Jazzfestival
Drei Weltklasse-Schlagzeuger sorgen in Basel für Wirbel

Die einen haben den Songs von Peter Gabriel oder Paul Simon grossartige Grooves verliehen, der andere spielt wie ein scratchender DJ. Gemeinsam haben Steve Gadd, Manu Katché und Nate Smith zwei Sachen: Sie spielen grossartig Schlagzeug und treten am Jazzfestival Basel auf.

Marc Krebs
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Drei der weltbesten Schlagzeuger besuchen Basel: Manu Katché, Nate Smith und Steve Gadd

Drei der weltbesten Schlagzeuger besuchen Basel: Manu Katché, Nate Smith und Steve Gadd

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Ihre Rhythmen kitzeln die Hüften ebenso wie den Intellekt: So genial einfach sie mitunter wirken, einfach genial sind sie, die Grooves von Steve Gadd, Manu Katché und Nate Smith.

Jeder dieser drei Schlagzeuger hat eine Generation geprägt und beeinflusst, jeder von ihnen trat schon am Basler Jazzfestival auf – vor vollen Rängen, was nicht ganz erstaunt, angesichts der hohen Affinität fürs Trommeln, die in dieser Region auszumachen ist.

Urs Blindenbacher, der Festivalchef, ist entsprechend darauf bedacht, sein breites Programm mit einem Spitzendrummer zu schmücken. Heuer übertrifft er sich aber, indem er gleich drei herausragende Vertreter dieser Zunft verpflichten konnte, die mit ihren stilbildenden Performances die Entwicklungen der letzten fünf Jahrzehnte abdecken: Songdienlichkeit kommt bei ihnen vor prahlerischer Virtuosität, statt mit ihrem Spiel zu schreien, setzen sie gekonnte Farbtupfer. Und begeistern mit Musikalität und Technik.

Gadd, der Grand Old Man

Da wäre etwa Steve Gadd, heute 72 Jahre alt. Er sieht auf Fotos aus wie ein Rentner aus Florida, hat es aber noch immer faustdick hinter den Kesseln. Der US-Amerikaner gab auf über 800 Alben den Takt an, von Pop bis Jazz, von Folksänger Paul Simon, Pianist Chick Corea, Bluesgitarrist Eric Clapton bis zur Singer-Songwriterin Tracy Chapman.

Elegant schlägt er mit seinem Spiel eine Brücke zwischen den klassischen Grundlagen der Marschtrommel, dem ternären Swing und dem Minimalismus der Popmusik.

Das machte ihn so begehrt als Studiomusiker wie kaum einen anderen in den 70er- und 80er-Jahren, in einer Zeit also, als sich viele Drummer hinter riesigen Trommelburgen verschanzten. Gadd ignorierte dieses Wettrüsten, er reduzierte das Schlagzeug und sein Spiel stets auf das Maximum – und hat so alle Trends überlebt.

Als Bandleader seiner eigenen Combo tritt Steve Gadd erfreulich regelmässig in Europa auf. Dass er nach 2009 und 2015 nun ein weiteres Mal nach Basel zurückkehrt, hat nicht nur mit der Begeisterung des Publikums zu tun, die ihm hier entgegenbrandet, sondern auch schlicht pekuniäre Gründe: Er erhält kaum Tantiemen für seine Arbeit, für die unzähligen Songs, auf denen er zu hören ist. «Als Studiomusiker wurde ich einfach einmalig für meine Session bezahlt, das wars.»

Die Blütezeit der Studio Cracks, als Plattenfirmen noch Budgets hatten und Top-Instrumentalisten tatsächlich Top-Löhne, diese Zeit hat auch Manu
Katché noch miterlebt. Der Franzose war 27, als ihn Peter Gabriel 1985 entdeckte und fortan förderte.

Seine familiäre Durchmischung, Katché hat ivorische Wurzeln, schlug auch musikalisch durch. Atmosphärischer Rock mit Afro-Fills wurde zu seinem grossen Markenzeichen, auf das nebst Peter Gabriel auch Sting bei Welttourneen vorzugsweise zurückgreift.

Den dritten Top-Drummer muss man ein bisschen suchen im Programm des Jazzfestivals Basel. Denn er versteckt sich hinter dem leicht irreführenden Motto «Bass & Guitars», dabei braucht sich der New Yorker Nate Smith musikalisch nicht hinter dem kongenialen Bassisten John Patitucci zu verstecken: Wie der 42-Jährige die Wucht von Funk und HipHop in den Jazz überführt, ist faszinierend. Und nicht selten, wenn Smith einen Groove legt, ersetzt er gleich den scratchenden Remixer.

Man darf gespannt sein, wie er seinen zeitgemässen Stil am Montag in ein saitenlastiges Quartett einbringt.

Drei Schlagzeug-Stars am Jazzfestival Basel

  • Steve Gadd & Band: Samstag, 21.15 Uhr, Musical Theater Basel.
  • John Patitucci Guitar Band mit Nate Smith: Montag, 8. Mai, Volkshaus, Basel. 20 Uhr.
  • Manu Katché Quintet: Dienstag, 9. Mai, 20 Uhr. Volkshaus Basel.