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Musik zum Fingerschnippen

Sie springen aus Torten und touren als Exoten durch die USA: The Homestories aus Winterthur spielen wunderschöne Nachmittagsmusik.
Albert Kuhn

Stellen Sie sich das vor: Man wird als singende Torte für eine Hochzeit engagiert. Und wie es das Schicksal will: Am selben Anlass wirkt auch eine Top-40-Sängerin. Die singt Zugabe um Zugabe und der Mann in der Torte verschmachtet schier. Schliesslich donnert er – von der verführerischen Stimme bezirzt – raus dem überdimensionierten Konditorei-Ungetüm. Viel zu früh. Aber es hat sich gelohnt. Denn – click click! – hat's gefunkt zwischen den beiden Schönen aus Winterthur.

Keine Lust zu plaudern

Schon bald nach der Hochzeits-Geschichte kam's zu den ersten musikalischen Gehversuchen. «Unsere Idee war» erklärt Gabriela Krapf am Telefon, «alles zu Hause zu machen, in zwei übereinander liegenden Wohnungen. Anfangs wollten wir auch textmässig mehr aus dem Nähkästchen plaudern. Fanden wir dann aber doof.»

The Homestories sind zuallererst ein Duo. An Livekonzerten kommen Schlagzeug, Posaune und neuerdings auch E-Bass dazu. Beide haben eine musikalische Vorgeschichte: Gabriela Krapf sang in der Pop/Jazz-Band Lobith, nahm drei Alben auf und spielte nicht nur in Zürich, Basel und Luzern, sondern auch an der Popkomm Berlin, im Reduta Jazz Club Prag und im Winston Kingdom in Amsterdam. Bandpartner Ernst David ist Sohn einer Blockflötenlehrerin, besuchte Heimorgelunterricht, spielte später mit Pink Ears und Transmartha und aktuell bei Cheekbones und Monotales – insgesamt fünfzehn Bands.

Musik geht einen Stock tiefer

«Ich stampfe eine Idee aus dem Boden, nehme eine Skizze auf und reiche diese Ernst in seine Wohnung runter», sagt Gabriela Krapf darüber, wie ihre Musik entsteht. «Dort prüft Ernst das Ganze auf Herz und Nieren. Er arrangiert, nimmt auf, verwirft, bis der Homestories-Sound steht.»

Nach und nach hat die Band akustische Gitarre, Klavier und Fender Rhodes verbannt. Und ersetzt durch Orgeln aus den Sixties und Seventies. Dazu verzerrte E-Gitarre, E-Bass, Blockflöte, Querflöte, Posaune und Saxophon – ausser den letzten beiden alles selber eingespielt. Meist schraubte Ernst die Songs zum Schluss etwas schneller. Wie bewusst studierte die Band Easy Listening? «Lounge-ähnliche Musik ist vor allem Ernst ein Greuel. Aber der Einfluss von Easy Listening wie Swing Out Sister oder Juan Garcia Esquivel ist mit eingeflossen.»

Wie kam es zur US-Tournée? «Es gab da einen Christopher, der fleissig Myspace hörte und Bands entdeckte, so kam er auf uns», erzählt Gabriela Krapf. «Und so kamen wir via Chicago in den Mittelwesten, Kansas, Wichita und genossen den Exotenbonus.»

Musik erinnert an Jahrmärkte

Homestories – ein kleines Wunder. Winterthur – die geschützte Werkstätte. Niedlich, harmlos, Öko, Bio, Alusammeln, Kräuter vor dem Küchenfenster. Aber dann ganz unbescheiden in die USA jetten und abräumen – mit perfekter, wunderschöner Nachmittagsmusik. Zu geniessen zwischen zehn Uhr morgens bis nachts um drei. In «En Tant Que Ballon» findet sich, kondensiert und französisch, die ganze Charme-Attacke des Albums: Verführerischer Gesang, flotte Chöre, treibende Rhythmustruppe und Orgeln, die an Jahrmärkte erinnern.

The Homestories: AHA AHA, Irascible, live am 9. Juni im Cardinal in Schaffhausen

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