlagen und bin ganz sicher kein abgehobener Arsch geworden.»

Jake Bugg: «Saturday Night, Sunday Morning».

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