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MUSIK: Musikalischer Gotthard-Krimi im Eisenwerk

Nach vier Glauser-Programmen erforscht das Glauser Quintett Neuland. Im neuen Programm wird Zora del Buonos Krimi-Novelle «Gotthard» zum Leben erweckt. Kongenial verwandeln Musiker und Sprecher im Eisenwerk Frauenfeld den Text in Musik.
Das Glauser Quintett ist im neuen Programm zu viert auf der Bühne: Martin Schumacher, Daniel R. Schneider, Sprecher Markus Keller und Fredi Flükiger (von links). (Bild: Donato Caspari)

Das Glauser Quintett ist im neuen Programm zu viert auf der Bühne: Martin Schumacher, Daniel R. Schneider, Sprecher Markus Keller und Fredi Flükiger (von links). (Bild: Donato Caspari)

Stockdunkel ist es. So finster wie in einer Tunnelröhre. Düstere Klänge wabern durch den Raum. Elektronisch verfremdet und unheimlich. Die Stimmung lässt nichts Gutes ahnen und kündigt Unheil an. Und dann schockartig das grelle Bühnenlicht. Monoton wie das Stampfen einer Lokomotive liest Markus Keller in Staccato-Manier aus der Krimi-Novelle vor. Immer mit exakter Zeitangabe des Geschehens. Das Buch von Zora del Buono beschreibt einen einzigen Tag beim Bau des Gotthard-Basistunnels, des längsten Eisenbahntunnels der Welt. Der Mikrokosmos der Kumpel und der Mineure wird im Verlauf der Geschichte minutiös zum Leben erweckt.

Die Verstrickungen der Protagonisten werden nach und nach aufgedröselt. Die Literaturvertonung durch die vier Musiker spielt dabei eine zentrale Rolle. Kongenial verwandeln sie den Text in Musik. Dabei reicht die musikalische Palette von lieblicher Folklore bis zu ekstatisch-rockigen Aufschreien von Wut und Erregung. Die Klänge, die Daniel Schneider, Martin Schumacher und Fredi Flückiger zusammen mit dem Schauspieler Markus Keller produzieren, sind teilweise akustisch, mehrheitlich aber elektronisch verfremdet.

Weisse Magnetfiguren veranschaulichen den Plot

Zur Veranschaulichung des Plots stellt Markus Keller weisse Magnetfiguren auf das Keyboard: Fritz Bergundthal, ein Eisenbahn-Fan aus Berlin, der immer tiefer in die erotischen Verwicklungen der Arbeiter hineingezogen wird. Die fesche Dora Polli-Müller und ihre burschikose Tochter Flavia. Robert Filz mit seiner obsessiven Liebe zur brasilianischen Hure Mônica. Aldo Polli und Tonino, die sich am Ende als Mörder ihres sizilianischen Kumpels Vico entpuppen und dessen Leiche in die Tunnelwand einbetonieren. Und die Heilige Barbara, die Schutzgöttin der Tunnelbauer, die gestohlen wird. Ein böses Omen, wie sich herausstellen wird.

Der Gotthard- Krimi von Zora del Buono ist allenthalben erotisch aufgeladen. Überall entdecken die Kumpel erotische Formen im Berg. Die riesigen Bohrmaschinen tragen weibliche Namen und müssen als überdimensionierte Phallussymbole herhalten. Die Hitze im Stollen ist unerträglich und befeuert die Fantasien. Das Gestein ist 50 Grad heiss, man kann kaum die Hand darauf legen. Manch Arbeiter bricht im Tunnel zusammen. So auch die unentrinnbar aufeinander fixierten Aldo und Tonino. Tag und Nacht verschwimmen während der langen Schichten, die Zeit wird irrelevant.

Den Gotthard-Mythos muss man hierzulande niemandem erklären. Namhafte Künstler haben ihn zur Vorlage genommen und sich an ihm abgearbeitet. Zur Ikone geworden ist das Bild von Rudolf Koller mit der Postkutsche, gemalt im Jahre 1873. Zora del Buono hat mit ihrer Krimi-Novelle von 2015 ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Wie es ein Krimi verlangt, endet ihr Buch mit einer Leiche. Diesmal liegt sie nicht im Keller, sie ist auf ewig in der Tunnelwand einbetoniert.

Markus Wigert

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Nächster Auftritt: 10.3., Theaterhaus Thurgau, Weinfelden.

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