Stadtmuseum Aarau
Argovia Philharmonic lanciert mit Solisten neue Kammerkonzerte

Das Argovia Philharmonic hat im Stadtmuseum Aarau eine neue Reihe «Kammerkonzerte» geschaffen. Zum Auftakt am Sonntag spielt Klarinettist Julian Bliss mit den Philharmonikern.

Anna Kardos
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Das Argovia Philharmonic an einem Konzert in der alten Reithalle Aarau am 16. September 2017.

Das Argovia Philharmonic an einem Konzert in der alten Reithalle Aarau am 16. September 2017.

zvg

Raus aus der Limo, rauf auf die Bühne, rein ins solistische Bravourstück – während das Orchester brav die Begleitung dazu bietet. Und nach dem Auftritt dieselbe Übung rückwärts: runter von der Bühne, rein in die Limo und auf und davon. Intendanten vieler Orchester setzen gerne auf das Prinzip «hire a Star» – sofern ihre Orchester nicht gerade Berliner oder Wiener Philharmoniker heissen.

Die im Aargau ansässigen Philharmoniker, allgemein bekannt unter dem Namen Argovia Philharmonic, und ihr Intendant halten es etwas anders. Nicht, dass dieses Ensemble weniger mit Stars aufträte. Aber es will mehr. Bei ihm sollen Gastsolisten über den Soloauftritt hinaus mit hiesigen Orchestermusikern in Kontakt treten. «Dass wir gemeinsam Kammermusikprogramme erarbeiten, ist nicht nur ein Wunsch, sondern geradezu Bedingung für Solisten, die mit uns konzertieren», erklärt Intendant Christian Weidmann.

Nun hat das Argovia Philharmonic im Stadtmuseum Aarau eigens die neue Reihe «Kammerkonzerte» dafür geschaffen. Und dass auf die ehrfurchtheischende Bühnenperspektive der «Ahs!» und «Ohs!» verzichtet wird, versteht sich von selbst: Hier gibts keine Bühne. Musiziert wird mit den Zuhörern auf Augenhöhe.

Auftakt mit Julian Bliss

Den Auftakt macht Klarinettist Julian Bliss. Soeben hat er mit dem Argovia Philharmonic das Klarinettenkonzert von Jazzlegende Wayne Shorter uraufgeführt; nun greift er in Sachen Kammermusik auf eine ungleich ältere Legende zurück: Don Giovanni, den dämonischen Verführer tausender Frauen. Ihm hatten Musiker von Boccherini bis hin zu den Pet Shop Boys musikalisch Gestalt verliehen – unter ihnen Mozart in seiner 1787 uraufgeführten Oper «Don Giovanni» sowie im Divertimento mit Motiven daraus, das kommenden Sonntag in einer Bearbeitung für zwei Klarinetten und Fagott zu hören sein wird. Selbst Beethoven, in Liebesdingen nicht annähernd so glücklich wie als Komponist, war fasziniert vom schillernden Don Giovanni und schrieb über dessen berühmte Verführungs-Arie «La ci darem la mano» Variationen für Oboe und Englischhorn. Nur auf den klangsinnlichen Böhmen Dvorak hatte offenbar Komponistenkollege Mozart den weitaus grösseren Eindruck hinterlassen als Frauenverführer Don Giovanni. Als Dvorak 1877 die Serenaden seines Kollegen in Wien hörte, war er so begeistert, dass er in nur zwei Wochen eine eigene auf die Beine stellte, seine «Serenade in d-Moll».

Wem also die Wettinger Kammerkonzerte (siehe Artikel oben) schmerzlich fehlen werden, darf sich etwas trösten mit dem Gedanken, dass zeitgleich in Aarau diese intime Form des Konzertierens einen neuen Standort gefunden hat. Unter anderen Vorzeichen zwar und entstanden aus einem unterschiedlichen Wunsch. Aber ist nicht gerade das ein Wesenszug von Kammermusik? Dass sie so vielfältig, beweglich, so variabel ist?

Stadtmuseum Aarau, So. 29. Okt., 11 Uhr. www.argoviaphilharmonic.ch