Pop

Amy MacDonald ohne Starallüren: «Ich bin langweilig und stehe dazu»

Amy Macdonald, die Schottin mit dem Faible für teure Autos, veröffentlicht ihr viertes Album.

Steffen Rüth
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Amy Mac Donald
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Amy MacDonald beim SnowpenAir auf der Kleinen Scheidegg.
Kurz nach ihrem grossen Durchbruch 2008.
Amy MacDonald beim Swiss Music Award im Zürcher Kaufleuten 2009.

Amy Mac Donald

Keystone

Seit zehn Jahren ist Amy Macdonald ein Popstar. Europaweit. Ihre drei bisherigen Alben voller unprätentiöser Pop-Rock-Songs haben sich blendend verkauft, sie ist Stammgast im Radio. Nach vierjähriger Pause kommt die 29-Jährige jetzt mit dem vierten Album zurück. «Under Stars» klingt ein bisschen fetter produziert, aber im Grossen und Ganzen so wie immer. Wir sprachen mit Amy Macdonald zunächst jedoch über ihre zweite grosse Leidenschaft.

Amy Macdonald, haben Sie sich eigentlich inzwischen Ihr Traumauto, den Supersportwagen Bugatti Veyron, gekauft?

Amy Macdonald: Bugatti baut den Veyron leider nicht mehr. Jetzt gibt es den Chiron. Der ist noch schneller und noch verrückter. Ich war vor kurzem im Hauptquartier von Bugatti in Molsheim im Elsass, der Chef persönlich hatte mich eingeladen und wollte mir den Chiron zeigen. Das ist wirklich ein Superauto, aber es kostet unglaublich viel Geld: Zwei Millionen Euro.

Ihre Musik ist kommerziell erfolgreich und wird ständig im Radio gespielt. Denken Sie beim Schreiben an die Hitchancen Ihrer Songs?

Ich weiss, dass viele Kollegen in meiner Branche sehr kalkulierend an ihre Musik herangehen, aber das ist noch nie meine Art gewesen. Ich versuche natürlich, eingängige Songs zu schreiben, aber ich kann meine Musik nicht den Erfordernissen eines Marktes anpassen. Ich will Musik mit Substanz machen, die hoffentlich niemanden langweilt. Und ich will Musik für alle machen. Zu meinen Konzerten kommen 10-jährige Mädchen sowie 80-jährige Omas und Opas. Die Leute kommen zusammen und feiern mit mir ihre Liebe zur Musik.

Sie leben immer noch in Glasgow. Kein Interesse, zum Beispiel nach London zu ziehen?

Ich möchte nicht woanders leben. Ich wohne in einem Vorort, meine ganze Familie ebenfalls, unser Verhältnis ist sehr eng. Eine halbe Stunde Fahrt, und ich bin entweder in der Grossstadt oder in den Bergen. Mein Vater ist ein richtiger Trekking-Experte, wir gehen auch manchmal zusammen in die Berge. Er war sogar mal im Base Camp des Mount Everest, also auf über 5000 Meter Höhe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich so was eines Tages auch machen werde.

Sie sind schon mit Anfang 20 europaweit zum Star geworden. Haben Sie sich verändert?

Ich glaube nicht. Ich war immer ein zuversichtlicher, bodenständiger, familiärer Mensch, und das bin ich bis heute. Ich war 19 beim ersten Album, und jetzt werde ich bald 30! Es kommt mir echt nicht vor, als seien schon zehn Jahre vergangen.

Für Ihr neues Album «Under Stars» haben Sie sich Zeit genommen.

Der Entstehungsprozess war für meine Verhältnisse sehr lang, die ersten Stücke schrieb ich schon 2014. Mir fehlte allerdings bei vielen die Magie, also habe ich eine Menge verworfen. Ich habe kleinere Auszeiten genommen, auch, weil ich finde, dass ich mir das verdient hatte. Mir gefällt es, wie das Album geworden ist. Zusammen mit meinen Produzenten habe ich die Songs für meine Verhältnisse ziemlich rockig und dynamisch umgesetzt, der Sound ist voll und wuchtig.

Worum geht es in der ersten Single «Dream On»?

Eine meiner beiden besten Freundinnen hatte eine Scheisszeit, ihre Mutter wurde schwer krank und sie verlor ihre Stelle. Alles ging schief. Ich fühlte mich so hilflos. «Dream On» schrieb ich, um sie aufzubauen. Viele Menschen reagieren sehr positiv auf diesen Song, wahrscheinlich, weil wir alle Phasen haben, wo das Leben nicht nach Plan läuft.

Spielen Sie im Text von «Under Stars» mit dem Gedanken, nach New York auszuwandern?

Nein, den habe ich für meine andere beste Freundin geschrieben, wir sind drei Mädels und kennen uns seit der Schulzeit. Sie ist Wissenschafterin und bekam einen Job in New York, den sie nicht absagen konnte. New York ist eine geile Stadt, aber sie war einsam, hatte anfangs furchtbares Heimweh. Als ich sie besuchte im Februar, war es dunkel und kalt, doch wir hatten eine tolle Woche zusammen. Als ich wieder heimflog, guckte ich auf die Lichter und hoffte, dass es ihr gut geht. Da kam mir die Idee für die Zeile «Waiting underneath the Stars and Stripes».

Gibt es auf dem Album auch einen Amy-Song?

Ich war und bin eine prima Beobachterin, sitze oft im Café, schaue mir Leute an und denke mir Geschichten zu ihnen aus. Aber über mich selbst schreibe ich nicht. Wen interessiert das denn schon? Ich bin langweilig und stehe dazu. Wenn ich zu Hause bin, gucke ich meistens Fernsehen. Oder koche mit meinem Freund. Wir sind beide viel unterwegs, er ist Fussballprofi, ich lebe oft aus dem Koffer. In unserer Freizeit brauchen wir keine Action.

Stimmt es, dass Sie den Songtext zu «4th Of July» wegen Donald Trump verändert haben?

Nein, das war ein Scherz von mir. So wichtig ist mir Trump dann doch nicht. Aber ich war immer schon sehr interessiert an Politik. Beim Brexit haben die Leute gegen ein System gestimmt, das sie nicht mögen, wobei die meisten einfach nicht verstanden, worum es geht. In Schottland hat jede einzelne Region für den Verbleib in der EU gestimmt. Es wäre sehr unfair, wenn wir jetzt mit rausgekickt würden aus der EU.

Seit wann sind Sie eigentlich so stark tätowiert?

Hiermit fing es an (zeigt auf einen kleinen Schmetterling am Arm, darunter steht «Free Scotland»). Das haben wir uns vor dem ersten schottischen Unabhängigkeits-Referendum 2014 stechen lassen. Wir alle in der Familie, auch meine Eltern, und die sind über 60. Und dann ging es weiter. Vielleicht auch, weil mein Freund voll mit Tattoos ist und ich das so schön finde an ihm. Einige sind übrigens echt irritiert von meinen Tätowierungen, es gibt Leute, die schreiben «Du siehst widerlich aus», oder sagen, dass sie meine Musik nicht mehr hören wegen meiner Tattoos. Also echt. Das ist krank. Solche Hörer will ich gar nicht.

«Under Stars» ab 17. Februar.

Amy Macdonald tritt am 17. März in der Samsung Hall in Zürich auf.