Musik
Mehr als ein Bückling vor den Siebzigern

Die Basler Progressive-Rockband The Universe By Ear hat ihr erstes Album auf dem Markt. Es ist eine Anlehnung an die Rockmusik der Siebziger, schafft es aber dennoch, neuartig zu klingen.

Valerio Meuli
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Das Album, das von der Band ohne Titel herausgegeben wurde, ist seit dem 24. März im Handel erhältlich.

Das Album, das von der Band ohne Titel herausgegeben wurde, ist seit dem 24. März im Handel erhältlich.

Brunner Walter

Nach einem Debutalbum einer neuen Band klingt sie nicht, die neue Platte der Basler Progressive-Rocker The Universe By Ear, die seit letztem Freitag im Handel erhältlich ist. Vielmehr klingt es so, als hätten sich die Musiker schon seit Jahren gefunden, in einem Bandraum eingeschlossen und nichts anderes getan als diese manchmal dreckige, manchmal sphärische Rockmusik zu spielen.

The Universe By Ear setzt sich zusammen aus dem Schlagzeuger Beni Bürgin, dem Bassisten Pascal Grünenfelder und dem Gitarristen Stefan Strittmatter. Der Gesang ist oft mehrstimmig. Die erste gemeinsame Probe fand vor etwa drei Jahren statt. Gitarrist Strittmatter sagt: «Wir waren vorher alle drei schon in Bands aktiv, zwei von uns haben sogar zusammen musiziert.» Die drei sind also keineswegs vollkommene Neulinge in der Rockszene.

Musik aus dem All

Wie klingt dieses erste Album einer Band, deren Mitglieder beides zugleich sind: Newcomer und alte Hasen im Musikgeschäft? Wer sich den ersten Song der Platte, «Seven Pounds», anhört, wird mit einem dreckigen, harten Gitarrenriff konfrontiert. Mancher Musikfan zieht wahrscheinlich eine Verbindung zum Sound legendärer Bands wie Black Sabbath oder Led Zeppelin. Universe By Ear wollen sich «mit dem Album vor den Grössen des Progressive-Rocks der Siebziger verneigen», wie sie selbst sagen. Die Band will an den Sound von Progressive-Gruppen der Siebziger wie Yes erinnern.

Wer nun denkt, der Sound von Universe By Ear sei eine reine Nachahmung von Bands aus einer Ära, die vorüber ist, wird schon nach einigen Minuten, noch beim ersten Song «Seven Pounds», eines besseren belehrt. Was eben ein klar strukturierter Rocksong mit Gitarrenriff und Gesang war, wird auf einen Schlag heruntergebrochen.

Neue Rhythmus-Fragmente erklingen, hier und da ein Zupfer auf der Gitarre, ein dumpfer Basslauf setzt ein. Es beginnt ein sich langsam steigernder Instrumentalteil, in dem die Band grosse Experimentierfreudigkeit zeigt. Würden Marsmenschen zum musikalischen Austausch auf die Erde hinabsteigen, ihre Musik klänge so. Nicht umsonst lässt sich der Sound von Universe By Ear auch als Spacerock, also als Musik aus dem All, bezeichnen.

«Keine Studio-Spielereien»

Bei den Aufnahmen habe man speziell darauf geachtet, dass die Songs live eingespielt wurden. «Wir wollten auf der Platte den Sound einfangen, den wir auf der Bühne spielen», so Strittmatter, «bewusst haben wir auf «Studio-Spielereien» verzichtet.» Das hört man der Platte an: kein Akkord ist zu viel, es ist ein äusserst effizientes Werk und dennoch facettenreich. Manchmal heruntergebrochen auf das nötigste, Gitarrenriff, Schlagzeuggroove und Basslauf, um dann an gewissen Stellen wieder fast ausufernd ins Experimentelle umzuschlagen.

Mit «Repeat Until Muscle Failure» folgt ein etwas leichter verdaulicher Song. Schneller Schlagzeug-Groove und schnelle Gitarre treiben das Lied vorwärts. Nur schon in diesen ersten zwei Titels zeigt die Band ein enormes Klangspektrum: Dreckige Gitarrenriffs, experimenteller Spacerock und drängende, schnelle Klänge. Das Debutalbum beweist, dass der Sound von Universe By Ear eben doch weit mehr ist als eine Hommage an den Progressive-Rock aus den Siebziger.