Jazz
Krank, blind, berühmt und pleite: Jazzlegende Terry Clark

Trompeter Clark Terry feierte seinen 92. Geburtstag. Er sorgte in Baden für unvergessliche Konzerte – hier wurde für ihn auch schon gesammelt.

Stefan Künzli
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Jazztrompeter Clark Terry.

Jazztrompeter Clark Terry.

Zwölfmal spielte der Jazz-Trompeter Clark Terry in Baden. Zum ersten Mal am 27. August 1972 in der Kanti-Aula Baden zusammen mit dem grossen Tenorsaxofonisten Ben Webster. Veranstalter Arild Widerøe von «Jazz in der Aula» erinnert sich genau: «Es war einfach grossartig. Und Clark war hilfsbereit und unkompliziert, ein toller Entertainer.» Schon ein Jahr später gastierte er erneut in Baden – gleich mit einem Doppelkonzert: Am Nachmittag mit seinem Quartett im Kurtheater und am Abend mit seiner Big Band. «Wir wurden Freunde», erzählt Widerøe, «Verträge waren bald nicht mehr nötig».

Gestern feierte der Jazz-Trompeter zu Hause in Pine Bluff (Arizona) seinen 92.Geburtstag! Dem schweren Diabetiker musste im letzten Jahr das eine, Anfang dieses Jahres das zweite Bein amputiert werden. Dazu ist er seit Jahren blind. Widerøe ist in regelmässigem Kontakt mit seinem Freund. «Den Umständen entsprechend geht es ihm recht gut», erzählt der Badener Konzertveranstalter, «Freunde und Schüler besuchen ihn und er unterrichtet immer noch.» Fatal ist aber seine finanzielle Situation. «Es ist alles weg», sagt Widerøe, und die Versicherung (trotz Obamas Gesundheitsreform) kann fast nichts mehr bezahlen.

Dabei war Clark Terry kein armer Jazzmusiker. Ab 1948 spielte er bei Count Basie, ab 1951 bis 59 bei Duke Ellington, dann bei Quincy Jones. Sein warmer Ton hat zum Beispiel Miles Davis massgeblich beeinflusst. In den 60er-Jahren hatte er eine feste Anstellung bei NBC und Johnny Carson’s «Tonight Show». Danach begann er seine Karriere als internationaler Star und tourte rund um die Welt. Terry war einer der gefragtesten und meistbeschäftigten Jazzer. Rund 900 Aufnahmen, davon über 100 als Bandleader, dokumentieren seine einmalige Karriere. Er komponierte über zweihundert Songs und schrieb mehrere Bücher. Er erhielt mehrere Ehrendoktortitel und 2010 den Grammy in der Kategorie Lifetime Achievement Award.

Gemäss Widerøe ist er in den 80er-Jahren zuckerkrank geworden. «Er konnte zu wenig Rücksicht auf seine Krankheit nehmen. Man musste ihn immer wieder daran erinnern, seine Medikamente zu nehmen». Zuletzt spielte er am zweiten Mai 1999 in Baden. «Er war schon fast blind und ich musste ihn auf die Bühne führen», erinnert sich der Promotor. In den USA wurden schon im Frühling Benefizkonzerte zu Ehren von Terry durchgeführt, und auch in Baden wurde gesammelt. Am letzten Konzert von «Jazz in der Aula» mit Claude Tissendier kamen 3500 Dollar zusammen.

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