Musik
Pop-Duo Boy: «Wir konnten es selbst kaum glauben»

Das Duo Boy bezaubert auf seiner zweiten CD «We Were Here» mit stimmungsvollem Indie-Pop.

Reinhold Hönle
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Die Zürcherin Sängerin Valeska Steiner (r.) und die Hamburger Musikerin Sonja Glass sind Boy. Debora_Mittelstaedt

Die Zürcherin Sängerin Valeska Steiner (r.) und die Hamburger Musikerin Sonja Glass sind Boy. Debora_Mittelstaedt

Stimmt es, dass die erste Single «We Were Here» so klingt, als wäre sie von der Euphorie getränkt, die der Erfolg mit dem Debütalbum «Mutual Friends» bei Ihnen ausgelöst hat?

Valeska Steiner: Ich glaube, in diesen Song sind verschiedenste Emotionen hineingeflossen. Der Titel suggeriert, dass er davon handelt, dass wir als Band hier waren und mit unseren Konzerten Spuren hinterlassen haben. Eigentlich geht es jedoch um die schönen Momente einer Beziehung, die man feiern sollte, weil man sie immer in sich tragen wird, egal, ob die Liebe noch lebendig ist oder nicht.

Zu den Personen

Die Zürcherin Sängerin Valeska Steiner (29) und die Hamburger Musikerin Sonja Glass (38) lernten sich 2005 in einem Popkurs der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg kennen, gründeten Boy zwei Jahre später und erspielten sich mit ihren überzeugenden Konzerten einen Plattenvertrag bei Herbert Grönemeyers Plattenlabel «Grönland». (rhö)

Wie oft sind die Hoffnungen, die Sie mit Boy hatten, in diesen vier Jahren übertroffen worden?

Glass: Sehr oft, wenn man mit nichts rechnet, ist die Überraschung umso grösser.

Steiner: Wir haben in der Schweiz gespielt und in Deutschland, dann kamen Frankreich und die Benelux-Länder dazu, plötzlich Amerika, das für die meisten Musiker ein Traum bleibt, und schliesslich Japan.

Glass: Wir haben das aber jeden Tag sehr bewusst genossen – muss man auch, sonst rauscht es an einem vorbei. Gerade auf der US-Tournee habe ich mich jeden Morgen daran erinnert, wie besonders das für mich persönlich und für uns als Band ist, und dass man jede Sekunde wertschätzen muss, auch wenn es oft anstrengend ist.

Welche Rolle spielte bei Ihrem Erfolg das Internet?

Steiner: Das Video zu «Little Numbers», das inzwischen rund 14 Millionen Mal auf Youtube angeklickt wurde, hat sehr viel dazu beigetragen, uns bekanntzumachen. Und das Tolle am Internet ist ja, dass es wirklich keine Grenzen kennt. So wurde unser Management von unserer heutigen Booking-Agentur in den USA schon für eine Tournee angefragt, bevor wir dort überhaupt eine Plattenfirma hatten.

Können Sie sich rückblickend erklären, weshalb Ihre Musik auf so fruchtbaren Boden gefallen ist?

Steiner: Das ist auch für uns ein Geheimnis, und ich glaube, das ist auch gut so. Wie betrachten das als wahnsinniges Glück. Wichtig war sicher, dass wir das gemacht haben, was wir wollten.

Wie viel Respekt hatten Sie vor der Herausforderung, mit der 2. CD zu beweisen, dass das Debütalbum keine Eintagsfliege war?

Steiner: Nachdem wir die 12 Songs von «Mutual Friends» so oft gespielt hatten, verspürten wir ein starkes Bedürfnis, etwas Neues zu machen. Wir schafften es, bis zum Schluss nicht darüber nachzudenken, ob wir mit «We Were Here» an unser Debütalbum anknüpfen, ob die Songs qualitativ mithalten können oder den Leuten gefallen werden.

Glass: Wir fragten uns vor allem, ob wir wieder Lieder schreiben können, die uns gefallen und auf den Punkt bringen, was wir ausdrücken möchten, und ob es uns gelingt, uns weiterzuentwickeln. Ob man den Nerv trifft oder nicht, kann man eh nicht beeinflussen und das ist auch nicht unser Ziel beim Schreiben.

Welcher Zufall hat denn eine Hamburgerin und eine Zürcherin zusammengebracht?

Steiner: Wir haben beide in Hamburg einen Workshop besucht, dessen Ziel es war, dass Musiker sich untereinander mischen und in möglichst vielen Kombinationen ausprobieren. Er begann mit der relativ unangenehmen Situation, dass jeder aufstehen und sagen musste, woher er kommt und was er macht. Sonja hat mich dort schon beeindruckt, weil sie genau wusste, was sie wollte. So habe ich mich besonders gefreut, als sie am nächsten Tag zu mir sagte: «Ich mag deine Stimme, lass uns doch zusammen etwas probieren.»

Glass: Valeska ist mir beim Vorsingen sofort aufgefallen. Ich dachte: «Wow, die hat eine super besondere Stimme!» Da sie mir auch noch sympathisch war, habe ich sie mir gleich geschnappt. Zum Glück war ich schneller als alle anderen.

Wie ungewöhnlich ist es für Sie, in einem Frauen-Duo Musik zu machen?

Glass: Für mich macht es eigentlich keinen besonders grossen Unterschied, ob ich mit Männern oder mit Frauen Musik mache. Ich war vorher mit sehr vielen Bands unterwegs, die nur aus Männern bestanden, und fühlte mich immer willkommen.

Steiner: Ich habe häufig Background gesungen, teilweise auch mit Bands, die Leadsängerinnen hatten. Aber gleichberechtigtes Gruppenmitglied unter lauter Frauen war ich nie. Mit Sonja verstehe ich mich besonders gut, aber nicht, weil wir beide Frauen sind, sondern weil wir sehr gut befreundet sind.

Welchen Einfluss hat es auf Ihre Philosophie, dass Sie bei Herbert Grönemeyers «Grönland»-Label unter Vertrag sind?

Steiner: Wir erinnern uns beide sehr gerne daran, wie wir Herbert nach der USA-Tournee und bevor wir uns zum Songschreiben zurückgezogen haben, begegnet sind. Er freute sich mit uns, wie alles gelaufen ist, und meinte, wir sollten uns keinen Stress machen. Auf der zweiten CD müsse nicht wieder ein «Little Numbers» drauf sein, wir sollen einfach machen, was uns als Künstler weiterbringt und zufrieden macht.

Boy «We Were Here», ab 21. 8. im Handel (Limmat Records/Grönland Records). Konzerte: 5. 9. Zürich Plaza (ausverkauft), 10. 11. Bern Bierhübeli, 12. 11. Luzern Schüür, 13. 11. Basel Volkshaus, 14. 11. Zürich Kaufleuten.