Monumentale Bauten und muskulöse Körper

Geballt ist die Antike dieses Jahr im Kino präsent: Paul W. S. Anderson erzählt ab heute in «Pompeii» vom Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 n. Chr.

Walter Gasperi
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Kit Harington als Sklave Milo im neuen Katastrophenfilm «Pompeji». (Bild: Pathé Films)

Kit Harington als Sklave Milo im neuen Katastrophenfilm «Pompeji». (Bild: Pathé Films)

Geballt ist die Antike dieses Jahr im Kino präsent: Paul W. S. Anderson erzählt ab heute in «Pompeii» vom Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 n. Chr. In einer Woche werden die Athener in «300 – Rise of an Empire», der Fortsetzung von «300», in der Seeschlacht von Salamis gegen die Perser kämpfen. Im April kommt Darren Aronofskys «Noah» und im Sommer sollen gleich zwei Filme über Herkules starten.

Spektakuläre Stummfilme

Das Genre ist fast so alt wie das Kino selbst. Denn immer schon waren sich die Filmemacher der Wirkung von kolossalen Bauten und Massenszenen, von dekadenten Festen mit leicht bekleideten Frauen und grausamen Gladiatorenkämpfen, bei denen Athleten gestählte Körper zur Schau stellten, bewusst. Dass der Monumentalfilm schon vor dem Ersten Weltkrieg in Italien entstand, hat auch politische Gründe. Mit Filmen über die römische Kaiserzeit wie «Die letzten Tage von Pompeji» (Luiggi Maggi, 1908), «Quo vadis» (Enrico Guazzoni, 1912) und «Cabiria» (Giovanni Pastrone, 1914) wollte der junge, 1870 gegründete Staat an seine einstige Grösse erinnern und das Nationalbewusstsein fördern.

In den USA erlebte der Monumentalfilm – abgesehen von Griffiths bedingt dem Genre zuzuordnendem «Intolerance» (1916) – seinen ersten Höhepunkt in den 1920er-Jahren mit der Erstverfilmung von «Ben Hur» (Fred Niblo, 1925).

Revival in den 50er-Jahren

Blickte Hollywood in den folgenden zwei Jahrzehnten aufgrund der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkriegs verstärkt auf die Realität, so erlebte der Sandalenfilm in den 50er-Jahren ein Revival. Mit Massenszenen und Aufmärschen, die sich in ihrer Inszenierung an nationalsozialistischen Parteitagen orientierten, wollte man das aufkommende Fernsehen ausstechen. Das Cinemascope-Format, durch das Schauwerte noch besser wirken, wurde bezeichnenderweise beim Bibelfilm «The Robe» (Henry Koster, 1953) erstmals eingesetzt.

Die Themen variierten kaum, Remakes von «Quo vadis» (Mervin Leroy, 1951) bis «Ben Hur» (William Wyler, 1959) waren angesagt, dennoch kennzeichnet ein spezieller politischer Subtext diese Periode. Denn wenn hier immer wieder der dekadenten und brutalen Grossmacht Rom das Christentum gegenübergestellt wird, dann ist darin auch eine Verschiebung der Blöcke des Kalten Kriegs mit der aus amerikanischer Sicht klaren Grenzziehung von Gut und Böse in die Antike zu sehen. Bei Stanley Kubricks «Spartacus» (1960) lässt sich dagegen einerseits der revolutionäre Gestus und der Kampf für Freiheit als Kritik an der Kommunistenjagd McCarthys lesen. Andererseits ist der schwarze Held, der Spartacus zum Aufstand motiviert, ein Reflex auf die schwarze Bürgerrechtsbewegung.

Wiedergeburt mit «Gladiator»

1963 verschwand das kostspielige Genre nach dem Flop von «Cleopatra» für Jahrzehnte aus dem Kino. Erst als Computeranimationen die billigere Produktion von Monumentalfilmen ermöglichten, kam es zu Beginn des dritten Jahrtausends mit Ridley Scotts «Gladiator» (2000) und Wolfgang Petersens «Troja» (2004) zu einer Wiedergeburt. Im Vordergrund stehen wiederum die Schauwerte, doch in «Troja» kann man auch wieder einen politischen Subtext finden, kann im Krieg der Griechen gegen Troja eine Anspielung auf den Irak-Krieg und im Kriegshetzer Agamemnon auf George W. Busch sehen. – Ob «Resident Evil»-Regisseur Paul W. S. Anderson auch mit solchen doppelten Böden arbeitet, wird sich zeigen.

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