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MUSIK: Ohne Plan auf die Bühne

Am Nordklang-Festival in St. Gallen spielen heute ausschliesslich Bands und Künstler aus nordischen Ländern. Den Auftakt machte gestern das Trio Shitney aus Kopenhagen. Ein Bandmitglied hat St. Galler Wurzeln.
Philipp Bürkler
Maria Faust, Katrine Amsler und Qarin Wikström haben einen hundertjährigen Stummfilm experimentell vertont. (Bild: Philipp Bürkler)

Maria Faust, Katrine Amsler und Qarin Wikström haben einen hundertjährigen Stummfilm experimentell vertont. (Bild: Philipp Bürkler)

Philipp Bürkler

philipp.buerkler@tagblatt.ch

Shitney machen Lärm. Die drei Frauen aus Kopenhagen spielen elektronische Musik mit Elementen des Genres Noise. Das heisst, die drei spielen nicht ab Noten, sondern experimentieren auf der Bühne frei herum und setzen ihre Instrumente auf unübliche Art ein.

Jedes Konzert klingt anders als jenes zuvor. Gestern Abend haben Shitney im Kinok zweimal hintereinander den schwedischen Stummfilm «The Outlaw and his Wife» aus dem Jahr 1918 live vertont. Am Morgen noch sind die Musikerinnen in Kopenhagen aus dem Bett gestiegen, erst gegen Mittag sind sie in die Schweiz geflogen. «In Kopenhagen ist es zwar kälter, dafür hat es keinen Schnee», sagt Sängerin Qarin Wikström bei der Ankunft am Bahnhof St. Gallen. Auf dem kurzen Spaziergang Richtung Hotel schwärmen alle drei von den «Bergen», welche die Stadt umgeben. Gemeint ist der Freudenberg. «Leider reisen wir morgen schon wieder ab, sonst könnten wir noch Skifahren gehen», sagt Saxofonistin Maria Faust. «In Kopenhagen haben wir keine Berge», fügt Katrine Amsler an. Die Elektronik-Musikerin hat Wurzeln in St. Gallen. Ihr Vater ist noch vor ihrer Geburt dann aber via Kanton Zug nach Kopenhagen ausgewandert. «Als Kind war ich oft hier, seither jedoch nicht mehr.»

Es zählt das Experiment

Der Sound von Shitney klingt spielerisch, teils verträumt und nimmt oft unvorhergesehene Wendungen. Vor allem aber sind es die unzähligen Fragmente, die Samples, sowie die verzerrten Gitarrenklänge, die eine einzigartige Tonkulisse erzeugen. Noise ist dennoch keine Musik für sanfte, harmoniebedürftige Ohren. Was zählt, ist die Lust am Experiment und an verschrobenen Klängen. «Wir wissen vor einem Konzert nie, wie es enden wird», sagt Maria Faust. Die Beats würden immer wieder aus dem Nichts auftauchen. «Ein Beat fängt bei uns irgendwo an und entwickelt sich zu etwas völlig Neuem», erklärt Faust weiter. Die Künstlerin betont, dass Shitney keinen typischen Techno mache.

Dennoch: «Wir spielen oft Shows am späteren Abend in Clubs, wo die Leute naturgemäss elektronische Sounds erwarten.» Der Verlauf eines Konzerts hänge jedes Mal auch von den Räumlichkeiten und dem Publikum ab, sagt Katrine Amsler. «Wir kennen uns nun schon seit Jahren und wissen, wie die eine auf der Bühne musikalisch auf eine Interaktion der beiden anderen Künstlerinnen reagiert», ergänzt Qarin Wikström.

Drei Vorstellungen, eine Sprache

Während Katrine Amsler in Dänemark aufgewachsen ist, stammt Qarin Wikström aus Schweden. Maria Faust kommt ursprünglich aus Estland, alle drei leben sie unterdessen aber in Kopenhagen. Wegen der verschiedenen kulturellen Hintergründe bringen die Künstlerinnen unterschiedliche Vorstellungen in die Band ein. Alle drei hätten in den vergangenen Jahren eine eigene musikalische Sprache entwickelt, sagt Qarin Wikström. «Mit Shitney kreieren wir gewissermassen nochmals eine neue Sprache – diesmal zu dritt.» Eine Sprache, die wie ihre Musik offen ist und in der das Ende noch nicht feststeht.

Hinweis

Nordklang-Festival, heute Abend, Programm und Infos unter nordklang.ch

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