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Moleskine ohne Gummi(-band)

Die ausgebildete Buchhändlerin und in Luzern Kunst studierende Vanja Hutter hat im Vexer-Verlag ihr erstes selbstgemachtes Kunstbändchen herausgegeben. Ein überraschender kleiner Hingucker zum Anfassen.
Brigitte Schmid-Gugler
Vanja Hutter mit ihrem ersten Bändchen der «Niederlagen». (Bild: Ralph Ribi)

Vanja Hutter mit ihrem ersten Bändchen der «Niederlagen». (Bild: Ralph Ribi)

Es stach ins Auge. Als in der kürzlich zu Ende gegangenen Ausstellung in der Propstei St. Peterzell alle im Vexer-Verlag realisierten Projekte versammelt wurden: ein schmales fadengebundenes Büchlein, fast eher noch ein Heft mit abgerundeten Ecken oben und unten in der Art eines Moleskines, nur ohne Gummiband. Auf dem schwarzen Umschlag stand geschrieben «Buch der Niederlagen, Vanja Hutter, Serie der neuen Planeten Nummer 1». Zweifellos alles handgemacht, handgeschnitten, handgebunden. Schwarzer Strich auf weissem Papier.

Die Befindlichkeiten testen

Das Durchblättern ein Streifzug durchs Skizzenhafte: Figuren, Strichmännchen, Gesichter, Begonnenes und Abgebrochenes, Sprechblasen zu einzelnen Comic-Sequenzen teilweise kombiniert mit einigen farbigen Pinselstrichen. Mit Klebestreifen, der auf den kopierten Blättern einen leicht vergilbten Ton aufweist, aneinander gefügte Seiten. Kleine Notate – hingekritzelte Sätze, manchmal mehrere und dann auch wieder nur einzelne Begriffe. 62 ihres «Niederlage»-Bändchens hat sie inzwischen hergestellt und verkauft.

Vanja Hutter, ein gross gewachsenes, androgyn wirkendes Wesen mit feinen Gesichtszügen, hatte das Café Oya für ein Treffen vorgeschlagen. Sie erzählt von ihrer eben erst abgeschlossenen Gruppenausstellung in Oerlikon: «Ich wollte der Frage nachgehen, was der Hund aus dem Menschen macht und umgekehrt. «Hunderte», nannte sie ihre schalkhafte Fragestellung zu Identität und Selbstbild. Mit nichts als ihrem Fotoapparat ausgerüstet, hatte sie sich auf den Weg gemacht. Sie hielt Menschen an, die ihre Hunde ausführten, bat diese, für den Zeitraum des Knipsens den Hund gegen den Fotoapparat zu tauschen. Die meisten Leute hätten zugestimmt und die Künstlerin mit dem jeweiligen Tier – vom Chiwawa bis zur Dogge – fotografiert. Der spontane Akt, von teilweise ungeübten Fotografen, hinterliess Spuren, erzählt Vanja Hutter: «Manchmal fehlte ein Teil von mir, und manchmal war auch nur der halbe Hund drauf.» Doch für sie waren auch diese Bilder gültige «Indizien». Man stellt sich das ebenso lustvoll als auch ein bisschen «grenzgängig» vor, wie das Zustandekommen ihrer «Niederlagen». Die Idee hatte sie zu Beginn ihres Studiums, als die Studierenden aufgefordert wurden, sich auf irgendeine Weise zu ihrer Person zu äussern. «Ich wusste erst nicht, was ich machen sollte und begann dann halt bei der einfachsten Frage: «Was sind eigentlich meine Möglichkeiten – auch im physischen Sinn?» Um diese auszutesten, drehte sie sich in einer Parkgarage so lange im Kreis, bis sie, schwindlig geworden, hinfiel; sie machte einen Handstand und zerriss sich dabei die Hose; sie stand so lange auf einem Bein, bis es nicht mehr ging, und litt danach an Beinschmerzen. Während den «Tests» fotografierte sie sich, fertigte davon später die Zeichnungen an und kombinierte diese mit assoziativen «Selbst-Gesprächen».

«Es waren alles Niederlagen. Ein Thema, das mich sowieso beschäftigt», schildert Vanja Hutter. «Warum», fährt sie fort, «betrachten wir eine Niederlage meistens als ein Defizit? Wo doch genau dort etwas aufbrechen, neu werden könnte.»

Chance der Nischen

Die in St. Gallen aufgewachsene 25jährige ausgebildete Buchhändlerin äussert sich sehr differenziert und besonnen sowohl zu ihrem Entscheid, ein Kunststudium zu machen, als auch zum Thema Buch. Im Zeitalter von Grossverlagen, Ladenketten und E-Books sieht sie die wachsende Chance in Nischenprodukten von selbstverwalteten Kleinbetrieben. Für sie zähle das gedruckte Lese- als auch Kunstbuch immer noch zu den am emotional aufgeladensten Medien. Hier, denkt sie, könnte sie sich zukünftig noch so ein paar «Niederlagen» vorstellen – auch wenn sie dann doch unverhofft zu Erfolgen werden sollten.

Aus: «Buch der Niederlagen». (Bild: pd)

Aus: «Buch der Niederlagen». (Bild: pd)

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