Tinu Heiniger
Heiniger parodiert Blocher als «Häuptling grosse Lippe» im «Zwärgeland»

Tinu Heinigers neues Album «Bis a ds Ändi vo der Welt» ist ein schönes Album. Höhepunkt ist aber das politisch-parodistische «Zwärgeland 2» über die Affäre Hildebrand.

Stefan Künzli
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Tinu Heiniger (62), der Doyen der Schweizer Liedermacher, ist ein bekennender Linker und unbequemer Patriot, der sich mit bissigen Einwürfen, wie seinem berühmten Lied «Es schiisst mi ah», immer wieder auch politisch eingemischt hat. Tinu Heiniger ist aber auch ein Wertkonservativer, der sein Heimatland und seine Leute liebt.

In den letzten Jahren ist er versöhnlicher geworden. Sein fünfzehntes Werk «Bis a ds Ändi vo der Welt» ist denn auch geprägt von leisen, melancholischen Liebesliedern für seine Nächsten («Bis a ds Ändi vo der Welt», «S’wird gäng eso sy», «Ds Müeti» und «Sie») sowie Hommagen an die Aussenseiter und Verlierer unserer Gesellschaft («Mi Dällebach», «Z’spät» und «Warum, wieso»).

Lied über das Suhrental

Ein Heimatlied besonderer Art ist «Im Suhrental». Der gebürtige Emmentaler, der seit einigen Jahren im aargauischen Schöftland, im oberen Suhrental, wohnt, zählt darin die Haltestationen der Wynen- und Suhrentalbahn (WSB) auf, von seinem Wohnort nach Aarau und wieder zurück.

Herzstück des neuen Albums ist aber «Zwärgeland 2», wo sich Heiniger auf seine aufmüpfige und unbequeme Seite besinnt. Das gut achtminütige, mit Rhythmus- und Tempowechseln durchsetzte Werk ist eine ebenso amüsante wie grossartige Parodie auf die aktuelle politische Schweiz.

Ohne Namen zu nennen, thematisiert Heiniger die Affäre um den gestürzten Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand und spart dabei nicht mit bissigen Seitenhieben. Hildebrand ist darin der «grosse Zwärg», seinen Gegenspieler Christoph Blocher nennt er den «hässigen Zwärg» oder «Häuptling grosse Lippe». Viel zu wenig nehmen heute Schweizer Künstler Stellung zu aktuellen politischen Ereignissen. Zum Glück gibt es den Heiniger.

Hochkarätige Band

Für «Bis a ds Ändi vo der Welt» hat Tinu Heiniger eine hochkarätige Allstar-Formation um sich geschart. Als Coach, Produzent und Musiker konnte der Liedermacher erneut den grossartigen Reyn Ouwehand aus Holland gewinnen, dazu der alte Musikerkumpel Pudi Lehmann an der Trompete, Posaune und Geige. Die Rhythmussektion bilden zwei der Besten ihres Fachs: Der begehrte Bassist Wolfgang Zwieauer und neu Züri-West-Schlagzeuger Gert Stäuble. «‹Bis a ds Ändi vo der Welt› ist mein schönstes Album geworden», ist Heiniger überzeugt. Wir pflichten ihm bei.