Montagsinterview
Andreas Gabalier: «Zu Hause hänge ich meine Lederhose an den Nagel»

Österreichs derzeit erfolgreichster Musiker und Volks-Rock-’n’-Roller Andreas Gabalier (30) über seine Verliebtheit, Arve und steirische Eiche, das neue Album «Mountain Man» sowie Flug- und Sixpack-Ambitionen im Hinblick auf die kommende Tournee.

Reinhold Hönle
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Andreas Gabalier ist der erfolgreichste österreichische Musiker im deutschsprachigen Raum..jpg

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DUKAS/ACTIONPRESS

Sie sehen auf dem Cover wie eine Mischung aus Arnold Schwarzenegger und Superman aus. Wer von den beiden war der Held Ihrer Jugend?

Andreas Gabalier: Natürlich war und bin ich ein Fan von Arnold, der «steirischen Eiche»! (lacht) Viele seiner Filme wie «Conan» oder «Terminator» haben meine Geschwister und ich uns heimlich auf Video aufgenommen und am Nachmittag oder Wochenende geschaut, wenn die Eltern nicht zu Hause waren. Ich fand aber auch «Superman» und «Batman» cool.

Persönlich:Andreas Gabalier (30)

Andreas Gabalier ist innert 6 Jahren zum erfolgreichsten Musiker Österreichs im deutschsprachigen Raum avanciert. Für die Mischung aus Rock ’n’ Roll und Volksmusik hat er den Begriff Volks-Rock-’n’-Roll geprägt, den er schützen liess. Gabalier hat seine schmerzliche Familiengeschichte mit Musik verarbeitet. 2006 beging sein Vater ohne erkennbaren Grund Selbstmord, zwei Jahre später seine jüngere Schwester. Er widmete ihnen das Lied «Amoig seg’ ma uns wieder». Mit «Mountain Man» (Universal) hat er erstmals auch in Deutschland und der Schweiz die Chartsspitze erreicht. Am 19. 11. spielt er in der Basler St. Jakobshalle, am 20. 11. im Zürcher Hallenstadion (ausverkauft).

Nun treten Sie als «Mountain Man» in deren Fussstapfen.

Ich überlegte mir, wie ich die Aufmerksamkeit der Medien nach den vielen Schlagzeilen der letzten Zeit nochmals auf mich und das neue Album ziehen könnte. Die Umsetzung ist einem befreundeten Comiczeichner mehr als nur gelungen. Das kunterbunte Cover repräsentiert perfekt die abwechslungsreiche Mischung aus sommerlich leichten und beschwingten Liedern. Es ist sicher die flotteste CD in meiner Alben-Reihe. Trotzdem durften auch bodenständige Nummern nicht fehlen.

Wie gehen Sie damit um, dass Sie als Superman gefeiert werden und die Erwartungen ständig steigen?

Ich sehe das mit einem grossen Schmunzeln und nehme diesen aufregenden Lebensabschnitt als Achterbahnfahrt, bei der ich mich in Himmelshöhen bewegen darf, jedoch auch Schlagzeilen produziert werden, für die man mir die Worte im Munde herumgedreht hat. Das Showbiz ist nun mal ein Haifischbecken und die Luft ganz oben ist ziemlich dünn. Trotzdem macht mir das Ganze viel mehr Spass, als dass es mir graue Haare wachsen lässt.

Wie beeinflusst der Rummel Ihre Lebensqualität?

Wenn ich nach Hause komme, hänge ich meine Lederhose an den Nagel, damit sie lüften kann, streiche mir ein Butterbrot und treffe mich mit dem Nachbarn auf ein Bier oder schaue mit ihm Fussball. Und letztes Wochenende habe ich einen Auftritt am Wörthersee zum Anlass genommen, mit alten Freunden einen Motorradausflug dorthin zu machen. Es liegt also auch an einem selbst, sich nicht in seiner Freiheit einschränken zu lassen.

Ist die Single «Verliebt verliebt» unmittelbarer Ausdruck Ihres aktuellen Glücks oder der Fantasie des Songschreibers Andreas Gabalier?

Ich schreibe all meine Texte nach wie vor selbst und glaube deshalb, dass mein Lied es auf den Punkt bringt, wie man sich fühlt, wenn man gerade verliebt ist. Natürlich schmückt der Künstler das eigene Empfinden noch ein wenig aus, hoffe aber trotzdem, dass sich die Leute darin selbst wiedererkennen werden.

Ist es schwieriger, in glücklichen Zeiten gute Songs zu schreiben?

Nein, es ist kein Nachteil, wenn so viel Grossartiges in meinem Leben passiert und ich voller Optimismus in die Zukunft blicke. Das hat sich dann ganz automatisch in den neuen Liedern widerspiegelt. Es ist aber auch wichtig, sich über traurige Dinge Gedanken zu machen und diese zu Papier zu bringen. Wird daraus sogar ein Erfolg wie «Amoig seg’ ma uns wieder», unterstreicht dies, dass das Publikum es schätzt, wenn man das Leben mit all seinen Hochs und Tief wiedergibt.

Was inspirierte Sie zu «A Meinung haben»?

Auslöser war die Aufregung, weil ich es gewagt habe, die Nationalhymne in ihrer ursprünglichen, nicht geschlechtsneutralen Form zu singen sowie die Diskussionen über Frauenrechte und Political Correctness, die an Äusserungen von mir aufgehängt wurden. Danach dachte ich, es müsste ein Lied geben, das die Leute ermuntert, ihre Meinung ebenfalls in der Öffentlichkeit zu vertreten. Es würde vielen Leuten gar nicht schaden, mit dem, was sie so reden, hin und wieder etwas mehr zu sagen! (lacht)

Wie kommt es, dass Sie auf der neuen CD gleich zwei Edelweiss-Lieder singen?

Ich wurde gefragt, ob ich als österreichischer Künstler, der jetzt auch «ein bisschen Erfolg» hat, einen Song, den man auch in den USA gut kennt, zur Feier der guten Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern neu aufnehmen könnte. «Edelweiss» nahmen wir, weil dieser Song aus der Hollywood-Verfilmung des Musicals «The Sound Of Music» hier wie dort sehr bekannt ist. Es war mir eine grosse Freude, ihn live mit dem Wiener Symphonischen Orchester zu singen. Und an welches andere Lied denken Sie?

«Königin der Alpen».

Das handelt von der Zirbe (österreichische Bezeichnung für Arve, Anm. d. Red.). Sie gilt bei uns als Königin der Alpen und beschert uns auch einen köstlichen, wunderbar roten Schnaps. Nur wir Steirer dürften die Zapfen des unter Naturschutz stehenden Baums pflücken und zu Schnaps verarbeiten!

Was tun Sie, um bis zur Tournee ein «Sixpack» wie auf diesen «Gladiator-Fotos» zu haben?

Das ist mir nicht wichtig, aber ich schaue, dass ich zwei- oder dreimal pro Woche meine Bewegung kriege, sonst werde ich grantig. Wenn man wochenlang auf Promotour ist, sitzt und redet man zu viel – das nagt an der körperlichen Kraft und an der Stimme. Ich brauche Sport als Ausgleich, nicht aus Eitelkeit.

Sie haben aber auch Freude daran, Ihre Muskeln auf der Bühne zu zeigen, oder?

Natürlich, das gehört doch irgendwo zum Showbusiness. Wer möchte in der Lederhose schon einen grossen Bauch sehen?

Wie kommt es, dass Sie AC/DC nacheifern und nächstes Jahr das Münchner Olympiastadion füllen wollen?

Nachdem wir ebenfalls das kleine Luxusproblem haben, dass uns die grössten Hallen zu klein werden und es deshalb für die meisten Konzerte der kommenden Tournee schon keine Karten mehr gibt, haben wir am 30. Juli 2016 ein Zusatzkonzert im Olympiastadion terminiert – dort, wo ich kürzlich AC/DC erleben durfte. Bei der grössten Volks-Rock’-n’-Roll-Show der Welt freue ich mich auch auf viele Fahnen von Schweizer Fans, die ich einlade, mit grossen Reisebussen zu diesem Spektakel nach München zu kommen.

Im November treten Sie zuerst im Zürcher Hallenstadion und in der Basler St. Jakobshalle auf. Wird der Mountain Man dort wie Superman und einige Ihrer Kollegen durch die Halle fliegen?

Das weiss ich selbst noch nicht. Wir konzipieren die Show erst im Sommer. Die finalen Proben finden dann im September statt, bevor es am 1. Oktober in Nürnberg losgeht. Da schon so viele Tickets verkauft sind, weiss ich nicht, ob es technisch noch möglich wäre, in den Hallen die nötigen Stützen zu positionieren, um mich «einfliegen» zu lassen. Da fragen Sie vermutlich besser Helene Fischer! (lacht)

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