Sprache
Mundartserie: Heute zum Begriff «Grüble»

Vom Mundartwörterbuch zu Literatur inspiriert: Der Aargauer Schriftssteller Andreas Neeser mit einem Gedicht der etwas anderen Art.

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Andreas Neeser, Autor

Andreas Neeser, Autor

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Mundartprojekt Hunziker 2020

In unserer Mundartserie lassen sich Aargauer Schriftstellerinnen und Schriftsteller von Mundartbegriffen zu eigenen literarischen Mundarttexten inspirieren. Die Serie ist ein Teil des Digitalisierungsprojekts des Aargauer Wörterbuchs von Jakob Hunziker. Der Sprachforscher und Kantonsschullehrer hatte 1877 das Aargauer Wörterbuch in der Lautung der Leerauer Mundart herausgegeben. www.hunziker2020.ch Sponsor Die Mundartserie wird unterstützt von der Neuen Aargauer Bank.

Sehnsucht, halbi zwöi

Du hättsch no Liecht am halbi zwöi

und stiendsch bim offne Fäischter zue,

e weiche Blick gieng über d Gass,

hättsch irgendnöimen öppis gsuecht.

I winke still mit offnem Muul,

mer sind is jede s ander Aug.

Du singtisch liislig öises Lied

und preichtisch alli blaue Töön,

wie früecher tantzte mer am Strand,

e Muschle, s Ruusche vo der Wält.

I mache der us Kläng es Meer,

mer schwimme drin wie Musigfisch.

Du wüsstisch nid, was d mit der miechsch

esoo elei, am halbi zwöi,

de giengsch der sälber uuf als Stärn

und schiintisch eifach niene hii.

I tänk mer s allerhellschte Wort

und schriiben is e Sunne druus.

Du schmöcktisch schwäär nach Orient

e Schleier hüllti alles ii,

mer wääre nüüt als Duft us Tuech

vo tuusig Nächt mit Wüeschtebluescht.

Und wenn d mer de di Name seisch,

de geb i der derzue mis Gsicht.

I ha scho mängisch tänkt

I ha scho mängisch tänkt, de Wind,

wo eifach dur eim duregoht,

die gspässig Luft, wo niemer gspüürt,

het irgendöppis im Gepäck,

de frömdi Schnuuf vo soo wiit häär –

es pfiifft bi jedem chliine Schritt.

I ha scho mängisch tänkt, das Grüüsch,

wenn d Sunne wien e Bole feiss

und heiss i s Wasser ineplatscht,

es würdi zische bis i s Härz,

und immer wiiterbrönne würds,

ganz unde, zunderscht a der Nacht.

I ha scho mängisch tänkt, das Liecht,

wo vor em Fäischter usse hockt

und gar nid weiss, öbs ine wett,

das breitet z Ooben öppis uus

es chääsigs Stückli Stoff, es Tuech

i gsehne Fäde dinn wie Tröim.

I ha scho mängisch tänkt, das Bild,

wo plötzlich i eim innen isch,

vo nienehäär, wie Wolkefluck,

verdichtet sich, es ticket ii,

me gsehts, me zuckt, vilicht, me stutzt

und zmitts im Zungeschlaag ischs furt.