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MUSIK UND TEXT: «Wir streiten noch nicht»

Schriftsteller Martin Suter und Musiker Stephan Eicher legen mit «Song Book» ein ausgewachsenes Gemeinschaftswerk vor. Es reflektiert ihre Künstlerfreundschaft fantasiereich und selbstironisch.
Reinhold Hönle
Diesmal kreuzen sich ihre Wege für ein umfassendes gemeinsames Projekt: Der Schriftsteller Martin Suter (l.) und der Musiker Stephan Eicher gehen gemeinsam auf Tournee. (Bild: PD)

Diesmal kreuzen sich ihre Wege für ein umfassendes gemeinsames Projekt: Der Schriftsteller Martin Suter (l.) und der Musiker Stephan Eicher gehen gemeinsam auf Tournee. (Bild: PD)

Interview: Reinhold Hönle

Beide gewohnt stilvoll gekleidet, und doch so verschieden. Stephan Eicher im Künstler-Outfit, Martin Suter in Schale. Der Berner amüsiert oder verunsichert die Gesprächspartner mit mehrdeutigen Antworten, bei Suter wirken sie verbindlich, aber dennoch nicht steif. Auch bei ihrem ersten ausgewachsenen Gemeinschaftsprojekt «Song Book» – es besteht aus einer CD, einem Buch mit Liedtexten und dazu fabulierten Geschichten sowie einer Tournee ab dem 27. Februar – finden sie in Musik und Text eine vielfältige Tonalität. Aus den 14 neuen Liedern und 3 neuen Versionen bekannter Kollaborationen ragen manche heraus. Ein zweites «Weiss nid, was es isch» ist zwar nicht darunter, aber einen so magischen Song schreibt man vielleicht auch nur einmal im Leben.

Was haben Sie empfunden, als Sie vor bald 12 Jahren «Weiss nid, was es isch», die erste Frucht Ihrer Zusammenarbeit, gehört haben?

Martin Suter: Ich lag auf Ibiza mit einer Erkältung oder Grippe im Bett, als «Weiss nid, was es isch», das ich am Vortag geschrieben und gemailt hatte, vertont und gesungen zurückkam. Ich dachte: «Genau so muss es klingen!» Diesen Gedanken habe ich nicht jedes Mal, aber immer wieder, wenn wir zusammenarbeiten.

Stephan Eicher: Meine Erfahrung ist jüngeren Datums, da ich mich immer von seinen Texten inspirieren liess. Bei den letzten beiden Liedern auf «Song Book» war es erstmals umgekehrt. Als er mir den Text «Ds alte Paar» zu meinem Stück schickte, habe ich vor Rührung geweint. Ich habe sofort daran gedacht, wie meine Eltern ins Altersheim gezogen sind. Auf diesen Schritt wird man weder in der Sekundarschule noch an der Uni vorbereitet.

Welche Ideen liefern Sie dem Coautor mit?

Eicher: Es ist nicht so, dass mir Martin sagt, welche Musik er sich zu einem Text vorstellt. Oder nur selten. Er sagt ja immer, er will eine Country-Nummer! (lacht) Nein, ich glaube, wir lassen uns maximale Freiheit: Jeder macht seine Arbeit und hofft auf die bestmögliche Ergänzung des anderen, der meistens weit weg ist. Und jedes Mal ist das Produkt grösser als das, was jeder von uns allein könnte.

Martin Suter, wie nimmt ein Schriftsteller die zusätzliche Dimension wahr?

Suter: Bisher war den meisten Leuten nicht bewusst, dass ich hin und wieder einen Text für Stephan schreibe. Da es nun erstmals ein ganzes Album ist und wir gemeinsam auf Tournee gehen, könnte sich das ändern. Generell sind Songtexter aber ebenso wenig im öffentlichen Bewusstsein wie Drehbuchautoren. Einmal bin ich jedoch einem begegnet, als ich der Limmat entlang spazieren ging. Ein Velofahrer hat angehalten und gefragt: «Zrügg zu mir – wem sagt er das?» Ich antworte: «Dem Neuen sagt er das über seine Ex». Worauf er aufatmet: «Gut, das habe ich mir gedacht!»

Haben Sie sich diesmal gemeinsam zurückgezogen?

Suter: Nein, aber wir hatten das Hotel in Lugano schon reserviert.

Eicher: Ich habe es vermasselt. Die Sommerferien gingen zu Ende, mein Sohn musste zurück in die Schule und ich hörte am Zürcher Hauptbahnhof, dass das Früchtchen nicht dort war. Da musste ich in die Hosen und Martin absagen. Das war doppelt hart, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir dürfen die drei bezahlten Nächte im Fünfsterne-Hotel Splendid nachholen.

Wie gross ist die Streitlust, von der Martin Suter in «Song Book» erzählt, bei Ihnen?

Eicher: Leider meinte Martin in einem früheren Interview, wir seien dann doch nicht so gute Freunde, dass wir schon miteinander streiten würden... (lacht) Nein, wird sind auf der Hut, dass so ein Bullshit wie das Streiten zwischen uns nicht aufkommt. Deshalb verzichten wir darauf, gemeinsam zu kochen. Da würden vermutlich die Fetzen fliegen. Auch die künstlerische Distanz ist wohl überlegt.

Bei einigen Zwischentexten, die Martin Suter zu den Liedern geschrieben hat, kann man sich vorstellen, dass sie von der Realität inspiriert sind. Als Strahler oder Hornusser kann ich Sie mir allerdings nicht vorstellen...

Suter: Als wir unser Projekt anlässlich einer Matinee im Bernhard Theater vorstellten und ich vom Strahlen erzählte, zeigte sich die «Glanz & Gloria»-Interviewerin erstaunt. Ich sagte, dass wir unser Hobby nicht an die grosse Glocke hängen würden. Als ich danach in jedem Interview auf dieses Thema angesprochen wurde, sah ich mich zum Geständnis gezwungen, dass die Geschichte frei erfunden ist. So warne ich zu Beginn von «Song Book», nicht alles für bare Münze zu nehmen.

Eicher: Ich glaube, wir sollten alles, was im Buch beschrieben ist, wirklich einmal zusammen machen und in einem Film festhalten! (lacht)

Martin Suter, wie können Sie als Zürcher in Berner Mundart dichten?

Suter: Wenn ich unsicher bin, konsultiere ich das berndeutsche Wörterbuch, das leider unvollständig ist. Manchmal rufe ich Stephan an. Oft wälze ich solche Probleme aber zu so später Stunde, dass ich mich nicht getraue.

Sie gehen ab Februar erstmals gemeinsam auf Tournee. Was erwartet die Leute?

Eicher: Martin wird Geschichten lesen, während Stephan vor Freude fast vergeht. Ausserdem eine tolle Band. Da wir noch nie zusammen auf Tour waren, wird es einige Zeit dauern, bis alles rund läuft. Gut möglich, dass sie dann fast vorbei ist.

Tourneedaten: 27. 2. 2018 Bierhübeli, Bern; 28. 2. KKL, Luzern; 2. 3. Volkshaus, Zürich, 3. 3. Musical Theater, Basel; 4. 3. Kaufleuten, Zürich; 5. 3. KK, Thun.

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