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Neue Töne von Anna Rossinelli: Moderner Pop und viel Synthiesound

Die Band der Singer-Songwriterin gibt es schon seit zehn Jahren. Ihre Musik klingt aber zunehmend jünger, zeitgenössischer und stimmiger, wie auf «White Garden» zu hören ist. Private Neuanfänge haben auch die musikalische Weiterentwicklung angestossen.
Marc Krebs

Wer bei Google Anna Rossinelli eingibt, erhält als ersten Vorschlag keine Musik, sondern ein Stichwort: «Neuer Freund». Und, stimmt das? Ja, bestätigt sie. Aber wie ist die Basler Band mit der vorangegangenen einschneidenden Veränderung umgegangen?

Trotz Trennung musikalisch ein Team

Denn die Sängerin und der Bassist Georg Dillier waren immer ein Paar – bis sie sich 2015 trennten. Sie taten das im Stillen, als sie noch unterwegs waren mit ihrem vierten Album «Takes Two To Tango». «Zunächst wollte ich mit niemandem darüber reden», erzählt Rossinelli. «Wir mussten uns wieder finden in der Gruppe. Zwölf Jahre sind eine lange Zeit, man definiert sich extrem über den anderen. Also mussten wir die Trennung verarbeiten.»

Aber auch Gitarrist Manuel Meisel, der dritte im Bund, erlebte damals einen privaten Umbruch. «Es war für uns alle eine schwierige Phase», sagt Dillier, «aber aus kreativer Sicht extrem fruchtbar.»

«Ich möchte mit Georg und Manuel alt werden»: Anna Rossinelli mit Manuel Meisel (links) und Georg Dillier. (Bild: Jen Ries)

«Ich möchte mit Georg und Manuel alt werden»: Anna Rossinelli mit Manuel Meisel (links) und Georg Dillier. (Bild: Jen Ries)

Er und seine Ex-Freundin brachen also auf zu neuen Ufern, schrieben beide Songs darüber –und hielten sich und die neue Situation so gut aus, dass sie weiterhin zusammenarbeiten konnten.

Flirt mit der Weltmusik ist Vergangenheit

«Wir haben uns so auch künstlerisch weiterentwickelt», sagt Dillier. Anna Rossinelli, die Band, gibt es mittlerweile seit zehn Jahren, sie klingt mit jedem Album jünger, zeitgenössischer und zugleich stimmiger. Die Single «Feel It» etwa führt direkt in den Club. «Wir haben recht viel Party gemacht in dieser Zeit. Manche Songs sind im Vergleich zu den ersten Versionen nicht wiederzuerkennen», erklärt die 31-jährige Sängerin.

Vorbei also die Zeiten, als das Trio primär herzig klang und mit Weltmusik flirtete. Auf dem neuen, dem fünften Album «White Garden» reichern sie modernen Pop mit auffällig vielen Synthiesounds an. Das hatten sie schon mal versucht, doch geben sie zu, dass das nicht richtig funktionierte. Diesmal zogen sie mit dem DJ und Produzenten Pablo Nouvelle einen Kenner der Materie hinzu – und trafen unüberhörbar die richtige Wahl. Drei Wochen lang arbeiteten sie schliesslich, ergänzt durch Schlagzeuger und Produzent Simi Kistler, im Toggenburg an den Aufnahmen der neuen Lieder.

"Es ist kein Chlöni-Album"

Entstanden ist ein Album, auf dem Rossinellis Verletzlichkeit und ihr eindrückliches, leicht angerautes Timbre stark zum Tragen kommen. Herausragend ist dabei die melancholische Klavierballade «Heroine» oder das durchaus pathetische Aufmunterungslied «Hold Your Head Up». Kopf hoch? «Natürlich ist da viel Privates drin, schliesslich lässt sich so etwas Einschneidendes nicht ausblenden», sagt Anna Rossinelli. «Gerade auch, weil eine Beziehung etwas vom wichtigsten ist im Leben, musste das klar in die Musik hinein fliessen.»

Das erklärt auch, weshalb das neue Werk eher dunkel gefärbt ist. «Stimmt, das sehen wir auch so», sagt Rossinelli. «Aber es ist kein Chlöni-Album, wir wollten auch die schönen Momente festhalten, die wir erlebt haben. ‹White Garden› etwa schrieb ich, nachdem ich meinen neuen Freund kennengelernt hatte. Man spürt das Positive heraus, wie aufregend es ist, Neues zu entdecken.»

Eine Solokarriere war auch in der Trennungsphase nie ein Thema

Im Fall von Anna Rossinelli ist das nebst der Clubnummer «Feel It» auch R & B im Stil von Destiny’s Child («Jewellery»). Liebäugelt die Band mit der internationalen Popbühne? Die Frage stehe immer wieder im Raum, sagen sie, damit aber auch die Frage, wer Geld investieren möge. Eine zweite Teilnahme am Eurovision Song Contest schliessen sie jedenfalls aus. «Wir arbeiten seit sieben Jahren daran, Glaubwürdigkeit aufzubauen», sagt Dillier. Noch einmal am ESC teilzunehmen, würde das Gegenteil bewirken.

Eine Solokarriere einzuschlagen, war für die Sängerin auch in der Trennungsphase nie ein Thema. «Anna Rossinelli ist immer noch eine Band», sagt sie bestimmt. Und: «Ich möchte mit Georg und Manuel alt werden.»

Anna Rossinelli: White Garden, Universal, ab 18. Januar

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