Konzert
Vom Süessmoscht zur Quitte: Züri Wests Auftritt in Basel

Züri West traten im Rahmen ihrer Clubtour im Basler Union auf. Die Berner Rocker lieferten einen schnörkellosen Auftritt ab.

Marc Krebs
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Kuno und die Men in Black: Züri West spielten sich im Union durch 30 Jahre Bandgeschichte.Martin töngi

Kuno und die Men in Black: Züri West spielten sich im Union durch 30 Jahre Bandgeschichte.Martin töngi

Martin Toengi

Es liegt viel Liebe in der Luft, an diesem warmen Frühlingsabend: «Love» heisst das neue Album von Züri West, mit dem die Berner auf ihrer Clubtour auch Halt in Basel machen. Viel Liebe fürs Detail zeigt dabei Veranstalterin Steffi Klär: Herzen als Eintrittsstempel.

Mit solcher Liebe soll das Kleinbasler Union, eher nüchterner Saal denn warmer Club, ein bisschen heimeliger wirken. Zu diesem Zweck hat Klär auch die heimatlos gewordene Kuppel-Crew vereint.

Die Rückkehr von Züri West, sie erinnert tatsächlich an eine Familienzusammenkunft. Viele Besucherinnen und Besucher begleiten die Band seit 25 Jahren, das unterstreichen die Begeisterungsrufe, wenn die alten Klassiker angestimmt werden: die treibenden Gitarrensongs «Traffik», «Elvis» oder das mit Örgeli garnierte Prince-Cover «I ha di gärn gha».

 Im Uniom spielen Züri West mit Sänger und Gitarrist Kuno Lauener.

Im Uniom spielen Züri West mit Sänger und Gitarrist Kuno Lauener.

Martin Toengi

Erinnerungen an die Achtziger

Schon zu Beginn des Zwei-Stunden-Sets darf man sich einer Zeitreise erfreuen: «Drück ab» (1989) vermittelt die kühle Kelleratmosphäre der bewegten Achtziger. «Verzell doch ke Süessmoscht», singt Lauener darin. Später im Konzert packt er ein anderes Früchtchen aus: «Quitte», ein gar nicht so bitteres Amuse oreille, das auf der neuen Platte zu finden ist.

Wunderbar selbstironisch reflektiert Lauener in dieser Midtempo-Nummer das Älterwerden. «I gseh afa us wie ’ne Quitte», so kommentiert er im Lied die Veränderungen der Gesichtszüge.

Aber Entwarnung: Lauener wirkt so unverwechselbar zerknautscht wie immer.

Laueners raffinierte Texte

Unverwechselbar sind Züri West auch inhaltlich: Die Raffinesse der Texte beeindruckt an diesem Konzert, dargeboten von Laueners Sprechgesang - so unverkennbar wie sein lässiger Auftritt.

Man wippt mit ihm mit, zu den gezielt platzierten Schrammelgitarren und Hooklines und erfreut sich an der sommerlichen Leichtigkeit von Liedern wie «Sunntig Mittag i de Sächzgerjahr».

Darin wiederholt Lauener «I ha wöue Italiener wärde», während hinter ihm Celentano über die Leinwand wackelt. Ein klarer Fall für einen Sommerhit.

 Im Uniom spielen Züri West mit Sänger und Gitarrist Kuno Lauener.

Im Uniom spielen Züri West mit Sänger und Gitarrist Kuno Lauener.

Martin Toengi

Bei ihrem letzten Basler Gastspiel, vor fünf Jahren in der Kuppel, traten Züri West noch mit Horn Section auf. Diese haben sie in «Göteborg» zurückgelassen. «Love» steht für einen flotten Fünfer, mit dem neuen Bassisten Wolfgang Zwiauer und mit Manuel Häfliger an der zweiten Gitarre.

Die beiden ergänzen die Gründungsmitglieder Lauener und Küse Fehlmann (Gitarre, Keys) sowie Drummer Gert Stäuble. Dass das Ensemble neu formiert wurde, merkt man ihm nicht an. Das Quintett präsentiert sich als Einheit: Vier Men in Black flankieren Lauener, spielen sich sec und schnörkellos durch die rund 25 Songs, aufeinander abgestimmt wie die Lichtshow.

 Im Uniom spielen Züri West mit Sänger und Gitarrist Kuno Lauener.

Im Uniom spielen Züri West mit Sänger und Gitarrist Kuno Lauener.

Martin Toengi

So präzis, dass das Überraschungsmoment, wenn Lauener mal einen Übergang verpasst, regelrecht wohltuend ist, weil es mit dem Standard bricht, den die Arrangements bieten. Ansonsten ist alles durchgetaktet: Kein Ton zu viel, kaum Soli, kein Raum für Improvisation. Züri West stellen das Lied in den Vordergrund, wie eine Maschine die «louft u louft u louft».

Zu routiniert wirke die Live-Performance, zu wenig berührend, kritisiert ein Bekannter nach dem Konzert. Was die Berner bieten, sei Stadionrock. Stadionrock? Einspruch! Züri West verzichten weitgehend auf Publikumsanimationen und Mitsing-Parts, sie biedern sich nicht plump an. Doch bleiben sie bei aller Perfektion auch distanziert, überraschungsarm: Selbst dann, wenn sie mit drei Gitarren eine Wall of Sound hochziehen, bleiben sie in der Komfortzone.

Es ist eher Studiorock, der da aus den Lautsprechern kommt. Haben sich Züri West ein Korsett angelegt? So fantastisch ein beachtlicher Teil ihres Live-Repertoires ist: Man wünschte sich auch mal einen stärkeren Ausbruch, so wie das im epischen 6/8-Takt-Finale des düsteren Songs «Schlunegger» zu spüren ist.

Wie sich das Live-Set entwickelt, kann man am 23. Juni überprüfen. Dann ergibt sich die nächste Chance, Züri West in der Region Basel zu erleben: am Festival Liestal Air.

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