Pop
Das Duran-Duran-Rezept: nie so klingen wie die anderen

Für viele Popfans verkörpern Duran Duran die Achtzigerjahre. Doch während die restliche Popwelt die Achtzigerjahre neu entdeckt, bemüht sich die britische Band um ständige Erneuerung.

Hanspeter Künzler
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Duran Duran spielten im August am Sands Steel Stage Festival in Bethlehem, Pennsylvania. Keystone

Duran Duran spielten im August am Sands Steel Stage Festival in Bethlehem, Pennsylvania. Keystone

KEYSTONE

Ihre Hits trugen Titel wie «Rio», «Girls of Film» und «The Wild Boys». Die üppige Produktion mit den dick aufgetragenen Synthis und den pathosschwangeren Refrains war bestimmt für die Breitleinwand und das MTV-Zeitalter. Dazu passten die Videos voller Jachten, Heldenposen und Bikinis. Der Sänger mit dem exotischen Name Simon Le Bon und dessen Gattin Yasmin Parvaneh gehörten zum festen Inventar der Glamour-Postillen.

Wie nur den ganz Grossen kam Duran Duran die Ehre zu, den Themensong für einen James-Bond-Streifen zu komponieren: «A View to Kill». 100 Millionen Tonträger hat die Band inzwischen verkauft. Aber die letzten zwanzig Jahre haben es nicht mehr so gut gemeint mit der Band. Selbst in ihrer britischen Heimat haben sie in dieser Zeit nur noch einen Top-10-Hit feiern können, und der liegt elf Jahre zurück.

Interesse der Weltpresse

Der Rummel um das Erscheinen vom vierzehnten Duran-Duran-Album «Paper Gods» ist beachtlich. Aus der ganzen Welt sind die TV-Crews eingeflogen. Das gesamte Untergeschoss eines Hotels in Soho ist für den Medientag reserviert worden. Simon Le Bon gleitet elegant durch den Korridor wie einst die Jachten in seinen Videos, japanische Journalistinnen schlagen sich bei dem Anblick die Hand vor den Mund und kichern nervös.

«Paper Gods» – es muss gesagt sein – ist ein bemerkenswert frisch klingendes Album. Produziert von der Band selber mit Mr. Hudson (ein Brite, der in Los Angeles mit Kanye West und Jay-Z gearbeitet hat), Mark Ronson und Nile Rodgers weicht es nie allzu weit vom feisten Synthi-Pop/Rock-Sound ab, den die Band in ihren frühen Tagen patentierte. Vom alten Quintett fehlt heute nur der Gitarrist Andy Taylor. Wo die restlichen vier – Le Bon, Nick Rhodes (Keyboards), John Taylor (bass), Roger Taylor (drums) – vielen jungen Kämpen aus den Hipstermetropolen Brooklyn und Hoxton, die sich der musikalischen Neuerschliessung der Achtzigerjahre verschrieben haben, einiges vormachen können, ist der handwerklich smarte Umgang mit eingängigen Melodien und vor allem auch die raffinierte Detailpflege. Nebst Gästen wie Janelle Monae, Kiezsa und dem Gitarristen John Frusciante (Ex-Red Hot Chili Peppers) gönnt sich die Band zudem einige Experimente: Mehrere Songs gehen monumentale sieben Minuten und verlieren dennoch ihre Dynamik nicht.

«Wir nehmen unsere Musik sehr ernst», erklärt Nick Rhodes mit Nachdruck: «Ernster denn je. Denn es ist uns wichtig, dass wir unseren Platz in der wunderbaren Geschichte der Musik verdienen. Dafür muss man kämpfen. Es reicht nicht, sich an die Schürzenzipfel der Nostalgie zu hängen.» Ein ganzes Jahr verbrachte die Band im Studio damit, Ideen zu generieren, ein zweites, diese zurechtzuschleifen.

Jedes Detail ist wichtig

«Im Zeitalter der winzigen Konzentrationsspanne ist jedes Detail wichtig», sagt John Taylor. «Jeder Snare-Beat kann den Unterschied ausmachen, ob das Lied im Gedächtnis haften bleibt oder nicht.» Solche Details zählen auch auf historischer Ebene. Viele Songs aus den Achtzigerjahren klingen heute altmodisch, denn auf allen sind die gleichen blechernen Synthi-Klänge zu hören. Nicht so die Musik von Duran Duran. «Ha!», grinst John Taylor: «Erst vor ein paar Tagen hat Nick zu mir gesagt, er sei ja so verdammt froh, nie einen DX-7-Synthi verwendet zu haben!» «Und das ist kein Witz!», fällt ihm Rhodes gut gelaunt ins Wort. «Es besteht ein Gerücht, wonach die ersten zwei DX 7 an INXS und Duran Duran gegangen seien. Das ist vollkommen unwahr. Gerade darum, weil alle anderen einen hatten, wollte ich keinen.»

Es sei eine Frage des Geschmackes. «Wenn man seine Instrumente zusammenkauft wie Junk Food, klingt man selbstverständlich bald so wie alle anderen. Ich habe «Haute Couture» immer der Massenware vorgezogen. Auf diese Art produziert man zumindest Musik, die nicht in den gleichen Abfallkübel passt.»

Duran Duran: Paper Gods, Warner. Erscheint am 11. September.

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