Kultur
Die dunkle Seite des Hip-Hop-Mondes

Will man einem US-Journalisten glauben, dann lebt der 26-jährige Kid Cudi, Rapper aus Cleveland, Ohio, in einem New Yorker Appartment, allein, den Tisch aber stets gedeckt für vier. Ein merkwürdiger Kerl.

Marc Krebs
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Das sagt er auch von sich selber und versteht es als Kompliment: «Mich kann man mit keinem anderen Rapper vergleichen», ist Kid Cudi überzeugt.

Ist dem Protegé von Kanye West, der 2009 mit seinem Debütalbum einen ersten Achtungserfolg feiern konnte, der Erfolg in den Kopf gestiegen?

Auf jeden Fall dessen Nebenerscheinungen: Alkohol. Kokain. Kid Cudi hat die Realität in den letzten Monaten nur schlecht in nüchternem Zustand ertragen. Lady Gaga, für die der Rapper in den USA die Konzertabende eröffnete, schmiss ihn aufgrund seiner «negativen Energien» aus der Tour raus, nachdem er einen Fan attackiert hatte.

Kid Cudi überschritt Grenzen und ist sich dessen bewusst: Im starken neuen Song «Mojo So Dope» bekennt er, dass er seine eigenen Dämonen aus dem Käfig gelassen habe, sich in den Rausch floh, was wiederum seine Wutausbrüche begünstigt hat. Ein Teufelskreis.

Erfahrungen wie diese hat er musikalisch verarbeitet. Plante er ursprünglich ein Album mit Duetten, so hat er sich dafür entschieden, an sein Debüt mit einem zweiten Konzeptalbum anzuknüpfen. Beschrieb er 2009 noch Traum- und Albtraumwelten, so widmet er sich seiner Realität, erzählt von Höhenflügen und Abgründen und offenbart den Graben dazwischen.

Auf der Kippe stehend, entschied er sich für die Läuterung und beschreibt diese im vierten von fünf Akten auf «The Legend Of Mr. Rager», unterstützt von Soul-Diva Mary J. Blige («These Worries»).

Unverschämt unverwechselbar

Blige ist nicht einziger Gast: Auch Kid Cudis Förderer Kanye West hat einen Auftritt, allerdings in einem der schwächsten Songs dieses Albums: «Erase Me» steht mit seinen Gitarren-Riffs für einen altmodischen, effekthascherischen Crossover-Sound – und will so gar nicht der Grundstimmung des Albums entsprechen: Diese ist dunkel, finster, nachdenklich.

Manche Songs schleichen dahin, hören sich fast schon tranceartig («The Mood», «Marijuana») an. Kid Cudis Rhetorik beschränkt sich auf minimalistische Texte und rohe, direkte Gefühlsäusserungen. Seine grösste Stärke ist die Musikalität, der Facettenreichtum seiner Stimme.

Diese deckt sich mit der eigenartigen Tonalität des Albums, das fast gänzlich ohne klassische Hip-Hop-Beats auskommt und daher unverschämt unverwechselbar klingt.

Kid Cudi Man On The Moon II – The Legend Of Mr. Rager (Universal).

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