Interview
Irene Näf-Kuhn: «Mir ist es egal, ob das Publikum jung oder alt ist»

Irene Näf-Kuhn lanciert in Aarau eine Musikvermittlungsplattform für junge Künstler – und zielt auf ältere Gäste

Christian Berzins
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Irene Näf, ist inmusic primär eine Musikvermittlungsplattform oder eine Konzertreihe?

inmusic steht für ein Kulturunternehmen, in der einfach die Musik, im Speziellen das Klavier, die Hauptrolle spielt. Im Moment stehen die beiden Konzertreihen RECITAL (Profis) und JUNGE BÜHNE (Studierende und hochtalentierte Jugendliche) im Focus meiner Vorbereitungen. Das Einzigartige an inmusic ist aber, dass die Vermittlung alle Ebenen des Musizierens umfasst, von hochstehenden Konzerten bis zu Anfängerkursen wird einfach musiziert. Vermitteln heisst weitergeben, und etwas Wertvolleres gibt es kaum, als Musik in allen möglichen Facetten weiterzugeben, das ist für mich lebensbestimmend.

Gibt es anderswo schon Ähnliches?

Nein, im Aargau nicht. Die Ynight in Zürich verfolgt ein ähnliches Konzept auf Konzertebene. Aber inmusic ist ein unverwechselbares Gefäss, ambitiös, aber einen Versuch wert.

Sie bieten ein Kursangebot: Was kann ich dort lernen oder womit setze ich mich auseinander?

Die Kurse sind modulartig aufgebaut, in 10 Lektionen von 70 Minuten erarbeitet man ein Werk, einen Stil oder verfolgt ein bestimmtes musikalisches Ziel. Der Schwerpunkt liegt auf der Kammermusik, das Zusammenspielen oder -singen ist mir wichtig. Zum Kursangebot können auch ein Konzertbesuch oder ein Vortrag gehören. Ich arbeite mit einem Pool von professionellen Coaches, die aufgrund der Nachfrage angestellt werden. Am besten schaut man auf www.inmusic.ch nach, was gerade so läuft, auch am Tag der offenen Tür am 12. September besteht die Möglichkeit, sich zu informieren. Ziel der Kurse ist es, die Angst vor dem eigenen Unvermögen abzubauen und die Lust an der Auseinandersetzung mit dem eigenen Musizieren und mit Werken aller Stilrichtungen wieder zu beleben.

Warum ist das Kursangebot vor allem an ältere Menschen gerichtet?

Ältere Menschen haben Zeit, sind oft einigermassen vermögend, bleiben länger gesund und werden immer zahlreicher. Warum sollten diese Menschen, welche unsere Konzertsäle füllen, nicht vermehrt selber aktiv zu ihren Instrumenten greifen? Man sollte sich nicht über die Überalterung des Publikums beschweren, sondern diese Menschen vermehrt ins aktive Musikleben einbeziehen. Der Markt ist da, das belegen verschiedene Studien.

Innerhalb von inmusic gibt es eine Konzertreihe. Ergänzen diese Konzerte das bereits reiche Aargauer Konzertangebot?

Auf jeden Fall. Es gibt in Aarau zwar viele Konzertangebote, aber wenig stimmige Räume für Klassik. Die Konzerte finden im KuK, im Altersheim Golatti oder in einer Schulaula statt. So ist es doch für Pianisten und das Publikum geradezu paradiesisch, in meiner Piano-Lounge – mit Industriegestell, Biedermeiersofa und Bar ausgestattet – auf einem Steinway auf der einen Seite zu spielen und es auf der anderen Seite auch anzuhören!

Wie wichtig ist die Klubatmosphäre für das Publikum?

Ein Teil des Publikums geht wegen der Interpreten oder des Programms an ein Konzert, der andere Teil aber geht einfach, weil es am Montagabend zu einem Bier oder einem Glas Wein und Appetizern an einem unkomplizierten Ort gute Musik, welcher Sparte auch immer, zu hören gibt. Und dieses Segment möchte ich zusätzlich zu den etablierten Konzertgängern ansprechen.

Zieht man damit junge Leute an?

Das wird sich weisen. Mir ist es egal, ob das Publikum jung oder alt ist. Der Mix des Angebots wird auch das Publikum aufmischen. Ich denke nicht gerne in Alterskategorien, sondern baue auf neugierige, tolerante, offene, aktiv hörende Menschen. Zudem kann ich von meiner Unterrichtstätigkeit an einer Mittelschule sowie meinem Netzwerk profitieren, indem ich junge Menschen persönlich einbinde. Sie entscheiden spontan und kurzfristig, wohin sie gehen möchten, darum ist der persönliche Kontakt wichtig. Als Schüler oder Student kann man übrigens für Fr. 36.50 pro Jahr Mitglied der Gönnervereinigung werden und immer gratis an die Konzerte kommen.

Ist die Klubatmosphäre für die Künstler ein Thema?

Nicht unbedingt. Musiker wollen einfach spielen. Dennoch gibt ein inspirierendes Ambiente zweifellos zusätzlichen Schub für eine brillante Performance. Gerade junge, angehende Künstler verlieren so ihre Ehrfurcht vor dem Podium. Die Klubatmosphäre spielt vor allem für die Kommunikation von Künstler und Publikum eine Rolle, und das ist ja das Essenzielle in der Musik.

Deckt die Badener Reihe «Piano District» nicht bereits dieses Feld ab? Man präsentiert junge Künstler in einer anderen Umgebung.

Ich habe mich schon vor gut zwei Jahren mit dem künstlerischen Leiter von Piano District, Oliver Schnyder, abgesprochen. Meine Pianolounge operiert mit viel geringerem Budget und engagiert Künstler, die auf dem Sprung ins Konzertleben sind. Zudem kann man nicht genug Klaviermusik hören, in Aarau sind die Gelegenheiten jedenfalls rar! Mein erstes Recital am 30. November verspricht zum Beispiel eine spannende Begegnung mit dem jungen belgischen Pianisten Ludovic van Hellemont zu werden, er hat kürzlich in Basel mit seinem Masterkonzert begeistert und spielt zum ersten Mal in Aarau, unter anderem auch Eigenkompositionen.

Inmusic: So, 16. August, ab 18 Uhr. Es spielen Sophie Holma und Kathrin Schmidlin.
Tag der offenen Tür: Samstag, 12. September, ab 11 Uhr.