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MÜSLÜM TELEVISION: Multikulti als herzliche Satire

Am Freitag startete die erste Staffel von «Müslüm Television» im Schweizer Fernsehen. Da weht nicht nur Multikulti-Klamauk, sondern ein herzlicher, satirischer, sehr erfrischender Wind im SRF.
Hansruedi Kugler
Bei seiner Recherche zur Frage, was Ausländer am Fernsehen schauen, besucht Müslüm unter anderem eine türkische Familie. (Bild: srf)

Bei seiner Recherche zur Frage, was Ausländer am Fernsehen schauen, besucht Müslüm unter anderem eine türkische Familie. (Bild: srf)

Man sollte das Schweizer Fernsehen ohrfeigen. Da holt es im Anflug von Übermut den knall-bunten und supersympathischen Multikulti-Türken Semih Yavsaner alias Müslüm, verbannt sein «Müslüm Television» aber auf 23.45 Uhr, was nach vorzeitiger Beerdigung schmeckt. Nach der ersten Folge muss man sagen: Der Mann gehört auf Platz 1, und das heisst: 20 Uhr. Das wäre ein Statement. Denn das Zelebrieren von Landfrauenküchen und «SRF bi de Lüt» ist ja gut und recht, aber reichlich abgehangen. Der erfrischendere Fernseh-Wind weht um Mitternacht. Der mit dem Song «Süpervitamin» schweizweit zur Ikone einer entspannten Multikulti-Schweiz gewordene, begnadete Sponti-Entertainer ist herzlich, schlagfertig, ironisch. Sein Erfolgsrezept: Er nimmt Schweizer und Ausländer ernst und trotzdem aufs Korn, und keiner kann ihm böse sein – obwohl sein Stirnrunzeln alles sagt: «Die Menschen brauchen noch etwas, um die Faust im Sack so richtig lösen zu können.» Vor allem beim Thema Ausländer. Seine Devise heisst: Entspannt euch, «Müslüm TV hilft, dass es die ganze Nation laht la bambele.»

Ironisch überspitzte Vorurteile

Die gestern nacht ausgestrahlte erste Folge von «Müslüm Television» fängt mit Konsternation in der Fernseh-Chefetage an: «Eine Million Leute, die mit unserem Programm nichts anfangen können?» Da muss eine neue Sendung her. Die Migranten sollen gefälligst auch Schweizer Fernsehen schauen. Aber wer soll das moderieren? Röbi Koller? «Zu happy»; Thomas Bucheli? «Wie eine Fahne im Wind»; Christa Rigozzi? «Ist ja ein Schätzeli, aber . . .» Da plärrt das Radio einen Müslüm-Hit, und der Fall ist klar: Müslüm wird eingeladen. Der lebt im klapprigen Wohnmobil, klaut Zeitungen aus Briefkästen, schmeisst seinen Abfall in fremde Gärten und stolziert im rosaroten Anzug und in Machopose in der Gegend herum – ein Paradiesvogel, der alle Vorurteile gegen Migranten auf die ironische Spitze treibt. «Ja, mach ich, aber nur, wenn Sie mich im voraus bezahlen», sagt er arrogant ins Handy. Müslüm träumt schon von rotem Teppich, Blitzlichtgewitter und schwarzer Limousine. Das dicke Couvert liegt tatsächlich an der Fernseh-Réception bereit. Aber oh weh, an der Führung durchs Fernsehstudio, in die er sich einschmuggelt, bemerkt er: «Alles Illusion in Television. Wo bleiben die echten Gefühle?» Der Bestechungsversuch für einen günstigen Sendeplatz misslingt.

Charmant und unverfroren

Müslüm geht in der Folge auf seine erste Reportage nach Kleinbasel, auch «Klein Istanbul» genannt, von wo er die Erkenntnis mitnimmt: «Vor dem Fondue sind wir alle gleich.» Als personifizierte Herzlichkeit umarmt er gerne, seinem unverfrorenen Charme entzieht sich keiner. Seine Satire ist klar, wirkt nie aggressiv. Müslüm sitzt bei einer türkischen Familie auf dem Sofa, redet mit Jungs. Lustig müsse Fernsehen sein, sagen die einen, mit mehr sexy Leuten die anderen. Also geht Müslüm zum «Sexy-Leuten», ans Zürcher Sechseläuten. Dort schäkert er mit entzückten Damen und trifft «Weltwoche»-Chef Roger Köppel, der als arabischer Scheich verkleidet eine lächerliche Figur abgibt. Der sagt dann auch noch, dass «Arabisch die Sprache der Zukunft ist». Was Müslüm nur mit Stirnrunzeln quittiert. Am Sechseläuten wird Multikulti zur biederen Fasnacht. Dagegen wirkt «Müslüm Television» geradezu erfrischend normal.

«Müslüm Television», SRF 1, von 1. bis 22. April, jeweils Fr 23.45 Uhr, ab Do-Abend auch online.

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