Bühnenspektakel
Lady Gaga reitet Hoch zu Ross im Hallenstadion ein

Mit gut 20 Minuten Verspätung reitet Lady Gaga in einem futuristischen Kriegskostüm auf die Bühne im Hallenstadion Zürich. Ist sie's wirklich? Es folgt «Born This Way», wo sie aus einem aufblasbaren Poulet schlüpft. Ja, sie ist es.

Stefan Künzli
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Lady Gaga bietet im Hallenstadion ein Bühnenspektakel
8 Bilder
Fans filmen die Performance
Pressefotografen wollte Lady Gaga keine haben.
Zum Glück fotografierten die Fans
Bizarr und extravagant...
... so kennt man die Lady
Schloss auf der Bühne
Es geht auch mit weniger Kostüm

Lady Gaga bietet im Hallenstadion ein Bühnenspektakel

Leserfoto

Kurz darauf schwebt sie im langen weissen Kleid über das Rund der Bühne. Zu «Bad Romance» trägt sie ein weisses knapp geschnittenes Plastikoutfit und eine Maske mit Hörnern. Vor der Kulisse einer riesigen, märchenhaften Burg präsentiert die Pop-Ikone einem überraschend durchmischten Publikum (Alter und Geschlecht) eine fantastische Freakshow, ein Kitschkunst- und Modespektakel, wie es Zürich noch nie gesehen hat. Gaga regiert!

Für die Pop-Parade am ersten von zwei restlos ausverkauften Konzerten in Zürich wechselt Miss Gaga ihr Fantasie-Outfit mehr als zehnmal. Dabei gelingt es der etwas fülliger gewordenen Sängerin recht gut, ihre neuen Rundungen (siehe Kasten) zu kaschieren.

Zu dick? Keine Fotos aus Zürich

Pressefotografen sind für die Konzerte von Lady Gaga am 26. und 27. September im Zürcher Hallenstadion nicht zugelassen. Das Foto- und Fernsehverbot wurde gemäss Marc Reinhardt von Good News vom Lady-Gaga-Management ohne Angabe von Gründen verfügt. Es gilt nicht nur für Zürich, sondern für die ganze restliche Tour. Die Vermutung liegt nahe, dass das Verbot mit den wenig schmeichelhaften Bildern vom Konzert in Amsterdam zu tun hat. Sie zeigten eine Pop-Ikone, die offensichtlich einige Kilos zugelegt hat. Was auch immer die Gründe sein mögen: Wir finden das Verbot der Pop-Queen nicht königlich. Gerade für sie, die ihre Karriere über die Publizität auf allen möglichen Medienkanälen aufgebaut hat, ist das Verbot nicht angebracht. Oder ist es schon wieder eine Provokation oder ein Marketing-Gag? (sk)

Überhaupt: Lady Gaga, zuweilen bis zur Unkenntlichkeit maskiert, präsentiert sich als unpersönliches Kunstprodukt ohne eigentliche Identität. Allzu menschliche Problemzonen stören da nur. «I can be anything, I'll be your everything», singt die schrille Pop-Diva. «I'm not human, I am you», ergänzt sie. Lady Gaga, die bedeutendste Pop-Künstlerin der Gegenwart, ist Alles und Nichts, Fantasieprodukt und unverbindliche Projektionsfläche für ihre Fans, ihre «little monsters».

Und die Musik? Die Musiker erscheinen in den Nischen der Burg. Sie sind Nebensache. Und die Musik ist nicht mehr als die fett orchestrierte, synthetisch pumpende Antreiberin der Show, der adäquate Soundtrack zum reizüberfluteten Multi-Media-Spektakel. Dabei singt Lady Gaga ganz ordentlich. Aber singt sie auch wirklich? Völlig egal! Wer will das bei diesem unwirklichen Spektakel schon wissen.