Baloise Session
Trombone Shorty: Ein musikalischer Sturm tost im Saal

Die Orleans Avenue Band von Trombone Shorty bot in der Messe Basel einen satten Powersound.

Ruedi Ankli
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Trombone Shorty und seine Orleans Avenue Band entfalteten eine unglaubliche musikalische und rhythmische Energie.

Trombone Shorty und seine Orleans Avenue Band entfalteten eine unglaubliche musikalische und rhythmische Energie.

GEORGIOS KEFALAS/Keystone

Die Orleans Avenue Band von Trombone Shorty begann das Konzert in der Eventhalle der Messe Basel mit einem wuchtigen Adrenalinstoss, als ginge es schon um eine Zugabe. Diese Intensität sollte nicht mehr nachlassen. Die Jungs kommen aus New Orleans und spielen unter dem symbolträchtigen Namen Orleans Avenue, angeführt von Troy Andrews alias Trombone Shorty, einem knapp 30-jährigen Ausnahmetalent, das schon mit sechs Jahren als Dreikäsehoch Strassenmusik machte. Mit zwölf hatte er seine eigene Band, mit 16 spielte er seine erste CD ein, mit 19 tourte er an der Seite von Lenny Kravitz und später mit der Rockband U2 um die halbe Welt.

Er spielt seine Posaune so präzis wie expressiv, seine Trompete mit der Wucht einer Windturbine und verfügt auch über ein starkes Stimmorgan. Die meisten Songs schreibt Shorty selber, inspiriert vom New Orleans Sound, den er mit der Muttermilch aufgesogen hat. Heute kocht er ihn mit den Ambitionen eines Funk- oder Hip-Hop-Leaders. No Standards, aber viel dynamisch transformierte Tradition. Was erstaunlich wirkt, ist die Gleichzeitigkeit verschiedener Stilebenen; sie bestimmen den wuchtigen Sound der Band.

Vorwärtstreibende Rhythmen

Die Rhythmus-Sektion schreitet in einem dichten Geflecht rasant voran, unterstützt durch die blues-rockigen Eskapaden des Gitarristen Pete Murano. Im Spiel des Bassisten Mick Ballard manifestiert sich ein starker Drang zu Funk-Rhythmen, während Drummer Joey Peebles seine technischen Grenzen durch viel Dynamik wettmacht.

Dazu kommt die kompakte Bläsersektion mit BK Jackson am Tenorsax und Dan Oestreicher am Baritonsax. Die Musiker sind individuell stark präsent, fallen kaum durch unnötige Eskapaden auf und blasen insbesondere im Trio mit Shorty ganz mächtig zum Sturm auf.

Das Gefüge der Band fällt nie auseinander und der Sound wirkt auch in den heftigsten Wirbelstürmen jeweils wie locker aus der Hand gezaubert. Was hier wie aus einem Guss kommt, zeugt von einem grossartigen Teamgeist. Auch Freiräume für Improvisationen gibt es, wobei der Jazz ebenfalls nur eines unter den Elementen ist, die diesen originellen Powersound ausmachen. Nur gerade bei einem traditionellen Blues wich der stets vorwärtstreibende Sound für Momente einer beschaulicheren Szenerie.

So bildet Shorty mit den fünf Musikern von Orleans Avenue eine eingeschworene Einheit, die mit souveränen Rhythmuswechseln, stilübergreifenden Passagen und Tempi aller Art eine unglaubliche Energie entfaltet, was sich auch auf das Publikum überträgt. Während die einen vielleicht wegen der Lautstärke etwas verfrüht abzogen, wirkte der Bühnenrand für die anderen als Magnet. Es wurde beherzt getanzt.

Candy Dulfers Set verblasste

Im Sog dieses unwiderstehlichen Powersounds verblasste die Erinnerung an die Vorstellung der holländischen Saxophonistin Candy Dulfer mit ihrer Band, die das erste Set des Abends bestritten hatte. Der Auftritt war ansprechend, aber letzten Endes einfach guter Durchschnitt, ohne Überraschungen und fern vom stilistischen Crossover der Orleans Avenue; (zu) viele Songs wirkten austauschbar. Zu offensichtlich betrieb die Band Publikums-Animation. Das hätte sie nicht nötig, denn sie hat das Potenzial, die Leute von den Stühlen zu holen. Zu den stärksten Momenten zählte das lange und begeisternde Solo der Tenorsaxophonistin, die durch das am Bühnenrand tanzende Publikum schritt und erahnen liess, weshalb sie bei Musikern wie Prince oder Maceo Parker zur ersten Wahl gehörte.