Musik

Jetzt singt Wolfahrt «richtigen» Schlager

Der einstige Frontmann der Klostertaler hat den Spartenwechsel geschafft. Seine neue Solo-CD besingt die Liebe - bienahe schon rockig.

Kurt-Emil Merki
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Frontmann Markus Wolfahrt (Archiv)

Frontmann Markus Wolfahrt (Archiv)

Keystone

Lange hat es Markus Wolfahrt (50) nicht ausgehalten. Im vergangenen Sommer trug der Sänger/Instrumentalist zusammen mit 30000 traurigen Fans seine Klostertaler symbolisch zu Grabe. Und schon legt der Vorarlberger eine Solo-CD vor. Es sei nicht so, dass ihm das Rampenlicht gefehlt habe, beteuert Wolfahrt. «Eigentlich hätte ich es nach den kräfteraubenden Jahren mit den Klostertalern noch länger mit wenig Beschäftigung ausgehalten.» Aber dann wurde im November die Idee an ihn herangetragen, ein Solo-Projekt zu wagen.

Wolfahrt: «Ich wusste, dass der Erfolg der Klostertaler nicht zu toppen ist. Daraus ergab sich, dass sich mein Projekt musikalisch nicht an den Klostertaler-Sound anlehnen durfte. Es musste alles ganz anders sein.» Ein Konzeptalbum ist «Mein Weg» nicht gerade geworden. Aber immerhin zieht sich ein Thema wie eine Art roter Faden durch beinahe alle Lieder: die Liebe.

Duett mit seier Freundin

«Ich habe nicht nur die Liebe zu einer Frau besungen. Sondern auch die Liebe zur Familie.» 2010, muss man wissen, starb Wolfahrts Mutter. «Ich habe zusammen mit meinen Geschwistern zwei Tagen an ihrem Sterbebett ausgeharrt. Im Lied ‹Irgendetwas bleibt› ist sie verewigt.»

Die ersten elf Lieder des Albums seien zügig beieinander gewesen, sagt Wolfahrt. «Produzent und Plattenfirma wollten grünes Licht für die Realisierung geben. Aber mir fehlte noch etwas. Etwas Grosses, Wichtiges. Ein Hammerlied.» An einem fröhlichen Abend mit Freunden in Berlin sei morgens um zwei Uhr die Zeile «Mein Weg mit dir» entstanden. «Danach schrieben wir das Lied innert kürzester Zeit.» Es hat nun als Auftakt-Track dem Album quasi den Namen gegeben.

Ein anderes Lied («Ich hab nur dieses eine Leben») singt Markus Wolfahrt zusammen mit dem leichten Sopran Christine Schneider (30). Sie ist zurzeit in Werken von Lehar und Mozart engagiert und die Lebenspartnerin von Wolfahrt. Er ist ihr extrem dankbar, dass sie dieses Experiment gewagt hat. «Christine hat sich in der klassischen Abteilung einen guten Namen erworben. Für sie ist dieser Ausflug ins Schlagerfach nicht ungefährlich.» In der Tat: Klassische und Unterhaltungsmusik sind separate Haifischbecken – und sich erst noch spinnefeind. Die Bludenzerin und der Mann aus Klösterle haben im vorarlbergischen Thüringen ein Stück Land gekauft. Das Haus, das dort nach einem Niederenergie-Konzept gebaut wird, ist vorausschauend mit zwei Kinderzimmern ausgestattet. Mehr gebe es zu dieser Thematik zurzeit nicht zu sagen, sagt der Sänger.

Bleiben ihm seine Fas treu?

Für Markus Wolfahrt ist «Mein Weg» ein Weg mit Tücken und Risiken. Sein Entscheid, nicht einfach an den Erfolg der Klostertaler anzuknüpfen, kostet ihn möglicherweise die Gefolgschaft der einstigen Fans. Tatsache ist: Mit Ausnahme eines gezielt und clever eingesetzten Saxofons fehlen auf «Mein Weg» die Bläser. Dafür kommen die Gitarren akzentuiert zum Zug und die Rhythmussektion versteckt sich ebenfalls nicht. Zusammen mit Wolfahrts rockiger Schlagerstimme ergibt dies einen Klang, der näher bei Peter-Maffay-Alben ist als bei jenem der Kastelruther Spatzen. Kurz: Markus Wolfahrt hat den Schritt von der ärgerlichen volkstümlichen Schnulze zum anspruchsvolleren klassischen deutschen Schlager geschafft.

Aktuelle CD: Markus Wolfahrt: Mein Weg, Koch-Universal. 22. Mai, Festhalle Rüegerholz, Frauenfeld. 11. August, Schlager Open Air, Heitere Zofingen.