MUSICAL: Freiluftdisco im Farbengewitter

Feurige Premiere von Saturday Night Fever auf der Walenseebühne. Die Akteure lassen sich ihren präzisen Tanz und den perfekten Gesang auch durch Blitz und Donner nicht vermiesen. 1700 Premierengäste geraten ins Discofieber.

Bruno Knellwolf
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Premieren-Sturm: Stephanie Mangano (Nathalie Parsa) und Tony Manero (Filippo Strocchi) im Zentrum der «Disco 2001». (Bild: Andy Mettler)

Premieren-Sturm: Stephanie Mangano (Nathalie Parsa) und Tony Manero (Filippo Strocchi) im Zentrum der «Disco 2001». (Bild: Andy Mettler)

Bruno Knellwolf

bruno.knellwolf@tagblatt.ch

Blitz und Donner über der Musicalbühne vor der Premiere. Auf dieser droht Aquaplaning, weil nach dem heissen Sommertag der Regen am Premierenabend in Walenstadt nicht nachlässt. Doch schon nach den ersten Tönen zu «Stayin’ Alive» wird klar: – einer wie Tony Manero lässt sich auch durch ein starkes Gewitter nicht aus Takt und Schritt bringen. Als wäre er durch des Donners Zorn elektrisiert, tanzt der Italo-Amerikaner über die Tanzfläche der Disco «2001 Odyssey» in Begleitung vieler schöner Frauen und Männer. Denn die Disco-Tanzfläche ist die Welt von Tony Manero, der ansonsten der einfachen Arbeit in einem Farbengeschäft in Brooklyn nachgeht und sich dort schon über eine Lohnerhöhung von 2.50 Dollar freut.

Katholisch-miefiges Elternhaus

Sein Zuhause ist der katholisch-spiessige Mief, wo die Mama, gespielt von Monika Fasnacht, sich vor allem über den anderen Sohn freut, der Priester geworden ist, und wo der radebrechende, arbeitslose Papa (Claudio Zuccholini) dem Alkohol frönt. So zieht Tony am Samstag mit seinen Freunden Joey, Double J, Gus und Bobby C auf der Suche nach Frauen, Alkohol und Ablenkung als «local hero» in die Disco ein, um die Tanzfläche zu rocken.

Den Rhythmus der jugendlichen Belanglosigkeit bricht die wunderbare, langbeinige Stephanie Mangano. Tony lässt kein Auge mehr von ihr. Atemberaubend tanzt er mit ihr und kann sie dazu überreden, an einem Disco-Dance-Wettbewerb teilzunehmen. Doch der Ernst des Lebens trifft Tony und seine Freunde hart. Bobby C weiss nicht, was er mit seiner schwangeren Freundin anfangen soll. Auf der Strasse prügeln sich die Italos mit den Puerto-Ricanern, Tony muss verletzt zum Tanzwettbewerb antreten, den er mit Stephanie trotzdem gewinnt. Tony wittert eine Verschwörung, übergibt den tanzenden Puerto-Ricanern die Siegestrophäe, derweil der verzweifelte Bobby C von der Brücke in den Tod stürzt.

Vor genau 40 Jahren war dieser Film der Gassenfeger. Nur wenige verweigerten sich diesem Tanzfilm, der den Hauptdarsteller John Travolta zum Weltstar machte. Das wurden dank diesem Kultfilm auch die Bee Gees, die mit ihren Hits wie «Stayin’ Alive», «Night Fever» und «How Deep Is Your Love» den Film prägten. Der dreistimmige Falsettgesang der Brüder Barry, Robin und Maurice Gibb wurde für die Bee Gees und die gesamte Discoära zum Markenzeichen. Das «Saturday-Night-Fever»-Album ist bis heute der zweitmeistverkaufte Soundtrack in den USA. Wunderbar taucht man auf der Walenseebühne in diese Discowelt ein. Das freut nicht nur jene Zuschauer, die selbst zur Discozeit in den 70ern die Hüften kreisen liessen. Auch junge Zuschauer klatschen, ob der präzis getanzten Vorstellung begeistert in die Hände. Das urbane Bühnenbild mit den Schiffscontainern und der Verrazano-Bridge vor dem Hintergrund der Churfirsten überzeugt auch unter finsterem Gewitterhimmel. Vor allem der erste Akt des Musicals unter Regie von Stanislav Mosa ist virtuos, Text-, Tanz und Gesangseinlagen in guter Mischung, der zweite Teil ist dagegen etwas textlastiger. Am Schluss hätte man sich eine grosse Tanzszene gewünscht.

Überzeugende Hauptdarsteller

Das Ende, kurz nach dem Todessturz von Bobby C, kommt etwas abrupt. Nur die Frage «How Deep is Your Love?» können sich Tony und Stephanie noch stellen. Das aber mit Inbrunst, und alleine die beiden Hauptdarsteller sind die Reise nach Walenstadt wert. Der Italiener Filippo Strocchi spielt Tony Manero in jeder Hinsicht überzeugend, und auch die Deutsche Nathalie Parsa als Stephanie ist eine Augenweide. Der einheimische Patric Scott brilliert mit einem Solo, das passend zu seiner Rolle als Bobby C «Tragedy» heisst. Der Sound der siebenköpfigen Band hätte den Bee Gees gefallen. Das Musical hat Schmiss und Tempo und viele vorzügliche Stimmen im 27-köpfigen Ensemble, welche das Premierenpublikum klatschen und schwelgen lassen.

Saturday Night Fever, Walensee-Bühne, Walenstadt, bis 26. August