Zürich
Deep Purple im Hallenstadion: Sie wirkten etwas müde und lustlos

Die Hard Rock-Pioniere von Deep Purple wirkten vor 5500 Zuschauern im Hallenstadion Zürich etwas müde und lustlos. Umso packender war die Vorband, die Retro-Rockband Rival Sons

Stefan Künzli
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Deep Purple mit Roger Glover, Steve Morse, Ian Paice, Ian Gillan und Don Airey sind zurück.

Deep Purple mit Roger Glover, Steve Morse, Ian Paice, Ian Gillan und Don Airey sind zurück.

HO/Jim Rakete

Vorbands haben einen schweren Stand. In den meisten Fällen sind sie nicht mehr als billige Zeitüberbrücker für die grossen Stars.

Die Fans sollen bei Laune gehalten werden, doch auf sie gewartet hat niemand. Sie werden deshalb kaum beachtet.

Oft zu Recht, denn die Hauptacts schauen eifersüchtig darauf, dass die Einheizer nicht zu gut sind. Wehe, sie stehlen den Stars die Show.

Umso auffälliger ist, dass es in letzter Zeit bei grossen Konzerten Vorbands gab, die sich als echte Knüller erwiesen.

Im letzten Jahr war es die britische Band The Temperance Movement am Konzert der Rolling Stones, in diesem Jahr bei AC/DC die amerikanische Band Vintage Trouble (am 1. Dezember im Kaufleuten Zürich) und jetzt Rival Sons bei Deep Purple im Hallenstadion Zürich.

Die 2008 gegründete amerikanische Band gehört wie die anderen genannten Bands zu den führenden Bands des sogenannten Retro-Rock. Tief geerdet im Blues-Rock Ende der 60er- und 70er-Jahre - der besten und kreativsten Aera des Rock.

Sie ist keine innovative Band, beweist aber im Hallenstadion Zürich eindrücklich, wie zeitgemäss diese Art Rock interpretiert werden kann.

Erste Referenz ist natürlich Led Zeppelin und Schmuckstück von Rival Sons der grandiose Sänger Jay Buchanan. Er erinnert an Robert Plant, singt aber nicht ganz so hoch und durchdringend, dafür mit mehr Soul singt. Eine eindrückliche Power-Performance und schwer zu überbietende Vorlage.

Deep Purple waren immer mehr als eine Hard Rockband. Für den sogenannten Progressive Rock haben sie, musikhistorich gesehen, mindestens so viel beigetragen wie für den Hard Rock.

Die aktuelle Version von Deep Purple, bei der nur noch Schlagezuger Ian Paice Gründungsmitglied ist, besinnt sich wie in den grossen Zeiten mit Jon Lord und Richie Blackmore in den 70er-Jahren auf ihre instrumentalen Fähigkeiten.

Hauptattraktionen am Konzert in Zürich sind deshalb die beiden jüngsten Purple, die Virtuosen Steve Morse (Gitarre) und Don Ayrey (Keyboards), die über dem soliden Rhythmusfundament von Paice und dem „Aargauer“, in Frick wohnhaften Bassisten, Roger Glover ihre Schnellfingereien zum Besten geben.

Das kommt auch Leadsänger Ian Gillan entgegen, der schon seit einiger Zeit Mühe mit den hohen Tönen hat. In den längeren gesangsfreien Passagen kann er Energie tanken und seine Stimmbänder schonen.

„Deep Purple ist eigentlich eine Instrumentalband“, sagte er in diesem Jahr in einem Interview mit dieser Zeitung.

Rival Sons stehlen Deep Purple nicht die Show. Sowieso: Legendäre Bands wie Deep Purple müssen niemandem mehr etwas beweisen.

Ihren Platz in der Geschichte kann ihnen niemand wegnehmen. Und doch wird im Vergleich mit Rival Sons deutlich, dass Gillan & Co. im Hallenstadion nicht ihren besten Tag erleben.

Sie wirken etwas müde und Steve Morse solistisch etwas lustlos. Das Quintett erreichte jedenfalls nur selten das Energielevel von Rival Sons.