Musikalische Konflikte im Schwurgericht

FELDKIRCH. Schon der Weg zum Schauplatz weckt widerstreitende Gefühle. Nicht die gewohnte leicht beschwingte Neugier; eher Scheu. Zurückhaltung. Das Landesgericht Feldkirch ist, anders als das Konservatorium nebenan, ein düsterer Kasten.

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FELDKIRCH. Schon der Weg zum Schauplatz weckt widerstreitende Gefühle. Nicht die gewohnte leicht beschwingte Neugier; eher Scheu. Zurückhaltung. Das Landesgericht Feldkirch ist, anders als das Konservatorium nebenan, ein düsterer Kasten. Stacheldraht, Überwachungskameras, vergitterte Fenster; manchmal rufen die Insassen Unfreundliches in Richtung Illufer hinaus.

Ives hören als «Insasse»

Ein Ort, an dem man lieber nichts zu tun hat. So passt das Gebäude als «Veranstaltungs»-Ort gut ins Konzept der Reihe «Montforter Zwischentöne», die in ihrem Sommerzyklus die Dynamik des Streitens erforscht: als Erkenntnisweg und Kreativmodus. Die Bänke im Schwurgerichtssaal sind hart. Wer darauf sitzt, hört Stücke wie «The unanswered question» von Charles Ives oder Terry Rileys unentrinnbare Minimal-Music-Schleifen anders als gut gepolstert im Konzertsaal. Hört mit, was sonst in dieser Anstalt verhandelt wird. Fühlt sich als Insasse, nicht als Käufer kultureller Beglückung.

Neue Konzertdramaturgie

«Erheben Sie sich!», fordert das musikalische «Verfahren» im Schwurgerichtssaal. Ein Konzert im ursprünglichen Sinne, bedeutet lateinisch «concertare» doch streiten, kämpfen, wetteifern. Badamsuren Gangaabazar, Juan Carlos Díaz-Bueno und Quirin Mühlberger, Studierende des Landeskonservatoriums, haben mit dem Projekt den Wettbewerb «HUGO» für Konzertdramaturgie gewonnen. Als Auftakt des Sommerzyklus stimmten sie mit Studienkollegen in fünf Szenen auf den Schwerpunkt «Streiten – zum Glück Konflikt?» ein. Ihre suggestiv ausgeleuchtete Bild-Klang-Text-Collage fordert den Zuhörer als Mitspieler, Mit-streiter: indem sie nach Ergänzung durch eigene Fragen, Erfahrungen, Einstellungen ruft.

Fast schon zu didaktisch wirkten da die Texte von Florian Illies (aus «1913»), Sophie Stroux («Wahre Fuge») und Brecht. Subtiler streitet die Musik – und lange nicht so plakativ wie die eingespielten Kriegsbilder. (bk.)

Weitere Veranstaltungen: 1.–5.7., Programm unter www.montforter-zwischentoene.at