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Mundart-Klassiker munter und politisch

Lesbar Literatur

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Kurt Marti: Wo chiemte mer hi?, Nagel & Kimche, 208 S., Fr. 37.–

Mit gleich zwei Bänden ehrt der Zürcher Verlag Nagel & Kimche den 2017 verstorbenen Kurt Marti. Sämtliche Mundartgedichte sind in diesem Band vereint. Darf man verblüfft sein? Ja, denn teils mehr als fünfzig Jahre alt sind die Texte. Doch wie der Berner Pfarrer aus Umgangssprache mit feinem Schalk und eleganter Spielerei seine Gedichte zu tiefer Menschenkenntnis und politischen Provokationen vorantrieb, wirkt immer noch so leicht wie meisterlich. Auf 200 Seiten ist seine originelle Liebeslyrik mit witziger Landeskunde und politischen Gedichten vereint. Marti ist längst der Klassiker der modernen Schweizer Mundartlyrik: Vorbild und Ansporn mehrerer Generationen von Mundartautoren – von Ernst Burren bis Pedro Lenz. Mit «Rosa Loui» hat Kurt Marti 1967 die Mundartliteratur auf einen Schlag erneuert: Die Umgangssprache mit zeitgenössischer Poesie verbunden, inhaltlich aus der Heimattümelei und formal aus dem biederen Versmass befreit. Der Band schliesst mit einer Rede von Marti selbst und einem Nachwort zur Wirkungsgeschichte von Guy Krneta.

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Kurt Marti: Die Liebe geht zu Fuss. Ausgewählte Gedichte. Nagel & Kimche, 240 S., Fr. 33.–

«Gewaltfreie Kraft des Schönen»

Nachdem Kurt Marti in den 1960er- und 70er-Jahren die Mundartdichtung erneuert hatte, kehrte er zum Schriftdeutschen zurück. Er hatte Bedenken, dass sich die Schweizer damit von der deutschen Literatur abnabeln. Seiner Themenbreite und seinem formalen Freiheitswillen blieb er treu. «Die Liebe geht zu Fuss» versammelt Gedichte zwischen 1960 und 2004. Er schreibt über Chamäleonspolitiker, über den Besuch an den Gräbern von Karl Marx und Alberto Giacometti – und immer wieder über den Glauben, mit dem er auch als Pfarrer ringt: «oder sind wir die lunte die gott vielleicht selbst an seine irdische schöpfung gelegt hat?» Poesie ist Moral, weil gelungene Gedichte Gewalt nicht verherrlichen können, schreibt Marti in einem Aufsatz, der den Band abschliesst. Gewalt gegen Menschen, gegen die Natur – po­litische, wirtschaftliche Gewalt. Marti glaubte an die gewaltfreie Kraft des Schönen. Moralisierende Lyrik mochte Marti nicht. Aufmüpfige, scharfsinnige, aber immer verspielte Lyrik zeichnet diesen vergnüglichen Band aus.

Hansruedi Kugler

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