Corund Concert: Mitstreiter wieder vereint

Als von Ferne Kanonenschüsse in Bachs Musik hineindonnerten, wirkte das am Samstag in der Matthäuskirche Luzern wie ein barocker Theatereffekt. Und obwohl sie zur Jubiläumsfeier der Stadtmusik Luzern vor dem KKL gehörten: Der Spannung, mit der in der Matthäuskirche das Corund Barockorchester auch ohne Pauken und Trompeten seinen Auftritt beschloss, war der Salut angemessen.

Urs Mattenberger
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Stephen Smith. (Bild: Manuela Jans-Koch, 27. Oktober 2017)

Stephen Smith. (Bild: Manuela Jans-Koch, 27. Oktober 2017)

Zudem bot auch dieses Konzert eine Art Rückblick: auf die Zeit, als Corund-Leiter Stephen Smith für die historische Aufführungspraxis in Luzern Mitstreiter aus dem Luzerner Sinfonieorchesters gewann. Dessen ehemaliger Konzertmeister Igor Karsko und die Solo-Oboistin Andrea Bischoff spielten bei der damaligen Suche des LSO nach einem Barockprofil eine wichtige Rolle.

Der Konzertmeister als heimlicher Solist

Beide wirkten jetzt als Solisten in diesem Bach-Programm mit, wobei der Geiger auch als Konzertmeister den Abend lebendig prägte. Das galt schon für die Orchestersuite in C-Dur. Sie verband mit Streichern, zwei Oboen, Fagott und Cembalo geschmeidige orchestrale Pracht mit kammermusikalischem Feinsinn, die ganz aus den energischen oder filigran angedeuteten Impulsen des Konzertmeisters herauswuchsen.

Die Konzerte für Oboe d’amore (nach BWV 1055) und Cembalo (BWV 1054) standen in der Mitte für ein Musizieren wie unter Freunden, das auch die Anordnung der Streicher rund um das von Smith virtuos gespielte Cembalo zum Ausdruck brachte. Und alles kam zusammen im grossen Schlussstück des Abends: Im Doppelkonzert nach BWV 1060 verband sich die virtuose Erregung von Karskos Geige mit der eindringlich-kantablen Oboe von Andrea Bischoff zu einem grossen Duett, in dem die Wechselreden, klanglich tief grundiert durch das Orchester, spitz und weich hin- und hergingen. Und das mit einer Intensität, die jeden Kanonenschuss locker zu übertönen vermochte. (mat)