Salzburger Festspiele
Wird ein Schweizer Pereiras Nachfolger bei den Salzburger Festspiele?

Die Zeit von Alexander Pereira bei den Salzburger Festspielen, dem grössten Klassikfestival der Welt, läuft ab. Zu den Nachfolgekandidaten gehören auch Schweizer. Lucerne-Festival-Intendant Michael Haefliger wäre ab 2017 gar vertragsfrei.

Christian Berzins
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Michael Haefliger, Lucerne Festival-Intendant, Christoph Müller, Musikmanager auf allen Ebenen, und Aviel Cahn, Opernchef in Antwerpen

Michael Haefliger, Lucerne Festival-Intendant, Christoph Müller, Musikmanager auf allen Ebenen, und Aviel Cahn, Opernchef in Antwerpen

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Der ehemalige Zürcher Opernhausdirektor Alexander Pereira ist bei den Salzburger Festspielen, dem grössten Musikfestival der Welt, auf der Abschussliste. Am Mittwoch ermahnte ihn Landesfrau Gabi Burgstaller zu mehr Respekt vor dem Kuratorium. Mit Franz Welser-Möst war ein ehemaliger «Zürcher» bis Donnerstag ein heiss gehandelter Nachfolgekandidat. Doch der Dirigent hat nun abgesagt. Seine bestehenden Dirigentenverträge will er erfüllen und sich zudem aufs Dirigieren konzentrieren. Aber die Wege zum neuen Intendanten nach 2016 könnten dennoch in die Schweiz führen.

Weltweit bewundertes Lucerne Festival

Michael Haefliger (*1961), Intendant von Lucerne Festival, wird für seine Arbeit in Luzern weltweit bewundert. Er zeigt mit seinen Orchesterprojekten immer wieder, wie die Klassikwelt der Zukunft aussehen könnte. Und um Sponsoren buhlen er und sein tatkräftiges Team ebenso erfolgreich wie Alexander Pereira. Klagen über zu wenig Subventionen (kaum 4 Prozent des Budgets) hört man von Haefliger im Gegensatz zu Pereira kaum. Mit Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, die sich mit Pereira zerstritten hat, pflegt Haefliger einen freundschaftlichen Umgang. Auch wenn sie 2015 abtritt, wird sie auch danach in Salzburg eine Meinungsführerin sein. Die Salzburger Hauptsponsoren Crédit Suisse, Audi, Nestle und Rolex sind naturgemäss auch mit Luzern verbunden.

Eine klare Antwort auf die Frage, ob ihn das prestigeträchtige Amt in Salzburg reizen würde, ist von Häfliger, der zurzeit mit Grippe im Bett liegt, nicht zu erfahren. Sein einziges Statement lautet: «Mein Luzerner Vertrag geht bis 2016 und den gedenke ich zu erfüllen.»

Das ist alles andere als eine Absage an Salzburg. Er könnte sein Luzerner Amt im Sommer 2016 zu Ende bringen, müsste allerdings bereits die Salzburger Festspiele 2017 fertig planen. Das ist möglich, in der Intendanten-Szene sind solche Überschneidungen gang und gäbe. Auch Alexander Pereira plante sein erstes Salzburg-Jahr 2012 während seine Zürcher Ära (und Bezahlung) noch lief. Als er 1991 sein Amt antrat, kam er andererseits auch schon mit einem fertigen Saisonplan an.

Zwei junge Schweizer?

Haefliger wäre durchaus nicht der einzige Schweizer Top-Musikmanager. Der Basler Christoph Müller (1970) führt das Kammerorchester Basel als Konzertmanager zu abenteuerlichen Höhenflügen, seine Konzertreihen boomen und mit dem Menuhin Festival hat er als neuerdings geschäftsführender Intendant grosse Pläne. Und er beweist, dass ein Klassikfestival durchaus zwischen Interessen des Tourismus und einem intellektuellem Anspruch bestehen kann. Aber noch sagt Müller klar «Nein» zu Salzburg: «Ich bin kein Opernintendant und Oper macht einen Grossteil aus in Salzburg.»

Wenn nicht Salzburg, dann Luzern?

Genau wie der 38-jährige Zürcher Aviel Cahn wäre Müller ein sehr junger Salzburg-Intendant. Vielleicht wäre es auch für Cahn noch zu früh, dass seine Karriere als Opernintendant nicht bei der Vlaamse Opera in Antwerpen/Gent enden wird, ist klar. Das Haus fällt seit Cahns Amtsantritt europaweit auf. 2008 liess er verlauten, dass er nicht Pereira-Nachfolger, aber der Nachfolger des Nachfolgers werden möchte. Dann wäre er wohl reif für Salzburg. So sagt er denn auch gegenüber der «Nordwestschweiz»: «Das Amt würde mich schon reizen, aber ich denke, da bin ich noch ein schönes Stück zu jung. Da muss man vorher eine allererste Institution geleitet haben. Antwerpen ist zwar spannend, aber doch noch keine Metropole. Meine Chancen auf diesen Job wären minimal klein.»

Wie auch immer: Würde Haefliger 2017 nach Salzburg (oder sonstwohin) wechseln, wären Cahn und vor allem Müller allererste Kandidaten für die Nachfolge beim Lucerne Festival. Dannzumal wird auch Numa Bischof, Intendant des Luzerner Sinfonieorchesters eine Rolle spielen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Sollte Alexander Pereira vorzeitig entnervt den Hut nehmen, weil im Kuratorium keiner mehr hinter ihm steht, würde wohl sein Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf vorübergehend Intendant der Festspiele werden. Auch er ist in Zürich ein alter Bekannter - nicht nur hat er mit seinen Inszenierungen die letzten Pereira-Jahre massgeblich geprägt. Er war auch im Finale um die Zürcher Schauspielhaus-Direktorium, als es darum ging, einen Nachfolger für Christoph Marthaler zu finden: Barbara Frey machte schliesslich das Rennen. Die Wege nach Salzburg führen über Zürich.

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