Lenzburgiade
Ein Fest der Musikanten aus aller Welt

Bei den Konzerten mit Crossover, Klassik und Volksmusik heisst der gute Geist der Lenzburgiade 2017 Familiengeist.

Sibylle Ehrismann
Merken
Drucken
Teilen
Ab 13. Juni öffnet die Lenzburg wieder ihre Tore für Musik von nah und fern.

Ab 13. Juni öffnet die Lenzburg wieder ihre Tore für Musik von nah und fern.

Chris Iseli

Nun ist es wieder so weit: ab dem 13. Juni bespielen Musikanten-Truppen aus aller Welt den lauschigen Schlosshof der Lenzburg. Mit ihrer einzigartigen Mischung aus Klassik und Folk lockt die Lenzburgiade ein breites Publikum an, mittlerweile wird auch im Städtchen nicht mehr im Alten Gemeindesaal, sondern auf dem Metzgplatz openair gefeiert.

Die Lenzburgiade trägt die deutliche Handschrift ihres künstlerischen Leiters Stephan Goerner. Ihn faszinierten Crossover, Improvisation und die Volksmusik verschiedener Länder schon immer. Bei der Auswahl sind ihm, wie er einmal selber sagte, die künstlerische Qualität und die ausgefallene, originelle Präsentation wichtig. Dafür arbeitet er nur selten mit Agenturen zusammen, auf seinen Reisen mit dem Carmina Quartett hat er Produktionen selber erlebt, oder er sucht sie aus den vielen Bewerbungen für die Lenzburgiade aus. Am liebsten ist ihm, wenn Musiker aus Klassik und Folk spontan zusammen musizieren.

Herzblut und Familiengeist

Kurz nach der letzten Lenzburgiade kam die Schreckensnachricht: Stephan Goerner erlitt einen Hirnschlag. Von einem Moment auf den andern fiel er aus, beim Carmina Quartett und dann auch für die Kyburgiade in Winterthur. Auch wenn die Planung für die Lenzburgiade 2017 weitgehend gemacht war, dass das Festival trotz allem zustande kam, ist der engagierten Geschäftsführerin Ruth Zenger zu verdanken. Sie ist die Schwester Stephan Goerners und hat mit ihm zusammen die beiden Festivals in Lenzburg und Winterthur aufgebaut, seit 25 Jahren sind sie «a winning team».

Ruth Zenger kennt den Laden und die Künstler, und sie hat die Musikerfamilie Enderle an ihrer Seite, die sie unterstützt. Im Carmina Quartett nämlich, in dem das Ehepaar Enderle mit Goerner musizierte, hat die hochbegabte Tochter Chiara Enderle vorläufig Goerners Cellopart übernommen. Hier herrscht also ein grandioser familiärer und künstlerischer Zusammenhalt. Stephan Goerner geht es mittlerweile schon wieder erstaunlich gut, wie dem «Winterthurer Landboten» in einem Kurzinterview mit ihm zu entnehmen war. Schon möglich, dass er hinter den Kulissen bald wieder mitgestalten kann.

An dieser Lenzburgiade wird viel getanzt und gesungen. Ein spanisches Renaissance-Fest mit Musik aus dem 15. Jahrhundert macht den Anfang (13. Juni). Spitzenmusiker auf historischen Instrumenten wie der Viola da Gamba, der Laute, Theorbe und der Rahmentrommel treffen auf das Vokalensemble Amarcord aus Leipzig. Amarcord, das sind fünf Männerstimmen, die einst im legendären Leipziger Thomanerchor gesungen haben und nun als Vokalensemble Furore machen.

Auch den süffigen Wiener Walzer kann man an der Lenzburgiade einmal ganz anders erleben (15. Juni). Gespielt werden Bearbeitungen der Strauss-Walzer von Arnold Schönberg, die dieser einst für seine musikalischen Privataufführungen für eine kleinere Besetzung einrichtete – eine echte Spezialität.

Platz für Volksmusikalisches

Kunterbunt ist das Programm mit volkstümlicher österreichischer Musik (16. Juni). Das Carmina Quartett spielt Haydn-Menuette, die auf die originellen «Hotel Haydn»-Darbietungen der Wiener Crossover-Pianistin Marialena Fernandes treffen. Das Ensemble «Hotel Palindrone» bringt dafür aus Wien ungewöhnliche Instrumente wie Dudelsäcke, Maultrommel, Drehleier, Nickelharpa, Jodel und vieles mehr mit.

Junge brillante Volksmusikanten geben sich im Städtchen auf dem Metzgplatz ein Stelldichein. Der virtuose Hackbrett-Spieler Nicolas Senn (14. Juni) oder die witzig amüsante Appenzeller Sängerin und Akkordeonistin Karin Streule, die auch Gitarre und Sansula spielt (16. Juni), zeigen mit ihren Bands die junge Dynamik in der Schweizer Volksmusik.

Schlosshof und Metzgplatz Lenzburg Di, 13.–So, 18. Juni

Tickets: Hotline 062 929 49 49; www.lenzburgiade.ch