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MUSIK: Rechnen mit Trauffer oder was es braucht, um in die Charts zu kommen

Trauffer hat innert sechs Wochen 20'000 Alben verkauft. Das erlaubt Rückschlüsse auf den Zustand der Charts.
Marc Trauffer ist der derzeit erfolgreichste Schweizer Musiker. (Bild: Ralph Ribi/Archiv)

Marc Trauffer ist der derzeit erfolgreichste Schweizer Musiker. (Bild: Ralph Ribi/Archiv)

Normalerweise hüllt sich die Musikbranche in bedeutungsvolles Schweigen, wenn es um Verkaufszahlen geht. Es ist aber kein Geheimnis: Es wandern immer weniger CDs über den Ladentisch, doch wie wenige das sind, will niemand offen sagen.

Am Beispiel Trauffer kann man aber abschätzen, wie drastisch die Einbrüche sind. Der derzeit erfolgreichste Schweizer Musiker steht mittlerweile seit sechs Wochen auf Platz 1 der Schweizer Albenhitparade. Nach gerade einmal vier Tagen hatte seine aktuelle Platte «Schnupf, Schnaps + Edelwyss» bereits Goldstatus erreicht, soeben gab es auch noch die Auszeichnung in Platin. Eine goldene Schallplatte gibt es für 10'000 verkaufte Einheiten, die Version in Platin für 20'000. Trauffer hat also in den Wochen zwei bis sechs insgesamt noch einmal 10'000 Alben verkauft. Alben-Downloads sind in diesen Zahlen auch eingerechnet.

Wenn man das jetzt einfach durch fünf teilt, kommt man auf 2000 Alben pro Woche. Diese Rechnung wird nicht stimmen: Die CD-Verkäufe nehmen nach der Veröffentlichung stetig ab. In Woche zwei werden es noch deutlich mehr als 2000 Trauffer-Alben gewesen sein, in Woche sechs dafür unter 2000. Grosszügig geschätzt hat Trauffer in der vergangenen Woche wohl gegen 1500 Alben verkauft. Das bedeutet aber immer noch Platz 1 in der Schweizer Album-Hitparade. Und das wohl mit Abstand. Auf den Plätzen 2 tummelten sich in der Hitparadenzeit Trauffers unter anderem Sfera Ebbasta, Olexesh und der Ostschweizer Crimer.

Fokus auf die erste Chartwoche

Um eine gute Chartplatzierung zu erreichen, konzentrieren sich viele Künstler derzeit auf die erste Chartwoche. Sie animieren ihre Fans, die Platte in der ersten Woche nach Veröffentlichung zu kaufen. «Mit 200 verkauften Platten bist du heute in den Top Twenty», sagt ein Musikbusiness-Insider. Dazu versucht man, die Veröffentlichung so zu legen, dass in derselben Woche keine grossen Acts (eben etwa Trauffer) ihre Alben releasen. In sogenannt «schwachen» Wochen würden 1000 verkaufte Alben locker reichen, um es auf Platz 1 zu schaffen.

Wir erleben derzeit eine Vielzahl an Schweizer Acts, die hoch in die Charts einsteigen und in der nächsten Woche bereits wieder aus den Top Fünfzig gefallen sind. Immerhin das spricht noch für die Charts: Alle wollen rein. Dass es so viel einfacher geworden ist reinzukommen, scheint der Anziehungskraft der Hitparade nicht geschadet zu haben.

Leicht steigende Umsätze

Soeben hat der Musik-Branchenverband ifpi seine aktuellen Zahlen für das vergangene Jahr veröffentlicht: Rund 88 Millionen Franken wurden 2017 mit Musik – Alben, Downloads und Streaming – in der Schweiz umgesetzt. Das sind, immerhin, vier Millionen mehr als im Vorjahr – Streaming und Vinyl-Verkäufen sei dank. Aber gegenüber den 300 Millionen Jahresumsatz um die Jahrtausendwende ist die Zahl immer noch vernichtend klein.

1999 hätte Trauffer übrigens trotz seiner imposanten Verkaufszahlen vielleicht noch nicht einmal eine goldene Schallplatte bekommen: Damals brauchte es dafür noch 25'000 verkaufte Einheiten, Platin gab es für das Doppelte.

Michael Graber

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