Künzlis Playlist

Warum Elvis in der Schweiz lange nicht der King war

«Schweiz am Wochenende»-Kulturredaktor Stefan Künzli präsentiert seine wöchentliche Playlist. Heute im Fokus: Elvis Presley.

Stefan Künzli
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Elvis Presley in seinen Anfangstagen. (Archiv)

Elvis Presley in seinen Anfangstagen. (Archiv)

SDA

«That’s All Right» und «Heartbreak Hotel» dürfen auf keiner Playlist von Elvis Presley fehlen. Sie bedeuteten seinen Durchbruch und begründeten seinen Status als King of Rock ’n’ Roll. Diese frühen Aufnahmen von 1954/55 in den Sun-Studios und 1956 in den RCA-Studios werden oft als die besten genannt, weil sie den künstlerischen Ausdruck von Elvis am reinsten wiedergeben. Damals konnte er seine musikalischen Vorstellungen noch weitgehend ohne Druck und Einfluss von Label oder irgendwelchen Managern umsetzen. Das gilt auch für die beiden ersten Alben «Elvis Presley» und «Elvis» (beide von 1956).

In diesen frühen Jahren reihte Elvis in den USA Nummer-1-Hit an Nummer-1-Hit. Von Rock ’n’ Roll war in der Schweiz noch keine Spur. Die ersten Halbstarken mit Bluejeans, Entenschwanzfrisur und Elvis-Pins tauchten erst 1958 auf. Doch in einem Land, in dem Fleiss und Tugendhaftigkeit oberstes Gebot waren, wurden sie misstrauisch beobachtet. Die neue Musik hatte es hierzulande schwer und erreichte die Schweiz mit einiger Verspätung. Doch auch in den 60er-Jahren konnte Elvis in der Schweiz nur gerade zwei Nummer-1-Hits landen: «O sole mio» (1960) und «Muss i denn zum Städtele hinaus» (1961). Bezeichnenderweise sind es Interpretationen von europäischen Volksliedern, die nichts mit Rock ’n’ Roll zu tun haben. Elvis hatte seine wilde Zeit bereits hinter sich gelassen. Sie waren explizit für den europäischen Markt bestimmt.

Und überhaupt: Der erfolgreichste Song von Elvis in der Schweiz ist «A Little Less Conversation». Aber nicht die Version von Elvis aus dem Jahre 1968, sondern die Remix-Version von Junkie XL. Sie erreichte im Jahr 2002 Platz 1 und konnte sich 31 Wochen lang in den Charts halten.

1968 hatte Elvis die Deutungshoheit in Sachen Pop längst verloren. Sein fulminantes Konzert-Comeback in der NBC-Fernsehshow hatte ihm niemand zugetraut, und die Medleys gehören zum Besten, was Elvis je gemacht hat.

Nach dem Comeback-Triumph spürte Elvis Aufwind, er kehrte nach Memphis zurück, wo er 1969 bis 1975 eine Reihe famoser Studio-Sessions abhielt. Der Southern Soul färbte ab. Mit den besten Musikern der Stadt wurde der King of Rock ’n’ Roll auch zum Soulman. Und wie! Der Mann konnte einfach alles singen.

That’s All Right (1954)

Heartbreak Hotel (1956)

O Sole Mio (1960)

Muss i denn zum Städtele hinaus (1961)

Elvis vs. JXL: A Little Less Conversation (2002)

Medley: Where Could I Go/Up Above My Head/Saved (1968)

Medley: Nothingville/Big Boss Man/Guitar Man/Little Egypt/Trouble/Guitar Man (1968)

You’ll Think Of Me (1969)

Stranger In My Own Home Town (1969)

Long Black Limousine (1969)

In The Ghetto (1969)

If You Talk in Your Sleep (1975)

I’ve Got a Thing About You Baby (1974)