Musik, die das Herz erwärmt

Euphorische Musik, melancholische Texte: Friska Viljor schaffen es, einem mit ihrer Musik die Sonne im Herzen aufgehen zu lassen. Am Freitag kommt die schwedische Gruppe mit ihrer neuen Platte «Remember Our Name» in die Grabenhalle.

David Gadze
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Daniel Johansson und Joakim Sveningsson haben Friska Viljor mit gebrochenen Herzen gegründet. (Bild: Christian Rockstroem)

Daniel Johansson und Joakim Sveningsson haben Friska Viljor mit gebrochenen Herzen gegründet. (Bild: Christian Rockstroem)

Daniel Johansson und Joakim Sveningsson machen jeden Glücklichmacher überflüssig. Ihre euphorische Musik mit den süffigen Melodien, dem inbrünstigen Gesang und der warmen Instrumentierung lässt einem selbst in den dunkelsten Stunden die Sonne im Herz aufgehen. Als Friska Viljor haben sie in den vergangenen Jahren mit einer himmelstürmenden Mischung aus Indie-Rock und Folk begeisternde Platten veröffentlicht. Dass sich in ihren melancholischen Texten oft Abgründe auftun, tut der guten Stimmung keinen Abbruch. «Würde unsere Musik den Texten entsprechen, wären unsere Songs Soundtracks für Selbstmorde», sagen die Schweden.

Ein Kreis schliesst sich

Mit dem neuen Album «Remember Our Name» schliesst sich für Friska Viljor ein Kreis. Am Ursprung der Bandgründung standen zwei Mittzwanziger, die von ihren Freundinnen gleichzeitig verlassen worden waren und daraufhin ihren Kummer in Wein ertränkten und in Musik gossen. Das Resultat – das 2006 veröffentlichte Début «Bravo!» – war eine Platte, an deren larmoyanten Songs man sich immer wieder besoffen hören konnte, ohne den geringsten Kater zu kriegen.

Sieben Jahre später sind die beiden Musiker wieder in festen Händen. Sveningsson wurde im vergangenen Jahr erstmals Vater, Johansson hat gar sein zweites Kind bekommen. Ihre Beziehung zueinander habe sich dadurch nicht verändert, betonen die beiden Musiker. «Aber statt zu Hause dauernd um die Häuser zu ziehen, sitzen wir jetzt mit unseren Familien auf den Sofas. Und wir unterhalten uns über das Wechseln von Windeln», sagt Sveningsson.

Traurigsein als Inspiration

«Remember Our Name» knüpft inhaltlich an die vergangenen Platten an. Zu euphorischen Melodien bilden Texte über gebrochene Herzen, gescheiterte Beziehungen und andere weniger glückliche Facetten des Lebens einen schönen Kontrast. Ihre Inspiration beziehen die beiden Musiker immer noch aus dem Traurigsein, erzählen sie. «Ich kenne keine guten Songs, die von glücklichen Menschen oder freudiger Stimmung handeln», meint Johansson. Lieder zu schreiben sei eine gute Art, sich mit seinen Ängsten und dunklen Gedanken zu beschäftigen.

Es sei einfacher, aus einer traurigen Stimmung heraus zu komponieren, sagt auch Sveningsson. «Ich bin sehr glücklich mit meinem Leben, aber mein künstlerischer Antrieb sind die Erinnerungen an traurige Gefühle. Viele von den Songs handeln nicht von Dingen, die jetzt passieren und mich beschäftigen, sondern von Erfahrungen aus der Vergangenheit.»

Musikalisch zeigen sich Friska Viljor erneuert. Die neue Platte klingt aufgeräumter, gezügelter, erwachsener. Wirkten die ersten Alben wie schiefe, lottrige und löchrige Holzhütten, die aus morschen Brettern zusammengezimmert worden waren, verpassen Friska Viljor ihrem Häuschen nun rechte Winkel und einen Verputz. Im Innern finden sich aber weiterhin schräge Wände, knarrende Böden, zerrissene Tapeten und staubige Ecken. Der Charme ihrer Musik bleibt auch im veränderten Ambiente unverändert erobernd.

«Glaube niemals zu fest an dich»

Im Gegensatz zu anderen Gruppen, die ihr neuestes Werk immer als ihr bisher bestes bezeichnen, zweifeln Friska Viljor regelmässig am eigenen Schaffen: «Ich habe bei jeder Platte das Gefühl, dass es unsere schlechteste ist», sagt Sveningsson. Auch nach fünf Alben sei das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nicht besonders stark ausgeprägt. Das hänge wohl mit der schwedischen Mentalität zusammen: «Glaube niemals allzu fest an dich.»

Die erste Zeit im Studio sei jeweils gut, sagt Johansson. Aber dann kämen diese zwei, drei Monate «Gefangenschaft», wo sie rund um die Uhr nur noch an die Sachen denken, die noch nicht wie gewünscht funktionieren. «Alles, was du dachtest, es über dich selbst als Künstler zu wissen, bricht dann zusammen.»

Weg vom Fliessband

Eigentlich hätte «Remember Our Name» bereits im vergangenen Frühling erscheinen sollen. «Wir gingen im März ins Studio. Aber es war so verdammt langweilig. Wir fühlten uns wie Fliessbandarbeiter», sagt Sveningsson. Zudem seien sie «zwei extrem faule Jungs», betont er. «Dann kam Daniels Kind auf die Welt, später meins. Irgendwann merkten wir, dass wir in acht Wochen eine fertige Platte haben müssen.»

Innerhalb von zwei Monaten war das neue Werk fertig. «Bei der Arbeit an der nächsten Platte werden wir uns wohl nur noch einmal pro Woche treffen können, wenn wir verhindern wollen, dass wir ein weiteres Mal gleichzeitig unsere Frauen verlieren. Denn diesmal waren sie während zweier Monate alleinerziehend», sagt Johansson mit einem Lachen.

Fr, Grabenhalle, 21.15 Uhr.