Augsburg
Münchner Raubkunst-Horter hat die Bilder «fachgerecht gelagert»

Nun wird klar, was für Kunstschätze Cornelius Gurlitt wirklich bunkerte: Die Polizei fand bei ihm Insgesamt 121 gerahmte und 1285 ungerahmte Werke. Diese stammen von Künstlern wie Picasso, Matisse, Kirchner, Renoir oder Chagall.

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Der Fundort der Werke: 121 grahmte und 1285 ungerahmte Bilder fanden die Polizisten.
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In diesem Haus in München fanden die Polizisten die Raubkunst.
Sensationeller Fund von Raubkunst in München
Der Eingang zum Appartementhaus, in dem Cornelius Gurlitt über 1400 Kunstwerke bunkerte - «fachgerecht» und «in gutem Zustand».
Cornelius Gurlitt hat auch noch ein Haus in Salzburg. Ob er auch hier Kunstwerke bunkert, ist noch unklar. Das Haus wurde noch nicht durchsucht.
Ein US-amerikanischer Soldat betrachtet Raubkunst (Symbolbild)
Galerie Kornfeld in Bern: Sie bestreitet, Bilder aus der Raubkunst-Sammlung gekauft zu haben.Keystone
Otto Morach (1887–1973) war einer der bedeutendsten Vertreter des Schweizer Expressionismus. Von seinem Neffen Hugo Stüdeli hat das Kunstmuseum Olten 123 Gemälde aus dem Nachlass des Künstlers geschenkt erhalten. Die Annahme sei eine Verpflichtung der Stadt Olten gegenüber der Schweizer Kultur, schreibt Roland Winiger. zvg
Kunsthistorikerin Meike Hoffmann

Der Fundort der Werke: 121 grahmte und 1285 ungerahmte Bilder fanden die Polizisten.

Keystone

Das Interesse am Münchner Nazi-Kunst-Schatz der Familie Gurlitt erregt grosses Aufsehen: An die hundert Journalisten haben sich bei der Pressekonferenz im Strafjustizzentrum Augsburg eingefunden. Darunter Reporter aus Israel, England und den USA.

Wie spektakulär der Kunstfund tatsächlich ist, zeigte die Präsentation einiger Werke der Berliner Kunstexpertin Meike Hoffmann per Beamer. Insgesamt 121 gerahmte und 1285 ungerahmte Werke konnten beschlagnahmt werden. Sie stammen von Künstlern wie Picasso, Matisse, Kirchner, Renoir oder Chagall.

Einzelne Bilder, etwa ein Selbstportrait von Otto Dix oder eine von Hoffmann als «sitzende Dame» bezeichnetes Gemälde von Henri Matisse sind für die kunsthistorische Forschung sensationell. Die beiden genannten Werke sind in keinem Verzeichnis aufgeführt. Hoffmann erwartet auch deshalb eine lang andauernde Nachforschung zur Herkunft der Bilder.

Das beschlagnahmte Material, das laut dem Zollfahndungsamt München «fachgerecht gelagert» und in «sehr gutem Zustand» aufgefunden wurde, lässt sich laut der Kunsthistorikerin Hoffmann nicht als durchwegs «entartete Kunst» bezeichnen. Es befänden sich auch Werke aus dem 19. Jahrhundert in der Sammlung; das älteste ist gar im 16. Jahrhundert entstanden. Hoffmann zeigte sich vom Fund begeistert.

Kunsthistorikerin Meike Hoffmann

Kunsthistorikerin Meike Hoffmann

Zur Verfügung gestellt

Gegen Cornelius Gurlitt, der Sohn des berühmten Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, wird nun wegen Verdachts auf Steuerdelikte ermittelt. Gurlitt hat auch noch ein Haus in Salzburg, das aber noch nicht durchsucht worden sei, wie die Behördenvertreter sagten.

Grund: Der Handel mit den Kunstwerken ist nicht grundsätzlich illegal. Deshalb sei auch denkbar, dass die Bilder an den Münchner Sammler zurückgegeben werden müssen, sagte der Augsburger Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz. Dies wäre der Fall, wenn sie nicht im Strafrechtlichen Sinne unterschlagen wurden. Zum Beschuldigten habe man zurzeit keinen Kontakt. Auch zum Wert der Sammlung wollten sich weder Nemetz noch Kunsthistorikerin Hoffmann äussern.

(aru/cls/sda)

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