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MUSICAL: Wenn die Wahrheit ans Licht kommt

Anna Göldi, der Hexerei beschuldigt, wurde 1782 hingerichtet. Nach zahllosen Theaterfassungen und ­Verfilmungen nimmt sich ein Musical in einer Industriehalle ihres Lebens und Leidens an.
Alfred Wüger
Die letzte Hexe: Szene aus dem Musical «Anna Göldi». (Bild: Selwyn Hoffmann)

Die letzte Hexe: Szene aus dem Musical «Anna Göldi». (Bild: Selwyn Hoffmann)

Standing Ovations nach der Premiere von «Anna Göldi» in Neuhausen am Rheinfall. Starke Sängerinnen und Sänger prägen das Stück über die letzte Hexenhinrichtung in der Schweiz. Es fing an wie im Kino. Auf dem Bühnenhintergrund erschienen alte Postkartenansichten, eine Stimme aus dem Off stimmte das Publikum auf das dramatische Geschehen ein: «Werden Sie Zeuge, wie die Wahrheit ans Tageslicht kommt.»

Die Wahrheit, um die es in den zwei Stunden ging, war die Wahrheit der Anna Göldi, einer Dienstmagd aus dem Rheintal, die bei einem Glarner Richter, dem Doktor Johann Jakob Tschudi, angestellt wurde. Tschudi fand Gefallen an der Magd, schwängerte sie und brauchte einen Grund, sie loszuwerden. Was lag da näher, als sie der Hexerei zu bezichtigen? Schliesslich hatte das Miggeli, des ehrbaren Richters Tochter, eines Morgens Nägel gespuckt. Sie waren in der Milch gewesen.

Geschichte einer Aufklärung

Annas Geschichte hat Eveline Hasler in ihrem Roman «Anna Göldi» gewürdigt, und Walter Hauser hat sie weitergeschrieben im Buch «Anna Göldi, Hinrichtung und Rehabilitierung». Musical-Autor Mirco Vogelsang erzählt sie auf eine nicht lineare und daher nicht primär dramatische Weise, sondern als die Geschichte einer Aufklärung. Als Aufklärer fungiert der Journalist Heinrich Ludig Lehmann, der nach Anna Göldis Hinrichtung nach Glarus kommt und den Fall aufrollt. Dieser erzähltechnische Kunstgriff ermöglicht dem Autor zahlreiche Zeitblenden und eine sozusagen analytische Durchleuchtung dessen, was damals geschehen war.

Die riesige Bühne wird geschickt bespielt: als Einheit für Massenszenen und als Gefäss für Räume, die durch bewegliche Elemente dargestellt werden. Videoprojektionen auf dem Büh- nenhintergrund erweitern den Raum zusätzlich.

Bombast und atmosphärisches Ambiente

Das Musical «Anna Göldi» ist zunächst einmal ein optisch reizvolles Spektakel, das die Zuschauer von Beginn an fesseln kann. Musikalisch dreht es von der zarten Spieldosenmelodie zu Beginn recht zackig hoch zu pathetischer Lautstärke in den Zeilen: «Wer ohne Schuld/der werfe den ersten Stein.» Dieser Bombast ist etwas gewöhnungsbedürftig, doch die Gattung Musical ist eine plakative Kunstform, die fadengerade auf Emotionen zielt. «Dieses Pathos schadet nicht», sagte der Schaffhauser Theater-Shpektakel-Erfinder Damir Žižek und fügte hinzu: «Schon Mozart sagte, es muss knallen.»

Das Herz trifft «Anna Göldi» hier und dort auf faszinierende Weise. Etwa in der Gespensterszene, wo die Angst des Miggeli so dargestellt wird, dass Mitgefühl mit dem Mädchen aufkommt. In solchen Szenen kommen die Spannungen zwischen den Eheleuten Tschudi, die spannungsvolle Polarität zwischen dem Richter und Anna Göldi und die Gemeinsamkeiten zwischen der Elsbeth Tschudi und Anna Göldi ausgezeichnet zum Tragen.

Die Zuschauer unterhielten sich angeregt über das Stück. Auch Personen, die sich der Kunstgattung Musical gegenüber skeptisch zeigten, sagten, sie seien vom Gebotenen sehr angetan. Auch wegen des atmosphärischen Ambientes der ehemaligen Industriehalle.

Alfred Wüger

Vorstellungen bis 22. Oktober www.annagoeldi-musical.ch

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