Stimmen-Festival
Suzanne Vega singt mit lodernder Stimme

Die amerikanische Singer/Songwriterin Suzanne Vega legte im Burghof Lörrach stark los, das Konzertende war aber enttäuschend.

Rolf De Marchi
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Die 57-jährige amerikanische Sängerin Suzanne Vega gilt als eine der besten Singer-Songwriterinnen.

Die 57-jährige amerikanische Sängerin Suzanne Vega gilt als eine der besten Singer-Songwriterinnen.

Juri Junkov

«It’s warm and cosy here» meinte die Sängerin Yael Deckelbaum zu Beginn ihres Auftritts im Rahmen des Stimmen Festivals 2016. Diese Aussage war begründet, war doch ursprünglich geplant, das Konzert mit der israelischen Sängerin als Support und der amerikanischen Singer/Songwriterin Suzanne Vega im Lörracher Rosenfelspark durchzuführen, doch wegen kaltem, regnerischen Wetters wurde der Event kurzfristig in den Konzertsaal des Burghofes Lörrach verlegt.

Am Abend vorher war im Rosenfelspark das Eröffnungskonzert des Festivals mit dem amerikanischen Jazzsänger José James total verregnet worden, sodass sich das Organisationsteam dazu entschloss, das ganze Musik-Equipment vom Park in den Burghof zu verfrachten und das Konzert dort durchzuführen. Kein Zweifel, so idyllisch wie der Rosenfelsgarten mit seinem vielen Grün ist der Konzertsaal des Burghofes zwar nicht, dafür aber war es warm, gemütlich und vor allem hatte man trockene Füsse.

Alleine mit der Gitarre eröffnete Yael Deckelbaum den Abend. Die 37-jährige Musikerin gilt gegenwärtig als eine der führenden Interpretinnen der Singer-Songwriter-Szene Israels und hat sich auch international einen Namen gemacht. Sie erwies sich als eine würdige Einheizerin für den anschliessen Auftritt von Suzanne Vega. Mit einem aparten Hauch von Rauheit in ihrer silbrigen Stimme interpretierte Yael Deckelbaum ihre Songs facettenreich und mit feinem Humor gewürzt. Erstaunlich auch die Vielfalt an Spieltechniken auf der Gitarre, mit denen die Sängerin ihre klug gestalteten Lieder variantenreich ausgestaltete. Langeweile kam nie auf!

Nach der Pause legte der Gitarrist Gerry Leonard mit einem druckvoll swingenden Rockriff los. Der irische Rockmusiker Leonard hat sich vor allem durch seine Zusammenarbeit mit David Bowie Anfang der 2000er Jahre einen Namen gemacht. Seit 2010 spielt der Gitarrist immer wieder im Duo mit Suzanne Vega. Getrieben von Leonards energiegeladenen Gitarre-rhythmen strebte dann Suzanne Vega ans Mikrofon, um mit lodernder Stimme den Song «Fat Mann & Dancin Girl» von ihrem Album «99.9F» (2010) zu entfalten.

«Luka» durfte nicht fehlen

Im folgenden, eineinhalb Stunden dauernden Konzert wurde die 1959 in Kalifornien geborene, heute in New York lebende Sängerin ihrem Ruf gerecht, momentan eine der besten Singer-Songwriterinnen der Szene zu sein.

In ihrer über 30-jährigen Karriere hat Suzanne Vega acht CDs veröffentlicht, von denen die Sängerin knapp zwei Dutzend Songs interpretierte, einer exquisiter als der andere. Jedes dieser kleinen kompositorischen Wunderwerke sind mit Gefühl für Melodik und ausgeklügelter Harmonik geschnitzt, darunter Earcatcher wie «Left Of Center», «Tom’s Diner», «Solitude standing» und natürlich ihr wohl grösster Hit «Luka».

Aber auch neue Songs von ihrem im kommenden Herbst geplanten Album hatte Suzanne Vega im Gepäck. Mit ihrer flexiblen, fast mädchenhaften Stimme interpretierte die 57-Jährige diese Tunes mit Gespür für melodische Gestaltung und Sinn für Dramatik. Wohltuend auch die klare Artikulation, mit der sie ihre raffiniert gedrechselten Texte vortrug. Dabei sind politisch verbrämte Protestsongs nicht ihr Ding. Ihre Texte basieren meist auf Betrachtungen des eigenen Erlebens und nach innen gerichteter Selbstbeobachtung.

Bei der musikalischen Umsetzung spielte der begleitende Gitarrist Gerry Leonard eine zentrale Rolle. Seine Spezialität sind ausgeklügelte Gitarrensounds, mit denen er atmosphärische Stimmungen zauberte. Doch wie so oft: Zu viel des Guten ist nicht immer gut. Je länger, je mehr sehnte man sich danach, dass Leonard mal wieder so richtig mit einem kantigen, powergeladenen Rockriff loslegen durfte wie zu Beginn des Konzerts. Keine Chance. Schade!