Musik
Der Jazzcampus Club ist eröffnet und bringt Leben in die Utengasse

Seit September improvisieren jeden Mittwoch Studierende und Dozenten im Jazzcampus Club an der Utengasse in Basel. Jeweils um 20.30 Uhr beginnen die Jam-Sessions und dauern bis Mitternacht. Oft spielen auch bekannte Namen in der Opener-Band.

Tumasch Clalüna
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Der spanische Jazzmusiker Jorge Rossy ist diesen Mittwoch zu Gast im Club des Jazzcampus. Der Eintritt ist frei.ZVG

Der spanische Jazzmusiker Jorge Rossy ist diesen Mittwoch zu Gast im Club des Jazzcampus. Der Eintritt ist frei.ZVG

Die Utengasse ist nach wie vor bloss die kleine Schwester der belebten Rheingasse. Doch langsam verändert sich das Bild, nicht zuletzt dank des Jazzcampus, der Leben in die Gasse bringt.

Tritt man durch den Eingang in den öffentlich zugänglichen Innenhof, begegnen einem Studenten, die über Repertoire-Stücke diskutieren oder komplizierte Rhythmus-Patterns besprechen. Ein Gast aus Frankreich wartet, er könnte durchaus eine Jazz-Grösse sein, und der Leiter des Campus Bernhard Ley steht persönlich hinter der Bar und wäscht ab.

Das Zentrum dieses Miteinanders von Lehrenden und Lernenden ist seit der Eröffnung vor einem Jahr der Club im Erdgeschoss. Dunkel, mit Bistro-Tischen und einer nicht allzugrossen Bühne entspricht der Raum ganz dem Klischee eines Jazzclubs, ausser dass nicht geraucht werden darf.

Nun ist er nach einem langwierigen Bewilligungsverfahren auch für die Öffentlichkeit zugänglich und als regulärer Club registriert, mit Wirtepatent und Abnahme durch die Feuerpolizei.

Improvisieren bis Mitternacht

Jeden Mittwoch treffen sich nun ab 20.30 Uhr Studierende und Dozenten zur Jamsession. Das Prozedere ist dabei immer das gleiche. Studenten oder Dozenten stellen eine Opener-Band zusammen, die zuerst ein Set von rund 40 Minuten spielt, danach sind alle eingeladen, sich zu beteiligen. «Bislang dauerten die Jams immer bis Mitternacht», bestätigt Marc Mezgolits das Bild der unermüdlichen Musiker.

Er war bereits zweimal in der Opener-Band dabei. Der gebürtige Wiener kam extra nach Basel, weil er die Schweizer Jazzszene für sehr eigenständig und international hält.

In den Opener-Bands finden sich auch bekannte Namen wie Jorge Rossy, Guillermo Klein oder Lisette Spinnler. Natürlich sei es speziell, mit solchen Namen zu «jammen», meint Mezgolits, nervös werde er deshalb aber nicht. «Man studiert Musik hoffentlich auch, damit man auf die Bühne gehen kann», sagt er selbstbewusst. Das gemeinsame Improvisieren ist natürlich fester Bestandteil des Studiums, erklärt Stef Rohrbach, Leiter Kommunikation. «Es vor Publikum zu tun, ist dann aber nochmals ein Unterschied.» Die Sessions sind öffentlich, kosten keinen Eintritt und stossen auf wachsendes Interesse.

Wie viele Leute kämen, hänge schon davon ab, wer in der Opener-Band mitspiele, schmunzelt Rohrbach. Zudem wird es auf der Homepage einen Livestream geben, mit dem man die Sessions im Netz verfolgen kann. Gleichzeitig werden sie damit aufgezeichnet.

Aber längst nicht alle Studenten sind bei solchen Live-Aktionen mit dabei. Einige werkeln lieber im stillen Kämmerchen oder fühlen sich im Studio zu Hause. Umso wichtiger ist es, dass die Session nicht nur ein Campus-internes Format bleibt.

Im Auftrag der Vernetzung

Der Austausch mit anderen Jam-Plattformen wie «Jazz im Parterre», die jeden Montag stattfindet, funktioniere auch schon gut, wirft Mezgolits ein. Allgemein ist Vernetzung das grosse Thema und mit der neuen Infrastruktur kann der Jazzcampus da einen gewichtigen Beitrag leisten. Dies bedeute aber nicht, dass nur noch auf dem Campus gespielt werde, betont Direktor Bernhard Ley. Weiterhin gibt es Konzerte im Birds Eye, neu auch im Milchhüsli.

Einzig schuleigene Veranstaltungen wie Diplomkonzerte finden vor Ort statt. Ebenso Konzerte von Künstlern, die meist mit einem Workshop mit dem Campus verbunden sind oder sonst eine Verbindung zum Jazzcampus haben. So wie heute Abend Miguel Zenón, einer der bekanntesten Altsaxofonisten der Gegenwart und Grenzgänger zwischen der Volksmusik Puerto Ricos und dem modernen Jazz. Sein Quartett umfasst den Pianisten Luis Perdomo, den Bassisten Hans Glawischnig und den Schlagzeuger Henry Cole.

Ein Grund, warum die Stiftungen Habitat und Lenovo den Campus mitten in der Stadt wollten, war die Belebung des Quartiers. Dafür dürfte dieser Club an der Utengasse 15 Entscheidendes beitragen.

Das Miguel Zenón Quartet spielt heute, Dienstag, 10. November, um 20.30 Uhr und Jorge Rossy tags drauf im Jazzcampus Club an der Utengasse 15.

www.jazzcampus.com