Musik überwindet den Atlantik: Das Wattwiler Jugendorchester «Il Mosaico» begeistert mit einem virtuellen Projekt

Jeder Jugendliche übt seine Stimme für Beethovens «Egmont-Ouvertüre» allein. In der Ostschweiz und in New York. Dann werden die Stimmen virtuell zusammengesetzt. Musik der Hoffnung in Zeiten von Corona entsteht. Das Wattwiler Orchester hat mit dem Chamber Music Center of New York zusammengespannt.

Martin Preisser
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Ein Bild aus Vor-Coronazeiten: Jugendliche des Orchesters Il Mosaico und des Chamber Music Center of New York (in der Mitte mit ihren Leitern Hermann Ostendarp und Mary Jo Pagano)

Ein Bild aus Vor-Coronazeiten: Jugendliche des Orchesters Il Mosaico und des Chamber Music Center of New York (in der Mitte mit ihren Leitern Hermann Ostendarp und Mary Jo Pagano)

30 Jahre erfolgsgekröntes und international vernetztes Jugendorchester «Il Mosaico» aus Wattwil: Die Festkonzerte wie auch eine Konzertreise in die Ukraine fielen Corona zum Opfer. Sicher eine bittere Pille für die engagierten Jugendlichen unter ihrem Dirigenten Hermann Ostendarp. Sieht man sich jetzt aber auf Filmen an, was diese begabten und begeisterten jungen Leute virtuell auf die Beine gestellt haben, kann man nur staunen. Im «Virtual Orchestra across an Ocean» haben die Wattwiler mit New Yorker Jugendlichen zusammengespannt, mit dem «Chamber Music Center of New York».

Ein beeindruckender, rund neunminütiger Dokumentarfilm von Martin Taub zeigt die leeren Städte New York und St.Gallen in der Coronazeit und er zeigt vor allem die Betroffenheit und die Emotionen der Jugendlichen diesseits und jenseits des Atlantiks. Beide Jugendorchester kennen sich von früherem realen gemeinsamen Musizieren. Und was im Film kraftvoll zur Wirkung kommt, ist die Kraft der Musik selbst, die diesen Jugendlichen den Elan gibt, daheim allein am Pult ihre Stimme einzuüben, für sich musizierend und dennoch spürend, dass das eigene Spiel einmal Teil eines faszinierenden Ganzen werden wird.

Die Begeisterung virtuell gemeinsam zu musizieren, wird in vielen, oft berührenden jugendlichen Statements greifbar. «Wir werden anders und viel gestärkter aus dieser Corona-Krise herauskommen», sagt ein Jugendlicher. Viele Aussagen diesseits und jenseits des Atlantiks dokumentieren sehr persönlich und nicht nur theoretisch, was Musik in unserem Leben und vor allem auch in Krisenzeiten an emotionalem Halt geben kann.

Beethovens «Egmont-Ouvertüre» ist das Ergebnis dieses virtuellen Austauschs in Coronazeiten. Vielleicht die perfekt passende Musik zu solch einem Projekt. Musik, die Hoffnung macht, die voll positiver Kraft vorwärtsdrängt, aus dem Dunkel ins Licht strebt und dabei alle Hindernisse überwindet. Wie ein spannender Soundtrack zu einem Film klinge sie, wie eine Flutwelle, heisst es in der Dokumentation. Wie wahr! Wieder einmal zeigt sich das Jugendorchester «Il Mosaico» nicht nur völlig beseelt musizierend, sondern auch hingebungsvoll dran an einem Projekt, das den Ozean zwischen den beiden Welten vergessen macht. Musik verbindet, ist eine weltweite Sprache, sie tröstet und gibt Kraft.

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«Hier müsst Ihr mir mehr helfen!»

Das Wattwiler Jugendorchester «il mosaico» ist mittendrin im 25-Jahr-Jubiläum und hat für sein nächstes Konzert den renommierten Pianisten Adrian Oetiker engagiert. Der probt frisch und sprudelnd vor Ideen mit dem Orchester Mozart.
Martin Preisser