Mord, Doppelmord – noch mehr Morde

Auf die «heisse Spur» führt das Theater Parfin de siècle mit der ersten Produktion in diesem Jahr. In drei szenischen Lesungen sind die ersten Krimis zu hören, verfasst von E. T. A. Hoffmann, Edgar Allan Poe und Friedrich Schiller.

Daniel Fuchs
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Novelle als Partitur: «Das Fräulein von Scuderi» als szenische Lesung. (Bild: Benjamin Manser)

Novelle als Partitur: «Das Fräulein von Scuderi» als szenische Lesung. (Bild: Benjamin Manser)

Entstanden sei der dreiteilige Lesezyklus durch die Idee, einmal etwas mit Krimis zu machen, sagt Regisseur Arnim Halter. Entschieden hat man sich dann für die ersten Kriminalgeschichten der Weltliteratur. Geschichten, die von Mord und Verbrechen handeln, sich aber in der Erzählperspektive unterscheiden. Sinnigerweise werden auf dem Spielplan E. T. A. Hoffmanns «Das Fräulein von Scuderi» als Kriminalnovelle, Edgar Allan Poes «Der Doppelmord in der Rue Morgue» als Krimi-Kurzgeschichte und Friedrich Schillers «Der Verbrecher aus verlorener Ehre» als Kriminalbericht charakterisiert.

Das macht schaudern

Auf der Bühne stehen an diesem Freitagabend vier weisse Paravents, vier schwarze Lesepulte. Das Quartett der Lesenden ist ebenfalls ganz in Schwarz gekleidet. Sowohl das Bühnenbild wie die Lichtregie sind einfach gehalten. Mehr braucht es nicht. Im Gegenteil, dieser Minimalismus erlaubt dem Zuhörer ein konzentriertes Fokussieren auf den Text. Die Novelle «Das Fräulein von Scuderi» wird zur Partitur, zum Hörspiel. Gespielt wird wenig. Hin und wieder unterstreicht schauspielerische Gestik und Mimik die Lesung. Fast alles wird aus den Stimmen herausgearbeitet. Die stimmliche Besetzung der verschiedenen Charaktere überzeugt. Ursula Affolter liest die Rolle der Scuderi, dass man diese vor dem inneren Auge auferstehen sieht. Helmut Schüschner liest mit sonorer Stimme die Partie des Goldschmieds und Mörders Cardillac; das macht schaudern. Den verzagenden Ton des unschuldig eingekerkerten Brusson oder den intriganten Ton des Grafen Miossens findet Beat Josef Brunner trefflich. Regine Weingart, hauptsächlich als Erzählerstimme eingesetzt, sorgt dafür, dass die Handlung angetrieben bleibt. Die Kriminalnovelle ist überraschend spannender als der «Tatort» vom vergangenen Sonntag.

Erster moderner Detektiv

Die Geschichten von Edgar Allan Poen schildern Grauen und Verfall, handeln von phantastischen Fahrten und Horror. Er glaubte an das Machen von Versen und verfasste Detektivgeschichten. Die berühmteste ist vielleicht «Der Doppelmord in der Rue Morgue». Im Mittelpunkt dieser Geschichten steht nicht die breite Darstellung von Verbrechen und mysteriösen Vorgängen, sondern das logische Kalkül. Poe interessiert weniger das Ergebnis der Aufklärung, als vielmehr das Verfahren, wie ein Kriminalfall zu lösen sei. Mit Auguste Dupin erfand er den ersten modernen Detektiv. In der Inszenierung im Parfin de siècle sei das Bühnenbild wiederum minimalistisch gehalten, sagt Arnim Halter. Als optisches Motiv: Der Autor Poe im Gespräch mit seinem Detektiv Dupin.

Wie einer zum Verbrecher wird

Die dritte im Parfin de siècle gelesene Kriminalgeschichte stammt von Friedrich Schiller. Dieser liess sich, fasziniert von Pitavals 1743 veröffentlichter «Erzählung sonderbarer Rechtshändel, samt deren gerichtlicher Entscheidung», durch eine Sammlung über sensationelle Verbrechen zu einer Erzählung inspirieren. «Der Verbrecher aus verlorener Ehre» berichtet vom Wilddieb, Räuber und Mörder Christian Wolf. Davon, wie einer zum Mörder wird.

«Das Fräulein von Scuderi»: 3./23.4., 20 Uhr; 28.4., 11 Uhr «Der Doppelmord in der Rue Morgue»: 26.3., 5./24.4., 20 Uhr; 28.4., 17.30 Uhr «Der Verbrecher aus verlorener Ehre»: 27.3., 19./27.4., 20 Uhr; 5.5., 17.30 Uhr; Kartenreservation unter 071 245 21 10

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