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Mönchsleben für kleine Führungskräfte: Kinder erklären Kunst

Im Workshop «Ich zeig dir mein Museum» in Ittingen entdecken Kinder Kulturschätze – und lernen, sie spannend zu präsentieren. Das neue Vermittlungsangebot bewährt sich: Denn Ausstellungsbesucher – nicht nur Kinder –, erreicht man nachhaltiger und persönlicher, wenn sie «abgeholt» werden mit ihren Fragen.
Bettina Kugler
Die «Atelierklause» in Ittingen ist eine Werkstatt für Entdecker und Wissbegierige im Museum. (Bild: Reto Martin)

Die «Atelierklause» in Ittingen ist eine Werkstatt für Entdecker und Wissbegierige im Museum. (Bild: Reto Martin)

Halb drei zeigt die barocke Uhr in der Kapelle der Kartause Ittingen. Ist es nicht seltsam: eine Uhr anzubringen an einem Ort der Ruhe und Meditation, in Betrachtung der Ewigkeit? Aber nein, Jay-Ryan weiss es besser. Und er weiss ebenso gut, wie man Neugier weckt. Ruhig und selbstbewusst steht er auf den Altarstufen. «Was ich besonders spannend finde, ist diese Uhr», sagt der Zehnjährige mit der Dächlikappe laut und deutlich. Könnte ja sein, dass einer in dieser Gruppe nicht so gut hört.

Mit Museumspädagogin Rebekka Ray (rechts) bringen die Kinder Ordnung in ihre Stichwortsammlung. Bild: Reto Martin)

Mit Museumspädagogin Rebekka Ray (rechts) bringen die Kinder Ordnung in ihre Stichwortsammlung. Bild: Reto Martin)

Acht Augenpaare folgen seinem Hinweis und heften sich auf das Ziffernblatt. «Sie zeigt nicht nur, wie spät es ist. Sie sagt auch: Nutze die Stunde und vergiss nicht, dass dir einmal die letzte schlägt.» Ein grosser Moment; für Jay-Ryan eine Premiere. Dabei kennt er die Kartause ziemlich gut. Seine Oma macht Führungen hier und hat ihn schon oft mitgenommen.

Sara zeigt und erklärt, was «Misericordien» sind

Wir sind auf dem Proberundgang im Ittinger Museum, machen Station in der Mönchsklause, der Sakristei, der Klosterkirche. Hören vom Leben des Heiligen Laurentius (und erfahren, warum er einen Rost in der Hand hält), vom Heiligen Bruno, von Hugo von Grenoble. Dessen Name geht noch ein bisschen schwer über die Zunge – aber Geschichten erzählen, das können Tjalda und Jacobea, Sareena und David.

Im Chorgestühl zeigt Sara das Schnitzwerk und erklärt, was «Misericordien» sind: kleine Konsolen an der Unterseite der Klappsitze. «Da durften sich die Mönche im Stehen ein bisschen anlehnen. Die Gottesdienste dauerten oft lang.»

Die Führung dagegen ist kurzweilig und lebhaft: genau richtig für Gleichaltrige, für Freunde oder Geschwister bei einem Museumsbesuch mit der Familie. Drei Tage lang haben die sieben Primarschüler im Ferienworkshop «Ich zeig dir mein Museum» zusammen mit Museumspädagogin Rebekka Ray die Räume der Kartause erforscht, sich spielerisch und kreativ geschichtliches Wissen über den Ort, das Leben und die Arbeit der Mönche erarbeitet – und gemeinsam überlegt, wie man die eigenen Entdeckungen mit anderen teilen kann.

Die Primarschüler erarbeiten mit Museumspädagogin Rebekka Ray spielerisch und kreativ geschichtliches Wissen über den Ort, das Leben und die Arbeit der Mönche. (Bild: Reto Martin)

Die Primarschüler erarbeiten mit Museumspädagogin Rebekka Ray spielerisch und kreativ geschichtliches Wissen über den Ort, das Leben und die Arbeit der Mönche. (Bild: Reto Martin)

Museen im Dialog mit ihren Besuchern

Dass Kinder andere Kinder durchs Museum führen, ist als Vermittlungsformat relativ neu. Erprobt wird es auch andernorts in der Region: etwa im Forum Würth in Rorschach. Im Kunstmuseum St.Gallen ist aus der längerfristigen Arbeit im Kinder Kunst Klub ein Katalog für junge Museumsbesucher entstanden – auch er regt dazu an, mit Kinderaugen auf die Exponate zu schauen und eigene Sichtweisen einzubringen.

«Im Moment bewegt sich viel im Angebot der Museen», sagt Rebekka Ray. «Der partizipatorische Aspekt rückt in den Mittelpunkt der Vermittlungsarbeit und tritt an die Stelle der Einwegkommunikation durch Fachpersonen.» Nicht dass die klassische Führung, der kunsthistorisch fundierte Katalog oder Vorträge überflüssig wären.

Persönlicher und nachhaltiger jedoch erreicht man Ausstellungsbesucher – nicht nur Kinder –, wenn sie «abgeholt» werden mit ihren Fragen. Wenn sie eigenes Wissen einbringen und auf dieser Grundlage in eine aktive Auseinandersetzung mit den Schätzen der Museen treten können; seien es Kulturgüter, sei es zeitgenössische Kunst.

In einem Museum kann man deutlich mehr machen als Bilder anschauen. (Bild: Reto Martin)

In einem Museum kann man deutlich mehr machen als Bilder anschauen. (Bild: Reto Martin)

Jacobea, Sareena und Tjalda haben schon erste Erfahrungen im Kunstmuseum Ittingen gesammelt. Nach einem Workshop zur Malerin Helen Dahm haben sie sich an einigen Samstagen getroffen. Zweimal haben die Mädchen kleine Gruppen öffentlich durch die Ausstellung «Ein Kuss der ganzen Welt» geführt. Ende August, am letzten Tag der Schau, gibt es noch eine letzte Gelegenheit. Sie machen es so gern, dass sie auch jetzt, beim Workshop zum Leben der Mönche, gleich Feuer und Flamme waren.

Ruhig stehen, laut reden: «Wir alle sind schwerhörig»

Wörter wie «Reliquie», «Refektorium» oder «Restaurieren» gebrauchen die Kinder nach drei Tagen eifriger Recherche beinahe selbstverständlich. Sie haben Geschichten gesammelt und Begriffe, den Klosterplan und den Tageslauf der Mönche aufgezeichnet, auf Teller aus Karton gemalt, was es damals zu essen gab.

Die kleinen Workshop-Teilnehmer haben den Klosterplan gezeichnet. (Bild: Reto Martin)

Die kleinen Workshop-Teilnehmer haben den Klosterplan gezeichnet. (Bild: Reto Martin)

Und geübt, vor einer Kleingruppe zu stehen und zu reden: vielleicht mit einem Zettel und fünf Stichworten. Ohne Gezappel. Freundlich zugewandt. Und laut genug für Schwerhörige.

Kinder führen durch die Ausstellung «Ein Kuss der ganzen Welt»: So 25.8.2019, 13.30 Uhr, Kunstmuseum Thurgau Ittingen

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