Popmusik
Trotz Neue-Deutsche-Welle-Hit «Da da da» fühlte er sich missverstanden

Gert «Kralle» Krawinkel, der Komponist von Trio und des epochalen Deutsche-Welle-Songs «Da da da» ist im Alter von 66 Jahren gestorben. Eine Würdigung auf einen Missverstandenen.

Stefan Künzli
Drucken
Trio: Stephan Remmler und Peter Behrens mit dem verstorbenen Gitarristen Gert «Kralle» Krawinkel (v. l.).

Trio: Stephan Remmler und Peter Behrens mit dem verstorbenen Gitarristen Gert «Kralle» Krawinkel (v. l.).

Keystone

Trio war ein grosses Missverständnis. Ihr Song «Da da da» von 1982 gilt als der erfolgreichste Song der «Neuen Deutschen Welle». Die Band um Sänger und Texter Stephan Remmler, Schlagzeuger Peter Behrens und Gitarrist und Komponist Gert «Kralle» Krawinkel lehnte diese stilistische Einordnung aber immer ab. «Da da da» war auch nicht einfach ein Blödelsong, sondern ein Meisterwerk der Minimal Art und des Dadaismus.

«Da da da», im Zürcher Studio von Yello aufgenommen, wurde als Bierzeltgaudi-Song zelebriert und die Mitglieder von Trio als die Narren der ZDF-Schlagerhitparade gefeiert. Was Trio antrieb, war aber nicht Schlagerseligkeit, sondern die subversive Kraft von Rock und Punk. «Unsere Basis ist Rock ’n’ Roll, ich nehme mir nicht wie Frank Zappa vor, etwas zu verarschen. Wir reduzieren nur», versuchte Krawinkel zu erklären und wurde doch nicht verstanden.

Ihre scheinbar dilettantisch vorgetragene Musik mit Casio-Spielzeug-Keyboard, Mini-Standschlagzeug und Wegwerf-Instrumenten war eine bewusste und kontrollierte Reduktion der musikalischen Mittel. Die drei brachen die Konventionen einer saturierten Rockgemeinde, die den Kunstanspruch einlösen wollte, dabei allerdings den rebellischen und anarchischen Geist, den Ursprung des Rock ’n’ Roll, vergass.

Schlagerromantik entlarvt

Die gelangweilte Interpretation, der apathische Gesang und die emotionslose Performance von Trio war aber auch eine raffinierte Parodie auf die dumpfe und selbstmitleidige «No-Future-Generation. Und mit vordergründig saublöden Texten wie «Ich lieb’ dich nicht, du liebst mich nicht...aha» (Da da da»), «Oh Anna, lass mich rein, lass mich raus» oder «Turaluraluralu – ich mach BuBu, was machst du» haben sie auf clevere Weise mit den Gepflogenheiten des Liebeslieds gebrochen und gleichzeitig den Schwulst der Schlagerromantik schonungslos entlarvt.

Doppelte Tragödie

Die Tragödie von Trio war aber, dass sich der subversive Charme bald verflüchtigte und sich die Band unter dem Diktat des kommerziellen Erfolgs in das verwandelte, was sie nicht sein wollte – als die sie das Mainstream-Publikum aber immer verstand: Eine Klamauk- und Blödelband mit Schlageraffinität. 1986 löste sich die Band folgerichtig auf.

Die Tragödie von Gitarrist Kralle Krawinkel war, dass es ihn als Gitarristen bei Trio gar nicht brauchte. Dabei war er alles andere als ein Dilettant. Schon Ende der 60er-Jahre spielte er mit Remmler Rockmusik. Nach der Auflösung von Trio versuchte er eine Solokarriere. Sie war aber ebenso wenig von Erfolg gekrönt wie der Comeback-Versuch von Trio im Jahr 2000. Krawinkel starb am 16. Februar nach einer schweren Krankheit.

Aktuelle Nachrichten